Zürich

Der Unternehmer, der in den Ständerat will

Der Alltag von Ruedi Noser ist geprägt von der Politik und der Arbeit für sein Unternehmen.

Ruedi Noser auf dem Balkon des Bundeshauses.

Ruedi Noser auf dem Balkon des Bundeshauses. Bild: Walter Pfäffli

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Ruedi Noser beginnt den Tag häufig früh – aber nicht, um sich schnellstmöglich in die Arbeit zu stürzen. «Ich nehme mir beim Aufstehen gerne etwas Zeit. Für eine ausgiebige Dusche, danach esse ich ein feines Müesli mit Früchten», sagt er.

Anschliessend gibt es für den Unternehmer und Nationalrat oft bis spätabends mehr als genug zu tun. Nosers Firmengruppe beschäftigt über 500 Personen und entwickelt Software für Unternehmen in verschiedenen Branchen. Aus der operativen Leitung hat er sich vor einigen Jahren zurückgezogen, ist aber nach wie vor Verwaltungsratspräsident der Noser Group. Für das Geschäft bleibt ihm wenige Wochen vor den Wahlen allerdings keine Zeit – der Wahlkampf hat erste Priorität. «Wenn man etwas macht, dann richtig», sagt er.

Noser ist als viertes von fünf Kindern im Kanton Glarus in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. In der Schule hatte er wegen seiner Legasthenie, zu der er auch heute noch öffentlich steht, mit grossen Problemen zu kämpfen. «Mit 15 Jahren bin ich als Schulversager zu Rieter nach Winterthur gekommen und habe dort meine ersten Erfolge gehabt.» Seine berufliche und später auch seine politische Karriere verliefen ebenfalls erfolgreich, wenn auch nicht ohne Rückschläge. Im Jahr 2010 etwa wurde nichts aus seinen Bundesratsambitionen. Die Wahl in den Ständerat wäre ein neuer Höhepunkt.

Abgehoben wirkt Noser trotz seines Erfolgs nicht. «Als Vater und Unternehmer weiss ich, dass es Probleme gibt auf der Welt.» Das führe bei ihm immer wieder zu einer gewissen Erdung.

«Wo ich bin, ist der Freisinn»

Sein Wahlkampf steht unter dem Motto «Typisch Züri». Für den gebürtigen Glarner kein Widerspruch. «Mehr als die Hälfte der Leute im Kanton ist nicht hier geboren. Das prägt den Kanton. Zürich ist enorm attraktiv für helle Köpfe.» Und das solle so bleiben. Eine Schützengrabenmentalität wäre seiner Meinung nach schädlich für Zürich.

Noser sieht sich als Vertreter eines gesellschaftlich offenen Freisinns, der wirtschaftlich, aber auch sozial verantwortlich geprägt sei. Seine Position innerhalb der Partei beschreibt er als sehr gut eingemittet. «Wo ich bin, ist der Freisinn.»

Von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird der Nationalrat in erster Linie mit Wirtschaftsthemen. Kern des Freisinns ist für Noser aber der Grundsatz, dass jeder möglichst viel bezüglich seines Lebens selbst entscheiden könne. «Nehmen wir das Beispiel der Kinderbetreuung», sagt er. Während linke Parteien vor allem auf einen Ausbau von Betreuungsplätzen in Krippen und Tagesschulen pochen würden und rechte Parteien das Heil in der Betreuung in der eigenen Familie sähen, verfolge die FDP einen anderen Ansatz. «Wir wollen nicht werten. Die Politik und der Staat sollen die nötigen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass jede Familie selber entscheiden kann, welches Modell für sie das richtige ist.»

Innovationspark als Freiraum

Stark gemacht hat sich Noser in letzter Zeit unter anderem für den in Dübendorf geplanten Innovationspark. Den Einwand, dass der Staat bei diesem Projekt mehr tut, als nur gute Rahmenbedingungen zu schaffen, lässt er nicht gelten. «Es geht um etwas Geld und Platz, mehr nicht! Schauen Sie doch einmal das Hochschulquartier in der Stadt Zürich an – dort gibt es keine Freiräume mehr. In Dübendorf hingegen wären es 70 Hektaren.»

Auch in anderen Bereichen sei Zürich auf gute Rahmenbedingungen angewiesen. Die Banken und Versicherungen mit ihren rund 100 000 Beschäftigten beispielsweise oder die vielen internationalen Firmen mit Niederlassungen in Zürich. «Zürich ist weltweit vernetzt», sagt Noser.

Bezüglich der Personenfreizügigkeit müsse der Bundesrat nun versuchen, bei der EU Anpassungen im Sinne der Masseneinwanderungsinitiative zu erreichen. Wenn das nicht möglich sei, setze Noser aber auf eine Umsetzung, die die Bilateralen nicht gefährdet. Zudem dürfe nicht nur über die Zuwanderung als Symptom, sondern müsse über Ursachen gesprochen werden: «Das ist einfach eine unehrliche Diskussion, die wir da im Moment haben. Wer arbeitet denn beispielsweise morgens um 2 Uhr im Altersheim in Wetzikon in der Pflege?»

Nach seinen grössten politischen Erfolgen gefragt, antwortet er zurückhaltend. «Als Parlamentarier sollte man seinen Leistungsausweis nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Wie in anderen Bereichen auch, gilt: Der Erfolg hat viele Väter.»

Bevor Noser abends ins Bett geht, liest er manchmal in einem Buch. «Oft bin ich aber zu müde dazu», sagt er lachend. «Dafür bin ich mit einem guten Schlaf gesegnet.» Den raube ihm auch der intensive Wahlkampf nicht. Er räumt aber ein, dass es eine stressige Zeit sei für ihn. Die eigenen Wahlchancen zu beurteilen, sei schwierig. «Ich mache einfach meinen Job und gebe mein Bestes.» (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 06.10.2015, 16:52 Uhr

Zur Person

Ruedi Noser, Jahrgang 1961, ist im Kanton Glarus aufgewachsen. Zusammen mit seinem Bruder baute er ein Softwareunternehmen auf. Seit 1996 ist er Alleininhaber der Noser-Gruppe. Noser ist Präsident von ICT Switzerland, dem Schweizer Dachverband der Informations- und Kommunikationstechnikbranche. Er ist verheiratet, Vater von vier Kindern und lebt in Wetzikon.

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