Wahlen

Ein Mann der klaren Worte

Dem Zürcher AL-Politiker Walter Angst werden bei den Regierungsratswahlen nur geringe Chancen eingeräumt. Er aber sagt selbstbewusst: «Wer im Kanton eine Veränderung will, der wählt mich.»

Welcher Gegenstand hat für Sie einen Bezug zum Kanton Zürich? Regierungsratskandidat Walter Angst (AL) hat sich für eine Flasche Wädi-Bräu entschieden, weil er aus Wädenswil kommt, neben der Brauerei zur Schule gegangen ist und ihn seine Freunde Wädi nennen.

Welcher Gegenstand hat für Sie einen Bezug zum Kanton Zürich? Regierungsratskandidat Walter Angst (AL) hat sich für eine Flasche Wädi-Bräu entschieden, weil er aus Wädenswil kommt, neben der Brauerei zur Schule gegangen ist und ihn seine Freunde Wädi nennen. Bild: Marc Dahinden

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Es gibt wohl nicht viele Politiker, die sich mit einer Flasche Bier ablichten lassen. Walter Angst aber hat damit kein Problem. Auf die Bitte, einen Gegenstand mitzubringen, der für ihn den Kanton Zürich repräsentiert, kam er selber auf die Bier-Idee. Wieso gerade ein Wädi-Bier?

Angst ist in Wädenswil aufgewachsen und ging neben der Brauerei zur Schule. Es gibt aber noch einen weiteren Grund: Wer ihn näher kennt, nennt ihn Wädi. Und das sind nicht wenige.

2002 gewählt, gehört der 57-Jährige zu den erfahrenen Politikern im Stadtzürcher Gemeinderat. Sein Wort hat Gewicht, hört man aus allen Parteien. Trotzdem sind viele von seiner Kandidatur überrascht. Als AL-Politiker, sagen manche, würde er im links-grünen Stadtparlament doch viel mehr bewegen können als auf der kantonalen Bühne, wo die bürgerlichen Parteien den Takt angeben.

«Der rot-grüne Dünkel in Zürich geht mir langsam auf den Keks.»Walter Angst, AL-Regierungsratskandidat

Darauf angesprochen, muss Angst lachen. In seiner bekannten direkten Art sagt er: «Der rot-grüne Dünkel in Zürich geht mir langsam auf den Keks. Viel spannender wäre es, wenn ich mich nun im Regierungsrat einbringen könnte.»

Für günstigen Wohnraum

Er würde sich freuen, mit Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) ein paar Sträusse auszufechten, zum Beispiel über die Überwachungsmethoden der Polizei. Es reize ihn, Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) davon zu überzeugen, noch mehr in Tagesschulen zu investieren, damit Bildungschancen und Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden können.

Walter Angst (AL) hat nur geringe Chance, gewählt zu werden. Video: ZRZ

«Die Linke hat ihr Potenzial immer am besten ausgeschöpft, wenn gesellschaftliche Veränderungen nötig waren», sagt Angst. Und die seien nötig. Etwa in der Wohnbaupolitik. Als Leiter Kommunikation beim Mieterinnen- und Mieterverband des Kantons Zürich kennt er die Sorgen der Wohnbevölkerung. «40 Prozent der Haushalte sind auf günstige Wohnungen angewiesen. Aber der Markt bietet diese nicht mehr.» Stichwort Seefeldisierung. Es sei wichtig, dass der Kanton den Gemeinden raumplanerische Mittel gebe, damit preisgünstige Wohnungen erhalten und gebaut werden könnten. Einen Kurswechsel brauche es auch in der Gesundheitspolitik: hin zu mehr Prämienverbilligungen und weg vom Konkurrenzdenken unter den Spitälern, Ärzten und Heimen.

Starke Stimme

Die zwei städtischen Vertreterinnen im aktuellen Regierungsrat, Silvia Steiner (CVP) und Carmen Walker-Späh (FDP), stünden für den Status quo. «Wer Veränderungen will, der wählt mich», sagt Angst. Dass seine Chancen als AL-Politiker bei einer kantonalen Wahl klein sind, weiss er selber. Er glaubt aber, dass er mit seinen Themen und seiner Art auch ausserhalb der Stadt punkten kann. «Regierungsratswahlen sind Personenwahlen. Und dabei ist es wichtig, glaubwürdig zu sein und die Leute direkt anzusprechen.»

Dass er das kann, bestätigt Roger Bartholdi, SVP-Fraktionspräsident im Gemeinderat: «Er vertritt seine eigene Meinung, wählt klare Worte und hockt nicht aufs Maul. Man hört ihm zu – nicht nur weil er Emotionen zeigt und eine starke Stimme hat, auch weil er sich in seinen Dossiers auskennt.» Felix Moser, Gemeinderat der Grünen, ergänzt: «Er hat ein grosses Wissen und hat im Gemeinderat als Präsident der Rechnungsprüfungskommission bewiesen, dass er für konstruktive und sachliche Diskussionen sorgen kann.»

Bartholdi bezweifelt allerdings, dass sich Angst im bürgerlich dominierten Regierungsrat wohlfühlen würde. Der SVP-Gemeinderat sieht ihn eher in der Rolle des klassischen Oppositionspolitikers. Das sei kein Widerspruch, entgegnet Angst. «Ich bin Oppositionspolitiker und Antikapitalist und hätte trotzdem kein Problem, die Position eines bürgerlichen Gesamtregierungsrats zu vertreten. Die Leute wissen ja, wie ich denke.»

Bartholdi sieht aber noch ein weiteres Manko: «Auf kantonaler Ebene bringt er keine Erfahrung mit, und auch seine Führungserfahrungen sind sehr bescheiden.» Dem widerspricht Angst. «Führen bedeutet ja in erster Linie, mit Menschen zusammenarbeiten zu können.»

Er mag Kultur und Sport

Beruflich hat Angst schon einiges gemacht: Bis er 2005 zum Mieterverband stiess, war er Real- und Oberschullehrer, Journalist, Kampagnenleiter und hatte die 1.-Mai-Veranstaltungen mitorganisiert. Zudem engagiert er sich für die Menschenrechtsgruppe Augenauf. Unterstützt wird seine Kandidatur von den Grünen, der SP, dem Gewerkschaftsbund und dem Mieterverband. «Das ist doch schon mal eine solide Basis», sagt Angst.

In seiner Freizeit zieht es ihn ins Theater, an einen FCZ-Match oder ein Konzert. Der Vater einer achtjährigen Tochter und zweier erwachsener Kinder schwimmt aber auch gerne, fährt Velo und Ski. Für seine Hobbys bleibt jedoch bis zu den Regierungsratswahlen vom 24. März nicht viel Zeit. Denn dann will Walter Angst die grosse Überraschung schaffen. Das passende Getränk für die Feier hat er ja schon.

Erstellt: 30.01.2019, 21:20 Uhr

Walter Angsts Smartspider: Sehr links und ein wenig liberal. (Bild: www.vimentis.ch)

Kritik

«Walter Angst wählt klare Worte und hockt nicht aufs Maul. Auf kantonaler Ebene bringt er aber keine Erfahrung mit, und auch seine Führungserfahrungen sind sehr bescheiden.»

Roger Bartholdi, Fraktionspräsident der SVP.

Lob

«Er hat ein grosses Wissen und hat im Gemeinderat als Präsident der Rechnungsprüfungskommission bewiesen, dass er für konstruktive und sachliche Diskussionen sorgen kann.»

Felix Moser, Gemeinderat der Grünen

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