Gedenkfeier

Der letzte Anpfiff für Köbi Kuhn

Fussball-Prominenz und -Fans verabschiedeten sich am Freitag an einer Feier im Zürcher Grossmünster von Köbi Kuhn. In Erinnerung bleiben wird er nicht nur wegen seiner Erfolge.

Köbi Kuhn ist Ende November 76-jährig gestorben.

Köbi Kuhn ist Ende November 76-jährig gestorben. Bild: Keystone

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Ex-Fifa-Chef Sepp Blatter, Nati-Trainer Vladimir Petkovic, ehemalige Nationalspieler, die gesamte FCZ-Mannschaft und zahlreiche weitere Fussball-Prominente füllten am Freitagnachmittag zusammen mit Fans, Medienvertretern und den Angehörigen des verstorbenen Köbi Kuhn die Kirchenbänke im Grossmünster. Von einem in Grossformat aufgezogenen Foto blickte Kuhn sanft lächelnd in die Menge.

Seit «Köbi National» am 26. November gestorben ist, wurde so viel über ihn geschrieben, Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist auf das Herunterlesen eines Lebenslaufs. Stattdessen liess er Wegbegleiter des Verstorbenen zu Wort kommen. Kuhn prägte die Fussballschweiz, als FCZ- und Nationalspieler und zuletzt als Trainer der Nationalmannschaft. Doch auch über den Sport hinaus hat er viele Schweizerinnen und Schweizer begeistert. Mit seiner bescheidenen Art und seinem spitzbübischen Lächeln. Nach seinem Tod wurde er dafür in den Medien zum Vertreter einer aussterbenden Schweiz hochstilisiert.

«Ein Zürikind mit unverstellter Zürischnurre»

Kuhns Leben und Wirken wurde in zahlreichen Episoden sichtbar, welche ein halbes Dutzend Redner erzählten. «Ein Zürikind mit unverstellter Zürischnurre, einer der grössten Zürcher unserer Zeit» sei er gewesen, sagte Stadtrat Filippo Leutenegger. In einfachen Verhältnissen aufgewachsen, habe er nie vergessen, woher er komme, und wer er sei. Er habe deshalb ein Denkmal verdient, am besten auf der Fritschiwiese, wo er mit dem Fussballspielen angefangen habe.

Für die meisten Redner, war er «der Köbi». Ludovic Magnin und Alex Frei hingegen, die ihn als Trainer der Nationalmannschaft kannten, nannten ihn konsequent «Herr Kuhn». «Man konnte ihn gar nicht nicht mögen», sagte Magnin. «Herr Kuhn hat uns vertraut, wie ein Vater seinen Kindern vertraut.» Spätabends nach einem Spiel habe er ihn einmal gefragt, ob die Mannschaft noch in den Ausgang dürfe. «Nein, Ludo», sei seine Antwort gewesen. «Aber ich schlafe tief. Sehr tief.»

Regierungsrat Mario Fehr erinnerte sich, wie Kuhn bei der Feier seines 70. Geburtstags um 10 Uhr abends einfach aufgestanden sei und sich verabschiedet habe. «Ich muss zu Alice», habe er gesagt, und sei gegangen. Kuhns Frau war damals bereits schwer krank und starb im darauffolgenden Jahr.

«Was Manager heute in teuren Seminaren lernen, hatte Herr Kuhn einfach in sich», sagte Alex Frei. «Lieber Gott, bitte achte auf Herr Kuhn, so wie er auf uns geachtet hat.»

Es ist noch nicht vorbeinach der 90. Minute

FCZ-Präsident Ancillo Canepa zeigte sich tief bewegt vom Hinschied seines früheren Jugendidols. Kuhns Frau Jadwiga habe ihn eingeladen, am Totenbett von ihm Abschied zu nehmen. Das habe er aber nicht gekonnt.

Pfarrer Christoph Sigrist sagte, dass es seine Überzeugung sei, dass das Spiel mit dem Schlusspfiff in der 90. Minute eben nicht zu Ende sei, sondern dass für Köbi jetzt die Nachspielzeit – im Himmel – angepfiffen werde. Er liess die Feier deshalb mit einem für Kirchenverhältnisse eher untypischen Stück ausklingen: der Nationalhymne.

Erstellt: 13.12.2019, 19:00 Uhr

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