Zürich

Der neuste Retter kann fliegen

Schutz & Rettung Zürich stehen neu zwei Drohnen zur Verfügung. Ein Pikettdienst aus neun Piloten ist rund um die Uhr einsatzbereit. Bei Katastrophen erhalten auch die Gemeinden im Umland Hilfe.

Drohnenpilot Yannick Herger (links) und Basil Brühlmann erhalten die Bilder aus der Luft direkt auf den Bildschirm. Fotos: Sabina Bobst

Drohnenpilot Yannick Herger (links) und Basil Brühlmann erhalten die Bilder aus der Luft direkt auf den Bildschirm. Fotos: Sabina Bobst

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Dichter Rauch steigt auf. Eine Lagerhalle steht in Flammen. Mehrere Fahrzeuge, die sich darin befinden, haben Feuer gefangen. Der Grossbrand vergangene Wochen in Dietikon beeinträchtigt auch die Bahngleise neben dem Industriegebiet. Für die Rettungskräfte ist die Lage unübersichtlich.

Abhilfe verschafft neu Schutz & Rettung Zürich. Die grösste Rettungsorganisation der Schweiz ist unterstützend nach Dietikon ausgerückt. In einem Fahrzeug befindet sich eine Drohne. Sie ist mit einer optischen Kamera und einer Wärmebildkamera ausgestattet und liefert Bilder aus der Luft. Die Retter erhalten so einen Überblick über das Ausmass des Brandes.

Es ist nicht das erste Mal in der Schweiz, dass Drohnen bei einem Rettungseinsatz in die Luft steigen. Vereinzelt sind sie schon von kleineren Korps verwendet worden. Neu ist aber, dass Schutz & Rettung Zürich einen Pikettdienst auf die Beine gestellt hat, der rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr einsatzfähig ist. Seit einigen Monaten ist er operativ. «Unseres Wissens sind wir das erste Rettungskorps in der Schweiz, das einen dauerhaften Pikettdienst sicherstellt», sagte Peter Wullschleger, Kommandant Feuerwehr und Zivilschutz, am Donnerstag an einer Medienkonferenz.

Erstaunen mag es, dass dies so lange gedauert hat, lassen doch Hobbypiloten schon seit Jahren Drohnen in die Luft. «Wir wollten es professionell aufziehen, und da brauchte es umfassendere Abklärungen und viel Ausbildung», sagt Wullschleger.

Viele Flugverbotszonen

Rechtlich musste geklärt werden, wann und wo Drohnen fliegen dürfen, denn es gibt viele Flugverbotszonen im Kanton, etwa in Flughafennähe. Schutz & Rettung Zürich musste deshalb mit sämtlichen Flugplätzen und Heliports ein eigenes Abkommen abschliessen. Nun kann das Korps schon während der Fahrt zu einem Einsatz bei den zuständigen Stellen eine Sonderbewilligung anfordern.

Aufwendig ist auch die Ausbildung der neun Drohnenpiloten, die Pikettdienst leisten und innert einer halben Stunde an einem Unglücksort sein müssen. Das Training ist noch nicht abgeschlossen. Fliegen bei Nacht, zwischen Gebäuden hindurch und unter anderen erschwerten Bedingungen – etwa wenn Tramleitungen im Weg sind – müssen ständig geübt werden.

Sechs Kilogramm schwer ist die Drohne.

Zum Einsatz kommen die beiden für 25000 Franken angeschafften Drohnen in den unterschiedlichsten Situationen. «Sie sind für uns ein zusätzliches Hilfsmittel: ein Auge aus der dritten Dimension», sagt Basil Brühlmann, Abteilungsleiter Einsatzplanung und Konzeption. Die Informationen würden helfen, schnelle Entscheide zu treffen.

Es ist nicht nur wie in Dietikon wichtig zu erkennen, wie gross das Ausmass eines Brandes ist. Dank der Videoaufnahmen lassen sich auch Glutnester und Brandherde lokalisieren. Das war der Fall, als es im November auf dem Dach der Sihlpost in Zürich brannte. Damals wurde die Drohne zum ersten Mal aufgeboten. Mit ihrer Hilfe war rasch klar, dass der Rauch und die Flammen aus einem Kamin im Lüftungsschacht emporstiegen.

Bei Böen geht nichts mehr

Drohnenbilder können überdies zeigen, wie gross der Ölteppich bei einer Gewässerverschmutzung ist und wo die Einsatzkräfte Bach- oder Flusssperren errichten müssen. Bei Zugunfällen wiederum kann die Information aus der Luft, wie Feuerwehr und Sanität zum Unglücksort gelangen, entscheidend sein. Schutz & Rettung Zürich hat deshalb 29 Typen von Einsätzen definiert, bei denen automatisch ein Drohnenpilot aufgeboten wird.

Das war auch vergangene Woche der Fall, als beim Üetliberg ein Mann abstürzte. Da man ihn schnell lokalisieren konnte, kam die Drohne aber nicht zum Einsatz. «Eine Person in einem Wald zu finden, ist mit einer Drohne ohnehin schwierig, da die Bäume die Sicht verdecken», sagt Wullschleger. Das Fluggerät könne Suchtrupps am Boden nicht ersetzen, sondern höchstens ergänzen.

Bis zu 120 Meter hoch kann die Drohne fliegen. Im Hinterhof von Schutz & Rettung Zürich steigt sie aber nicht so hoch.

Der Einsatz der Drohnen soll sich nicht aufs Zürcher Stadtgebiet beschränken. Schutz & Rettung Zürich will wie in Dietikon die Gemeinden im Umland unterstützen. Sie können Hilfe aus Zürich anfordern. Das gelte auch für weiter entfernte Orte wie Bauma, sagt Wullschleger. Dort ist am Montag ein ganzer Weiler abgebrannt. In diesem Fall hätte die Drohne aber nicht in den Himmel steigen können: Zu stark waren die Windböen.

Wind sei eine der grössten Herausforderungen, sagt denn auch Drohnenpilot Yannick Herger, der zur Vorführung eine der sechs Kilo schweren und laut surrenden Drohnen abheben lässt. Schwierig sei es auch, wenn bei einem grossen Brand viel warme Luft aufsteige. «Dann besteht die Gefahr, dass die Drohne durch die Thermik abtreibt.»

Mit Fallschirm ausgerüstet

Für den Fall, dass es zu Turbulenzen kommt, ist die Drohne mit einem Fallschirm ausgestattet. Auch verfügt sie über ein Blitzlicht und einen Sender, damit Flugzeuge und Helikopter sie orten können. Immerhin kann die Drohne bis zu 120 Meter hoch fliegen.

126 Meter wiederum ragt Zürichs höchstes Gebäude, der Prime Tower, in den Himmel. Was, wenn dort auf dem Dach ein Feuer ausbricht? Die Drohne fliege nie direkt über einem Brand, sondern seitlich versetzt, sagt Herger. Und gefilmt werde aus einem Winkel heraus. «Das ginge deshalb gerade noch.»

Erstellt: 13.02.2020, 17:51 Uhr

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