Computerspiele

Die Game-Branche als Wirtschaftsfaktor

In Zürich existieren fast zwei Dutzend Firmen, die Spiele entwickeln. Mit der richtigen Strategie und Förderung könnte die noch überschaubare Szene zu einem Wirtschaftsfaktor werden.

Am Game-Festival Ludicious auf dem Kasernenareal in Zürich können die Besucher und Besucherinnen etliche neu entwickelte Spiele ausprobieren.

Am Game-Festival Ludicious auf dem Kasernenareal in Zürich können die Besucher und Besucherinnen etliche neu entwickelte Spiele ausprobieren. Bild: Marc Dahinden

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Mit Games für PC, Spielkonsolen und mobile Geräte werden weltweit Jahr für Jahr Dutzende Milliarden Franken umgesetzt. Die Kassenschlager der digitalen Unterhaltungsindustrie kommen jedoch fast nie aus der Schweiz. Der kommerziell erfolgreichste Schweizer Titel bisher dürfte der «Landwirtschafts-Simulator» des Zürcher Entwicklers Giants Software sein. Das mittlerweile in zahlreichen Versionen erschienene Spiel wurde millionenfach verkauft. Die wirtschaftlichen Spielregeln der Branche sind hart, es gilt «The winner takes it all», der Gewinner bekommt (fast) alles. Auf Smartphones und Tablets beispielsweise räumen die 25 erfolgreichsten Spiele rund die Hälfte des Umsatzes ab. Die zigtausend anderen teilen sich die zweite Hälfte.

Fördern – aber wie?

In den vergangenen Jahren entstanden in Zürich etliche Studios, die Games entwickeln. Einige von ihnen zeigen am Game-Festival Ludicious 2016 ihre aktuellen Projekte (siehe Kasten). An einer Podiumsveranstaltung im Rahmen des Festivals wurde gestern die Frage diskutiert, welche Rolle die Förderung der Branche bei ­deren weiteren Entwicklung spielen könnte.

Profitieren könnten die Game-Entwickler etwa von der Volks­­initia­ti­ve «Für ein Film- und Mediengesetz im Kanton Zürich», die im vergangenen Herbst lanciert wurde. Die Podiumsteilnehmer waren sich grundsätzlich einig, dass die Spieleentwickler Förderung verdient haben und dass Zürich optimale Bedingungen für die noch junge Branche bietet. Dies unter anderem dank der ETH und der Zürcher Hochschule der Künste, die einen Studiengang für Game Design anbietet.

Wie genau und vor allem mit welchem Ziel eine Förderung mit staatlichen Mitteln erfolgen sollte, dar­über gingen die Meinungen teilweise auseinander.

Games bewegen sich – ähnlich wie Spielfilme – seit jeher in einem Spannungsfeld zwischen Kunst, technischer Innovation, Unterhaltung und Kommerz. Diesen Polen waren auch die Teilnehmer des fünfköpfigen Podiums in unterschiedlichem Ausmass zugetan. Ruedi Noser etwa, FDP-Ständerat, Ingenieur und IT-Unternehmer, findet eine Förderung der Branche mit staatlichen Mitteln vor allem im Hinblick auf eine wirtschaftliche Entwicklung sinnvoll. Simon Hesse wiederum, Filmproduzent und Mitinitiant der kantonalen Initiative, legt mehr Wert auf den kulturellen Aspekt der Game-Branche.

Vorbild Finnland?

Dass die Spieleentwickler zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftsfaktor werden können, zeigt das an der Diskussion mehrfach erwähnte Beispiel Finnlands. Dort steuert die Branche – nach rund zehn Jahren gezielter staatlicher Förderung – mittlerweile zwei Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei. Das investierte Geld fliesst in Form von mehrfachen Steuereinnahmen an den Staat zurück.

Hendrik Lesser, Präsident der European Games Developer Federation, plädierte dafür, allfällige Fördermassnahmen nicht einfach nur als weitere Kategorie der Kulturförderung zu betrachten, sondern die Sache grundsätzlich neu auszurichten: «Die Politik muss entscheiden, ob die Förderung der Branche Kultur-Klein-Klein ist oder ob eine Industrie draus werden soll.» (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 23.01.2016, 09:18 Uhr

Ludicious Zürich Game Festival

Noch bis am Sonntag findet auf dem Kasernenareal in Zürich das Game-Festival Ludi­cious statt. An dem Branchenanlass treffen sich nicht nur zahlreiche Spieleentwickler aus dem In- und Ausland, auch für das spielbegeisterte Publikum wird einiges geboten. Zahlreiche Neuentwicklungen können vor Ort ausprobiert werden. Game-Nostalgiker kommen beim Projekt der ETH auf ihre Kosten: In einer 360-Grad-Projektion können alte Spieleklassiker neu erlebt werden.

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