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Die Stadtpolizei Zürich wirbt um Personal – aber das richtige

«Mach Zürich zu deinem Revier» – mit diesem Slogan wirbt die Stadtpolizei Zürich um Nachwuchs. Botschaft: In der Stadt ist der Beruf interessanter als auf dem Land. Sehr willkommen sind auch Frauen.

Die Wasserpolizei – einer der Tätigkeitsbereiche bei der Stadtpolizei Zürich. Foto: Urs Jaudas
Die Wasserpolizei – einer der Tätigkeitsbereiche bei der Stadtpolizei Zürich. Foto: Urs Jaudas

Um Interessenten muss sich die Stadtpolizei Zürich nicht sorgen. Rund 350 Personen bewerben sich jährlich um eine Aufnahme in die Polizeischule. Rund 50 werden pro Jahr aufgenommen. Warum also muss die Stadtpolizei um Nachwuchs werben? 400000 Franken kostet ihre neue, auf drei Jahre angelegte Kampagne. Es geht darum, dass sich die Richtigen bewerben, sagte Markus Villiger, Personalchef bei der Stapo Zürich, gestern an einem Medienanlass zum Auftakt der Kampagne.

Die Selektion ist aufwändig, führte Villiger aus. Zum Beispiel findet neben der Sportprüfung auch eine sportmedizinische Untersuchung statt. Dabei werden der Bewerber oder die Bewerberin auf mögliche körperliche Einschränkungen untersucht, von denen sie gar nichts wissen. Es wird aber auch getestet, wie jemand Stress verträgt. Geschieht dies bis anhin in Gesprächen, sollen dafür nächstens Rollenspiele eingeführt werden.

Dafür werden Schauspieler engagiert. Sie sollen es den Bewerbern schwer machen, «bei einer repressiven Handlung nicht repressiv aufzutreten», wie Villiger es ausdrückte. Als Beispiel nannte er die Situation, dass ein uneinsichtiger Autofahrer angewiesen werden muss, sein Fahrzeug wegzustellen.

Weitere Anforderungen sind: Schweizer Pass, abgeschlossene Berufslehre oder Matur, guter Leumund, höchstens 39 Jahre alt, mindestens 1,60 Meter gross.

Parallelen zur Küche

Viele Stadtpolizisten stammen aus handwerklichen Berufen, sagte Villiger. Der Medienanlass, der Abstecher zur Seepolizei und zu einer Hundestaffel in der Bäckeranlage umfasste, bot Gelegenheiten zum Nachfragen und bestätigte Villigers Aussage. Lehre auf der Gemeinde, Steueramt, Verkäufer, KV, Schreiner - so lauteten die Auskünfte von Polizisten und Polizistinnen zu ihrem früheren Berufsleben.

Hundestaffel-Instruktor Tobias Knöpfli war Koch. Er erwähnte Parallelen zwischen der Tätigkeit in einer Küche und als Polizist: Man arbeitet im Team, muss auch mal in Unterbesetzung klarkommen, es gibt stressige Spitzenzeiten. Er wusste schon, dass er Polizist werden wollte, als er die Kochlehre anfing, sagt er. Auch wichtig: Das Schreiben liegt ihm. Auch darin werden die Bewerber getestet und nicht wenige scheitern an dieser Anforderung. Dass sie hoch gewichtet wird, hat seinen Grund. «50 Prozent der Polizeiarbeit ist Schreibarbeit», sagt Knöpfli. Was im Polizeirapport steht, ist entscheidend für die Betroffenen, falls eine juristische Auseinandersetzung folgt.

Frauen in allen Tätigkeiten

19,5 Prozent Frauen arbeiten bei der Stadtpolizei. Die letztes Jahr ins Amt gewählte Stadträtin Karin Rykart (Grüne) will, dass es mehr werden. Sie sei recht begeistert, was die Stadtpolizei Zürich als Tätigkeitsfeld für Frauen zu bieten habe, sagte sie gestern. «Sie kommen in allen Bereichen zum Einsatz.» Auch das soll die Kampagne aufzeigen. Um attraktiver für Frauen zu werden, will Rykart auch vermehrt Teilzeitarbeit ermöglichen.

In der Polizeischule in der Kaserne Zürich werden sowohl Zürcher Stadt- als auch Kantonspolizisten ausgebildet, zudem Winterthurer und Glarner Polizisten sowie Bewerber anderer Zürcher Gemeindepolizeien. Dass man sich gegenseitig die Absolventen abwirbt, gilt als unschön. So wirbt jede Polizei für sich – mit dem, was sie hat.

Die Löhne sind es nicht. Stadt und Kanton haben sie angeglichen. Abschrecken kann der Ordnungsdienst, der in der Stadt häufig zu leisten ist – dazu gehören das Ausrücken bei Demos oder Fussballrandale. Doch ist auch die Abwechslung grösser. Das sollen die Bilder zur Kampagne aufzeigen. Authentische Polizeiarbeit im urbanen, vielfältigen Zürich seien zu sehen, wie es gestern hiess.

Eva Ulmann begann auf der Wache im Kreis 4 nach der Polizeischule und ist geblieben. Im Umfeld von Party, Alkohol und Drogen habe sie Verhaltensweisen erlebt, die für sie nicht nachvollziehbar waren, sagte die junge Frau den Medienleuten. Hin und wieder sei auch ein Gespräch über Erlebtes mit Kollegen oder Freunden nötig. Andererseits seinen viele Menschen in diesem Kreis auch offen und herzlich. «Und meistens rücken wir ja aus, weil uns jemand ruft.»

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