Bernhard-Theater

«Das Bernhard-Theater und ich sind uns gar nicht so unähnlich»

Eine Institution feiert den 75. Geburtstag. Hanna Scheuring, die Leiterin des Bernhard- Theaters, erzählt, wie man einem Theater ein Gesicht gibt und was sie von Moritz Leuenberger hält.

«Das Theater braucht meinen vollen Einsatz»: Hanna Scheuring leitet das Bernhard-Theater seit Oktober 2014, sie hat dem Haus wieder ein Gesicht gegeben.

«Das Theater braucht meinen vollen Einsatz»: Hanna Scheuring leitet das Bernhard-Theater seit Oktober 2014, sie hat dem Haus wieder ein Gesicht gegeben. Bild: Sandra Ardizzone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frau Scheuring, bevor Sie Leiterin des Bernhard-Theaters wurden, sorgte dieses mit Pleiten, Pech und Pannen für Gesprächsstoff. Wo steht es heute?
Hanna Scheuring: Ich leite das Theater nun seit zwei Jahren. In dieser Zeit hat sich vieles verändert. Zuvor war diese Bühne ein reiner Vermietungsbetrieb und administrativ betreut. Einen Kurator gab es gar nicht. Das Opernhaus hat 2014 dann jemanden gesucht, der diesem Haus wieder ein Gesicht gibt. Deshalb war es für mich wichtig, aktiv neue Programme auf die Bernhard-Bühne zu holen.

Welche denn?
Ein Format ist beispielsweise das Stand-up-Comedy-Programm mit Künstlern aus Deutschland und der Schweiz, die hier monatlich gastieren. Damit versuche ich den Volkstheaterbegriff, der hier im Bernhard-Theater gelebt wird, auch in eine etwas modernere Zeit zu führen. Mein Anliegen ist, die Volkstheatertradition zu bewahren, sie aber auch weiterzuentwickeln. Denn auch das Publikum verändert sich. So gibt es die klassischen Volkstheaterstücke noch heute, einfach in einer etwas anderen Form. Dazu gehören beispielsweise Produktionen wie das Jubiläumsstück «Cabaret».

Und das funktioniert?
Ich hoffe es. Zumindest versuche ich, die Stücke im Bernhard so auszuwählen, dass sich auch Menschen angesprochen fühlen, die vielleicht nicht so regelmässig ein Theater besuchen.

Auch mit neuen Eigenproduktionen haben Sie Erfolg. Die Bernhard-Matinée,bei der Moritz Leuenberger die Gesprächsrunde moderiert, ist immer ausverkauft.
Als ich die Leitung übernommen habe, war mir klar, ich will etwas Ähnliches lancieren, wie es damals Hans Gmür mit dem Bernhard-Apéro getan hat. Diesen gab es während 24 Jahren und als er 2004 beendet wurde, ging der Kulturstadt Zürich tatsächlich eine Institution verloren. Zusammen mit meinem Team haben wir also lange überlegt, wie wir dieses Format wieder neu beleben könnten. So entstand die Bernhard-Matinée. Mit Moritz Leuenberger haben wir die perfekte Besetzung gefunden. Er ist ein Publikumsmagnet, ist intelligent und sehr lustig. Ein sehr grosser Dank gebührt Schauspieler Erich Vock. Seine Produktionen ziehen Besucher aus der ganzen Schweiz an. Er schafft perfektes Volkstheater, das unter die Haut geht.

«Ich habe noch viele Träume.»

Hanna Scheuring

Sind also bekannte Namendas Rezept für den Erfolg?
Ja und nein. Bekannte Namen alleine füllen nicht über Wochen einen Theatersaal. Es braucht Präzision, ein gutes Gespür, Lebendigkeit, klugen Humor und beherzte Stücke. Und darauf reagieren die Besucher.

Bei Ihrem Antritt planten Sie eine Theaterzeitung, eine neue Homepage, ein neues Logo. Haben Sie alles umgesetzt?
Ich habe die meisten Ideen aus der Anfangszeit bereits umgesetzt. Das war aber auch dringend nötig, damit das Bernhard-Theater wieder ein beseeltes Haus ist.

Das Interieur aber wollten Sie bewahren.
Vor allem das Konzept mit den Tischchen liegt mir am Herzen. Das ist etwas Besonderes und zeichnet diesen Ort hier aus. Wo sonst kann man während des Theaters auch noch ein Glas Wein geniessen? Das heisst aber nicht, dass ich mir nicht überlege, was noch verschönert werden könnte. Deshalb war es mir wichtig, dass das Theater eine richtige Bar bekommt. Unsere Bar Café Bernhard.

