Zürich

Das Tanzhaus ist offener – und grüner

Als Kunstform ist Tanzen in Zürich nicht sonderlich populär. Das soll sich ändern – dank eines Brandes, einer Vision und eines spanischen Architekten mit Sinn für Zugänglichkeit.

Nicht an Toblerone habe er beim Entwerfen des neuen Tanzhauses gedacht, sondern an Rhythmus, sagt der spanische Architekt Alberto Veiga.

Nicht an Toblerone habe er beim Entwerfen des neuen Tanzhauses gedacht, sondern an Rhythmus, sagt der spanische Architekt Alberto Veiga. Bild: PD/Hochbaudepartement Stadt Zürich

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Nein, sagt Architekt Alberto Veiga und lacht über die Frage eines Journalisten, ob er beim Entwerfen der dreieckigen Fenster an Toblerone gedacht habe. Rhythmus sollen sie symbolisieren, sagt er. Schliesslich wird hinter den Mauern getanzt.

Primär lernen hier Künstlerinnen und Künstler, ihre Tanzprojekte zu entwickeln, zu finanzieren und sie zur Aufführung zu bringen. Es werden Trainings für Profitänzerinnen und Choreographen angeboten, aber auch Kurse für Kinder und Erwachsene, die in ihrer Freizeit gerne tanzen. Laut dem Leistungsauftrag der Stadt ist das Haus «eine zentrale Anlaufstelle für die Tanzschaffenden aller Generationen».

«Der Architekt hat eine Ikone geschaffen, die sich allein in den Dienst der Bevölkerung und der Tanzkunst stellt.»Peter Haerle
Direktor Kultur Stadt Zürich

Der Architekt habe eine Ikone geschaffen, die sich allein in den Dienst der Bevölkerung und der Tanzkunst stelle, sagt Peter Haerle, Direktor Kultur Stadt Zürich, gestern bei der Besichtigung. Veiga bestätigt, dass es ihm nicht primär um das Gebäude gegangen sei, sondern darum, wie man es möglichst Vielen zugänglich macht.

Das schafften er und sein in Barcelona beheimatetes Büro durch den verbreiterten Uferweg und die Zugänge zum Gebäude und zum Garten auf dem Dach des zweigeschossigen Baus.

Bei der aktuellen Klimadiskussion vergisst Zürichs Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) nicht zu erwähnen, dass die Hülle aus Recyclingbeton besteht und dass mit Wärmepumpe und Erdsonde geheizt wird. Statt auf Storen setzt man auf Fensterbegrünung. Im Sommer dienen die Blätter als Sonnenschutz, in der laubfreien Zeit kann dafür wärmendes Licht ins Innere dringen.

Magglingen des Tanzes

Im Obergeschoss befinden sich Büros und Garderoben, im Erdgeschoss die Proberäume und die Bühne für die Aufführungen. Das Foyer mit Cafeteria und Bar soll zu einem Treffpunkt für Tanzschaffende und die Bevölkerung werden. Es sei wichtig, solche Begegnungen zu fördern, sagt die Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Hauses, Catja Loepfe.

«Ich bin überzeugt, dass Tanzen die Kunstform der Zukunft ist.»Catja Loepfe
Künstlerische Leiterin des Tanzhauses

In der Kunstwelt stehe Tanzen ein wenig am Rande. «Aber ich bin überzeugt, dass es die Kunstform der Zukunft ist.» Tanzen halte fit und helfe, den eigenen Körper besser zu spüren. Und Tanzen verbinde, über alle Sprachen und Kulturen hinweg. Loepfe nennt als Beispiel die Zusammenarbeit mit dem Asylzentrum Juchhof, wo das Tanzhaus erfolgreich mit Migrantinnen und Migranten arbeitet. Geplant sind auch Tanzstunden für Menschen, die an Parkinson leiden.

Loepfe stellt sich das neue Haus als eine Art Magglingen des Tanzes vor: Einen Ort, wo Profis proben und Werke aufführen, ihr Können und Wissen aber auch einer breiten Bevölkerung weitergeben. «Das neue Haus gibt uns einen Schub in diese Richtung», sagt Loepfe.

Brand während Umbau

Am Anfang dieses Schubs stand ein Feuer. Im Oktober 2012 brannte das Probelokal während Umbauarbeiten bis auf die Grundmauern der früheren Seidenweberei nieder. Ab 1945 war im Gebäude die Schweizerische Textilfachschule untergebracht. 1996 stellte die Stadt die Räume dem Tanzhaus zur Verfügung. Nach dem Brand mussten die Tänzerinnen und Tänzer in den Mediacampus in Zürich-Altstetten ausweichen.

Derweil wurde eiligst ein Ersatzneubau geplant. Um die volle Versicherungssumme zu kassieren und an gleicher Stelle wieder bauen zu dürfen, musste die Stadt gemäss Brandstattrecht innert dreier Jahre ein Baugesuch einreichen. So nahe an der Limmat dürfte heute sonst kein Gebäude mehr zu stehen kommen.

«Es wird eine Punktlandung geben.»André Odermatt
Hochbauvorsteher der Stadt Zürich

Ein Meilenstein für das Tanzhaus war die Abstimmung vom Mai 2017. Die Stadtzürcherinnen und –zürcher bewilligten mit einem Ja-Stimmenanteil von 65 Prozent einen jährlichen Beitrag von 1,8 Millionen Franken. Mit dem Betrag erlässt die Stadt dem Verein Tanzhaus Zürich die Jahresmiete von 950000 Franken. Der Rest kann in den Betrieb investiert werden. Auch für den Neubau kommt grösstenteils die Stadt auf. Von den 14,5 Millionen Franken übernahm sie 11,5 Millionen Franken. Wegen des Brandfalls steuerte die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich 3 Millionen Franken bei.

Obwohl der Bau erst ein Jahr später als geplant fertig geworden ist – Altlasten im Fundament führten zur Verzögerung – , werde das Budget eingehalten, sagt André Odermatt. «Es wird eine Punktlandung.» Eröffnet wird das neue Tanzhaus am 6. September von Stadtpräsidentin Corine Mauch. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 24.05.2019, 18:43 Uhr

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