Denkmal

Der Gasometer erhält einen Schirm

Wegen Rost­schäden ist der Schlieremer Gasometer – es handelt sich um einen der letzten in Europa – stark geschädigt. Der grösste Verursacher ist die Feuchtigkeit im Inneren.

Das Dach des Schlieremer Gasometers ist durchlöchert. Regenwasser sammelt sich am Boden, was den Rost in alle Ecken treibt.

Das Dach des Schlieremer Gasometers ist durchlöchert. Regenwasser sammelt sich am Boden, was den Rost in alle Ecken treibt. Bild: Sandra Ardizzone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Um den Schlieremer Gasometer steht es schlecht. «Er wurde für eine Dauer von wenigen Jahrzehnten erstellt, aber niemals für über 100 Jahre», sagt Markus Bärtschiger (SP). Er ist Stadtpräsident und Stiftungsrat der Stiftung Gasometer Schlieren und kennt den Bau gut, denn er half mit bei der Ausarbeitung eines Rettungsversuchs.

Ein Rettungsversuch, der bereits seit mehreren Monaten geplant wird.Noch vor einem Jahr dachte die Stiftungsratspräsidentin Barbara Truog laut über einen Abbruch des Industriedenkmals nach. Zu gross schien der Schaden. Die 35 Meter hohe Konstruktion besteht zum Grossteil aus Stahl.

Vor rund zehn Jahren, als man das Gaswerk zuletzt sanierte, hatte man gehofft, die angewendete Farbe würde die Rostbildung länger verhindern. Doch man irrte sich. «Der Boden des Bauwerks ist, egal, zu welcher Jahreszeit, mit Wasser bedeckt. Mal ist es mehr, mal weniger.» Beim Gasometer mit Baujahr 1899 handelt es sich laut Bärtschiger um einen der letzten in Europa.

Es ist eine Geldfrage

«Hätte man genügend Geld zur Verfügung, liesse sich der Gasometer in seine Einzelteile zerlegen, entrosten und wieder zusammenbauen», sagt Bärtschiger. Diese mehreren Millionen Franken habe man jedoch nicht. Dass man den Bau – wie früher geplant – als Eventlokal verwenden könnte, wird heute als unmöglich eingestuft. Weil gleich daneben Energie 360 Grad noch immer Gas lagert, dürfen sich niemals mehr als rund 40 Personen gleichzeitig im Bauwerk aufhalten.

Zudem gebe es keine Garantie, dass der Gasometer innert weniger Jahre nach einer allfälligen Sanierung nicht erneut Rost ansetzt und so zu Schaden kommt. Bärtschiger zieht den Vergleich zu den Pyramiden von Gizeh, denen die Erosion nicht viel anhaben kann. «Wir haben uns gefragt, ob wir den Gasometer zerfallen lassen müssen. Nur ginge es bei ihm viel schneller als bei den Pyramiden, weil diese glücklicherweise aus Stein gebaut sind.»

Der Stiftungsrat entschied sich für einen einigermassen sanften Rettungsplan. Noch vor fünf Jahren sollte der Gasometer als bewegliche Maschine erhalten bleiben, sagte der damalige Präsident Thomas Müller. Doch nun sieht es anders aus. Anstelle das Bauwerk in mühseliger und kostspieliger Arbeit zu entrosten, will man erst sicherstellen, dass künftig kein Wasser mehr hineinfliessen kann.

Schirm soll es richten

«Wir stehen kurz vor der Baueingabe einer Schirm-Konstruktion aus transparenter Plache», sagt Bärtschiger. Diese soll direkt über dem Dach des Gasometers erstellt werden und rund sechs Meter über dessen Aussenkanten herausragen. Der obere fili­grane Teil würde über die Schirm-Konstruktion ragen und wäre somit weiterhin auch aus der Ferne sichtbar.

Trotz der Durchsichtigkeit der Plache würden die Holzelemente der Konstruktion zu sehen sein. «Wir fragten uns, ob wir die Gestaltung der Plache unauffällig halten oder zu einem Statement machen sollen – wir entschieden uns für Ersteres.» Bezüglich der Kosten kann Bärtschiger noch nicht viel verraten. «Wir sind in Verhandlungen mit einem Unternehmen. Der Kostenrahmen nach oben steht jedoch fest – mehr als eine Million Franken dürfen die Arbeiten nicht kosten, da die Stiftung noch so viel Geld in ihrer Kasse hat.»

Für dieses Geld will man zahlreiche weitere Arbeiten vornehmen. Denn: Gelingt es, den Boden des Gasometers trocken zu halten, liessen sich die rostigen Teile besser behandeln und würden nicht wieder innert weniger Jahre beinahe zerstört werden. Läuft alles nach Plan, soll im Sommer mit den Arbeiten begonnen werden.

Einen Zustupf erkämpft man sich auf dem Gerichtsweg. Das Unternehmen, das die Sanierung Mitte der Nullerjahre durchgeführt hatte, soll gepfuscht haben. Nur so lasse sich erklären, dass der Schaden nach nur einer Dekade wieder so gross sei. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 18.01.2019, 20:57 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare