Rapperswil-Jona

«Dimitri gehörte zur Familie»

Nach dem Tod von Clown Dimitri erinnert sich eine Weggefährtin aus Rapperswil an den beliebten Artisten: Lotti Nock (88), ehemaliges Nummerngirl im Circus Knie, erzählt vom Mann, der auch abseits der Scheinwerfer für Lacher sorgte.

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Das letzte Mal getroffen hat sie ihn vor wenigen Monaten. Es war an der Premiere des Circus Knie in Rapperswil im März dieses Jahres. Clown Dimitri besuchte die Vorstellung, genau wie sie, denn unter ehemaligen Artisten sei dies sozusagen Pflicht. In der Pause hätten sie noch zusammen geplaudert – über die Elefanten, die erstmals fehlten, über ­Clown Larible und über Fredy Knies Pferdenummer.

Lotti Nock, 88-jährig, streicht sich das blonde Haar aus dem ­Gesicht und rückt die Sonnenbrille zurecht. Die Nachricht von Dimitris Tod – sie erfuhr es am frühen Morgen am Radio – hat sie getroffen. «Er gehörte zur Familie», sagt sie: Wer einmal zusammen im Zirkus auf Tournee war, der bleibt ein Leben lang verbunden.

Ein Clownkostüm für Dimitri

Lotti Nock kennt Clown Dimitri aus der Zeit, in der er beim Circus Knie in der Manege stand und mit seinen Tricks und seinem breiten, unverkennbaren Lachen das Publikum begeisterte. Dreimal war der wohl berühm­teste Schweizer Clown mit dem Circus Knie auf Tournee – dem Zirkus, in dem Lotti Nock ihr halbes ­Leben verbracht hat. Über 40 ­Jahre lang stand sie dort im Schein­werferlicht: «Als Allround-Artistin», wie sie sagt. ­Davon war sie 17 Jahre das Nummerngirl, das in glitzernden Kostümen die einzelnen Artisten ­an­sagte. Auch Clown Dimitri hatte sie ­damals angekündigt, bevor er die Manege betrat. 1970 war das, und sie weiss noch, wie sie ­extra für seinen Auftritt in ein passendes Clownkostüm schlüpfte. Die «teuerste Frau im Zirkus», nannte man sie scherzhaft, weil sie ­jedes Jahr gleich mehrere neue Kos­tüme brauchte. «Doch um ­einen Clown anzusagen, musste ich doch ein Clownkostüm haben, oder etwa nicht?» Sie lächelt schelmisch. Das einstige Nummerngirl erinnert sich daran, als wäre es gestern erst gewesen.

«Wer im Zirkus zusammen auf Tournee war, bleibt ein Leben lang verbunden.»Lotti Nock, ehemalige Zirkusartistin

Für längere Gespräche mit Di­mi­tri fehlte zumindest zwischen den Zirkusnummern die Zeit, sagt Lotti Nock. Es musste immer alles sehr schnell gehen: Licht aus, Künstler raus aus der Manege, ­hinein mit dem nächsten Artisten. Doch bei Proben oder nach der Vorstellung war er, der kleine Mann mit dem grossen Lachen, stets zu einem Scherz aufgelegt: «Er war ein richtiger Spassvogel.»

Dimitri und die Elefanten

Auch an Dimitris allerersten ­Auftritt im Circus Knie denkt die ehemalige Artistin gerne ­zurück: Für sein Soloprogramm holte der Clown damals Elefanten zu sich in die Manege. Fredy Knie senior, der Vater des heutigen Zir­kus­direktors – Letzteren nennt sie liebevoll «Fredli» –, habe Dimitri noch ein paar Tipps gegeben: Eine Manege sei schliesslich ­etwas anderes als eine Theaterbühne.

Doch Dimitri habe nicht nur die Premiere einwandfrei gemeistert: «In den Saisons mit ­Dimitri war das Zirkuszelt bis auf den letzten Platz besetzt», sagt sie. «Das Publikum war ­verzückt von ihm.» Von ihm, ­seinem Lachen und seiner ­warm­her­zigen Art. «Ein lieber Mensch» sei er gewesen. Und ein gastfreundlicher. Am Ende der Tourneen, die bis heute traditionellerweise im Tessin enden, habe er alle zu sich nach Hause zum Essen eingeladen. «Seine Frau Gunda hat wunderbar gekocht», schwärmt Lotti Nock. Sie habe hinterher immer die leckeren ­Rezepte kopiert.

Noch heute spräche sie mit «Fredli», den sie als ihren vierten Sohn bezeichnet, darüber, wenn er sie im Alters­­heim besuche. Die Namen der italienischen Spezialitäten aus dem Hause Dimitri sind ihr leider entfallen. Doch die Herzlichkeit und das Lachen von Clown Dimitri, ja vor allem sein Lachen, das werde sie nie ver­gessen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.07.2016, 09:09 Uhr

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