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Der Gewerkschaftsbund unterstützt SVP-Stadtratskandidat

SVP-Gemeinderat Roger Bartholdi stellt sich hinter zentrale Anliegen des Gewerkschaftsbundes. Dieser wirbt deshalb für ihn.

SVP-Gemeinderat Roger Bartholdi, Präsident des Zürcher Bankenpersonalverbandes. Er bekennt sich zur Wahlplattform des kantonalen Gewerkschaftsbundes.
SVP-Gemeinderat Roger Bartholdi, Präsident des Zürcher Bankenpersonalverbandes. Er bekennt sich zur Wahlplattform des kantonalen Gewerkschaftsbundes.
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Was haben die Jungsozialistin Nina Hüsser, AL-Stadtrat Richard Wolff und SVP-Stadtratskandidat Roger Bartholdi gemeinsam? Politisch wenig. Aber alle drei zählen zu den sieben Zürcher Stadtratskandidaten, die vom kantonalen Gewerkschaftsbund (GBKZ) offiziell unterstützt werden – ebenso wie Stadtpräsidentin Corine Mauch, die SP-Stadträte Raphael Golta und André Odermatt sowie Kandidatin Karin Rykart (Grüne). Dies hat der GBKZ gestern mitgeteilt. Begründung: Alle sieben bekennen sich zu einer Wahlplattform. Darunter sind zentrale Anliegen des GBKZ zu verstehen. Drei Beispiele:

- Die Stadt darf ihre Betriebe weder auslagern noch privatisieren.

- Die Kandidaten müssen den städtischen Wohnbau und Wohnbau-Genossenschaften unterstützen; ebenso den Ausbau von Krippen, Horten und Schulen.

- Die Kandidaten müssen die Einführung einer City-Card für Sans Papiers unterstützen, damit diese regulär eine Wohnung mieten und arbeiten können.

Wie schaffte es SVP-Kandidat Roger Bartholdi, den Segen der GBKZ zu erhalten? Immerhin schiesst seine Partei gerne und oft scharf gegen fast alle gewerkschaftlichen Anliegen. «Bartholdi hat sich verpflichtet, für unsere Anliegen einzustehen», sagt GBKZ-Präsident und AL-Kantonsrat Markus Bischoff. Er räumt ein, dass Bartholdi als SVPler unter den allesamt linken Kandidaten, die der Gewerkschaftsbund unterstützt, seltsam wirkt. Ein Kuckucksei im gewerkschaftlichen Nest?

Die Realität ist banaler: Bartholdi ist Präsident des Zürcher Bankpersonalverbandes. Dieser ist schon seit zehn Jahren dem GBKZ angegliedert. Der SVP-Mann ist zudem Revisor beim GBKZ und Delegierter beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB). Als langjähriger Verbands- und Gewerkschaftsfunktionär war es laut Bischoff mehr oder weniger eine Formsache, dass Bartholdi auf die GBKZ-Kandidatenliste kam. Voraussetzung war aber das Bekenntnis zur Wahlplattform.

Keine Gewissensprüfung

Diskussionen habe es im GBKZ-Vorstand wegen Bartholdi zwar gegeben, sagt Bischoff, aber gross umstritten sei die Sache nicht gewesen. Aufsehen hätte es erregt, wenn Bartholdi nicht auf die Liste gekommen wäre. «Er muss nun selber wissen, wie er die Gewerkschafts- und SVP-Politik unter einen Hut bringen will», sagt Bischoff. «Eine Gewissensprüfung machen wir nicht.»

Der Gewerkschaftsbund plant einen Mitgliederversand mit seinen Stadtrats- und Gemeinderatskandidaten. Auch eine Beilage in der Zeitung WOZ ist geplant. Nicht auf der GBKZ-Liste figurieren übrigens die Stadtratsmitglieder Daniel Leupi (Grüne) und Claudia Nielsen (SP). Aus dem einfachen Grund, weil sie keine Gewerkschafter sind.

Bartholdi bekundet keine Mühe mit seiner Doppelrolle als Gewerkschafter und SVPler. Zur Wahlplattform könne er stehen, sogar zur City-Card für Sans Papiers. «Natürlich ist noch offen, ob das rechtlich überhaupt geht», sagt der Bankangestellte. Auch das Verbot der Privatisierung und Ausgliederung widerspreche der städtischen SVP-Politik nicht. Gewerkschaftlich aktiv ist Bartholdi seit Jahren. Die Bezeichnung Gewerkschafter findet er aber für seine Funktion als Verbandspräsident unpassend. Denn sein Verband trete nicht als Gewerkschaft auf. Zudem tickten die Mitglieder mehrheitlich bürgerlich – wie er.

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