Rapperswil-Jona

Ein kleiner Zoo im Kinosaal

Sie kamen an der Leine, am Halfter und im Mini-Terrarium: Am Mittwoch öffnete das Kino Rapperswil seine Türen für tierische Besucher. Für grosse Augen sorgte ein Pony – und eine Krabbe vom anderen Ende der Welt.

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Der kleinste Kinogänger wusste sich gut zu verstecken. Eingebuddelt im Sandhaufen und unter dem Schutz einer Kokosnussschale, so trat Tilonius seine Reise an. Kaum grösser als eine kleine Handtasche war das Terrarium, in dem sein Herrchen ihn mit in den Kinosaal trug. Auf dem Schoss seines Besitzers, so verbrachte Tilonius seine erste Filmvorstellung. Tilonius ist nur wenige Zentimeter gross und eine Indonesische Landkrabbe.

Die Krabbe gehörte zu den wohl exotischsten Kinobesuchern, die gestern im Kino Rapperswil eintrafen. Auch zwei Mäuse hatte deren Besitzer mit im Gepäck. Dem Aufruf der Kino­event GmbH, für einmal die Haustiere mitzubringen, waren zahlreiche Tierhalter gefolgt. Vor allem Hunde spazierten schon kurz nach der Türöffnung in grosser Zahl an der Kinokasse vorbei. Innert kürzester Zeit tänzelten mehrere Chihuahuas über den roten Teppich und beschnupperten schwanzwedelnd den grossen Dalmatiner oder die beiden Französischen Bulldoggen.

Pony statt Katze

Angemeldet waren rund 20 Hunde, sagte Kinobesitzer Christian Meier, doch anwesend waren mindestens 30. Eine einzige ­Katze sei auf der Besucherliste – auf sie wartete man jedoch vergeblich. Dafür stahl ein anderer Überraschungsgast allen die Show: Am pinken Halfter führte eine junge Frau ihr Mini-Shetlandpony Gioia ins Foyer. Im Nu richteten sich Handys, Film­kameras und neugierige Blicke auf den ungewöhnlichen Gast. Gioia nehme immer wieder an Turnieren Teil und sei sich Publikum gewöhnt, sagte Besitzerin Stefanie Bernhardsgrütter. Das Pony sei sogar Schweizer Meisterin in der Disziplin Bodenarbeit. «Mal schauen, wie lange wir im Kino bleiben», sagte sie lachend. Der Auftritt des Huftiers war ­jedoch mehr als Gag gedacht: Noch bevor im Saal die Lichter ausgingen, spazierten Pony samt Besitzerin wieder hinaus.

Vorher Gassi gegangen

Für die Hundebesitzer war der gestrige Ausflug ins Kino genauso ein Experiment wie für die Kinobetreiber. Vor allem Neugierde habe sie ins Kino gelockt, sagten die Hundehalter. Und: So könne man endlich mal ins Kino, ohne sich darum zu kümmern, wer in dieser Zeit nach dem Hund schaue. Sie sei vorher extra lange mit ihrer Ischalina Gassi gegangen, sagte eine Hundehalterin. «Jetzt ist sie müde und schläft bestimmt während der Vorstellung.»

Überhaupt zeigten sich die Kino­gänger sehr gelassen: Beden­ken, dass sich die verschiedenen Vierbeiner nicht riechen könnten und Chaos vorprogrammiert sei, hatten sie keine. «Wenn wir erst einmal entspannt im Kino­sessel sitzen, dann relaxen auch die Hunde», sagte Chris Schuch, Besitzer der beiden Bulldoggen Sugar und Pepper.

Ciro, der Facebook-Star

Zumindest einige Hunde waren sich die vielen Fotokameras und gezückten Handys gewöhnt: Chihuahua Ciro erschien im weiss-blau gestreiften Hundedress. Der Kleine sei ein Internet-Star und habe seinen eigenen Facebook-Account, sagte Besitzerin Rita Fragamo aus Rapperswil. Er werde im Kino bestimmt brav sitzen bleiben. Sicherheitshalber habe sie aber seine Lieblingsleckerli eingepackt.

Ausgerüstet mit Hundeguetsli und Wassernapf machte sich die bunte Schar schliesslich auf in den Kinosaal. Und weil die angemeldete Katze bis zum Schluss nicht auftauchte und Hunde allesamt ins Parterre mussten, hatte einer auf dem Balkon einen Ehren­platz: Tilonius, die Krabbe. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.07.2016, 08:28 Uhr

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