Das Gesicht nach aussen?
Genau, deshalb der Name «De Bernhard». Das Logo ist auch bewusst das Konterfei von Rudolf Bernhard. Theater ist etwas Soziales. Das Stück soll nach der Aufführung noch nachwirken dürfen und können. Und so ist unsere Bar nun eine Begegnungszone für Besucher und Schauspieler.

Auf der Website steht heute: «Das einzige Theater mit einem eigenen Opernhaus». Das ist sehr selbstbewusst.
Das ist ein Banner, das wir, augenzwinkernd, für unser 75-Jahr-Jubiläum kreiert haben. Es repräsentiert den Humor des Theaters und dass wir uns neben der grossen Mutter nicht verstecken. Zudem soll es an die Zeit erinnern, als das Bernhard kurz vor der Schliessung stand.

Wie geht es mit dem Bernhard weiter?
Zu den kommenden Programmen darf ich noch nichts sagen. Momentan bin ich glücklich mit dem wunderbaren Musical «Cabaret». Es passt mit seinem 30er-Jahre-Stil sehr gut zu unserem Jubiläum am 19. Dezember. Ab Ende Januar steht eine Produktion von Erich Vock und Hubert Spiess mit Ensemble auf dem Spielplan. Das Stück «Ausser Kontrolle» ist übrigens eines der lustigsten Theaterstücke, die ich kenne.

Sie haben sich, nach Jahren auf der Bühne, hinter den Vorhang verabschiedet. Warum?
Wäre ich tatsächlich eine sehr erfolgreiche Schauspielerin gewesen, wäre es wohl nicht dazugekommen. Schauspielerinnen zwischen 40 und 65 Jahren machen oft eine Durststrecke durch, weil es für sie nicht mehr viele Rollen gibt. Das gilt aber natürlich nicht für jene, die bei einem Haus fest angestellt sind. Mit Anfang 40 etwa habe ich begonnen, mir auch Alternativen im schauspielerischen Bereich aufzubauen. Ich begann als Coach für Auftrittskompetenz für Menschen in Wirtschaft und Kultur. Dann habe ich selber Stücke produziert und geschrieben. Das ist natürlich auch ein bisschen aus der Not heraus entstanden, weil das Telefon nicht immer geklingelt hat. Mit all diesen Projekten habe ich gemerkt, dass ich gerne mit Menschen kommuniziere und Produktionen organisiere. Und schlussendlich macht mich auch diese Arbeit, so wie das Spielen, sehr glücklich.

Werden Sie je wieder selber auf der Bühne stehen?
Auf jeden Fall. Nur nicht gerade jetzt. Das Bernhard-Theater braucht im Moment noch meinen vollen Einsatz.

Was ist dabei Ihre grösste Herausforderung?
Weil hier gerade vieles parallel läuft, zu spüren, was gerade oberste Priorität hat. Also zu wissen, wo der Feuerwehrschlauch das grösste Feuer zu löschen hat.

Wohin möchten Sie sich noch entwickeln?
Schwierig zu sagen. Derzeit kreist meine Fantasie innerhalb dieser roten Wände. Spielen, Regie führen, selber produzieren. Ich habe noch viele Träume.

Was haben das Bernhard und Sie gemeinsam?
Noch nicht ganz das Alter (lacht). Wahrscheinlich bin ich als Mensch eher umgänglich, wie das Bernhard meistens auch. Es ist natürlich ein Theater, das unterhält. Dagegen bin ich vielleicht etwas ernster. Wobei auch unsere Stücke immer wieder berühren und ernste Themen beinhalten. Vielleicht sind wir uns gar nicht so unähnlich.

(Der Landbote)

Erstellt: 20.12.2016, 18:33 Uhr

Zur Person

Hanna Scheuring

Sie ist als jüngste von vier Töchtern im aargauischen Nussbaumen aufgewachsen. Nach der Ausbildung zur Schauspielerin am Konservatorium für Musik und Theater in Bern spielte sie einige Jahre in Deutschland, am Landestheater Marburg und am Theater Trier. In der Schweiz wurde die heute 51-Jährige vor allem durch ihre Rolle der «Vreni» in der erfolgreichen Sitcom des Schweizer Fernsehens «Fascht e Familie» berühmt. Weiter sah man sie in der Soap «Lüthi und Blanc» und in diversen Filmen. Im Herbst 2012 feierte ihr erstes eigenes Stück, «Love, Marilyn», Premiere. Seit Oktober 2014 ist sie Leiterin des Bernhard-Theaters in Zürich, das seit den 1980er-Jahren zum Opernhaus gehört. Scheuring lebt in Zürich und ist Mutter von zwei Kindern, Rhea (16) und Lou (12).

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Jetzt abonnieren!

Abonnieren und profitieren!

Jetzt abonnieren und profitieren!