Religion

Ein Pfarrer rüttelt an der Unti-Pflicht

Die Konfirmation müssen sich Jugendliche mit 192 Stunden Religionsunterricht verdienen. Das sei der falsche Weg, findet Pfarrer Lukas Maurer.

Wer konfirmiert werden will, muss ab der 2. Primarklasse und noch in der Oberstufe viele Stunden Religionsunterricht besuchen.

Wer konfirmiert werden will, muss ab der 2. Primarklasse und noch in der Oberstufe viele Stunden Religionsunterricht besuchen. Bild: Stefan Anderegg

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Den Segen Gottes in der Konfirmation gibt es nicht umsonst. Wer konfirmiert werden will, muss bereits ab der zweiten Klasse die «Mini-Chile» besuchen; dann den «3.-Klass-Unti», den «Club 4», die «Juki» und den Konfunterricht. Auf dem Weg zur Konfirmation sind das 192 Stunden. So geben es die Kirchenordnung und das religionspädagogische Gesamtkonzept (RPG) vor, das die reformierte Kirche des Kantons Zürich 2004 schrittweise eingeführt hat.

Losgelöst von einer Drohung

Lukas Maurer findet die RPG-Module gut. Den Pfarrer aus Rüti stört bloss, dass sie Voraussetzung sind, um konfirmiert zu werden. «Mir passt dieser gesetzliche Ansatz nicht. Es gibt keinen Grund, jemandem den Segen Gottes zu verweigern.» In einem Postulat fordert er deshalb eine Kirchenordnung, welche die RPG-Angebote «loslöst von der Drohung, nicht konfirmiert zu werden».

Maurer sagt: «Ob die Kinder in die Stunden kommen oder nicht, hängt wesentlich davon ab, wie man den Unterricht gestaltet.» Von Zwang hält er nichts. «Wenn mir ein Schüler sagt, er müsse eine neue Hose kaufen und bleibe dem Unti fern, dann akzeptiere ich das. Das ist mir lieber, als wenn jemand Kopfweh vorgibt, unmotiviert ist oder gar nicht mehr kommt.»

«Die Kinder selber hat das nie gestört.»Lukas Maurer, Pfarrer und Postulant

Der 60-jährige Maurer hatte viele Jahre eine feste Pfarrstelle, seit zwölf Jahren übernimmt er Vertretungen. Mit seiner – wie er sagt – freiheitlichen Auslegung der Unti-Pflicht habe er nie Ärger bekommen. «Wenn es Kritik gab, dann von Eltern, die es ungerecht fanden, dass nicht alle gleich viele Stunden vorweisen mussten. Die Kinder selber hat das nie gestört.»

Bibel und Beheimatung

Der Kirchenrat sieht das anders. Der reformierten Kirchensynode vom kommenden Dienstag empfiehlt die Exekutive, Maurers Postulat abzulehnen. «Würde die Landeskirche heute die Konfirmation von einer verbindlichen religiösen Bildung lösen», schreibt der Kirchenrat in seinem Bericht zum Vorstoss, «dann stellte sich die Frage, wie junge Mitglieder unserer Landeskirche mit ihrem Recht auf religiöse Bildung und Beheimatung ernst genommen und mit den zentralen Glaubenstraditionen der Bibel vertraut gemacht werden.»

Kinder und Jugendliche zu befähigen, sich mit Fragen des Glaubens, christlichen Werten und der eigenen religiösen Haltung auseinanderzusetzen, geschehe nicht individuell, sondern wesentlich in der christlichen Gemeinschaft, heisst es weiter.

«Vermutlich hat der Kirchenrat Angst, dass die Angebote ohne das Zückerli Konfirmation nicht mehr besucht würden.»Lukas Maurer, Pfarrer und Postulant

Lukas Maurer denkt, dass es dem Kirchenrat um etwas anderes geht. «Vermutlich hat er einfach Angst, dass die Angebote ohne das Zückerli Konfirmation nicht mehr besucht würden.» Doch diese Befürchtung sei nach seiner Erfahrung unbegründet: «Ohne Pflicht werden die Angebote vielleicht nicht immer so zahlreich besucht, aber dafür kommen die Kinder mit Begeisterung. So war es jedenfalls bei mir.»

2004 knapp gescheitert

Maurer hat schon vor der Einführung des RPG im Jahr 2004 gegen eine Unti-Pflicht gekämpft. «Und ich hätte eine Mehrheit gefunden, wenn der damalige Synodalpräsident nicht die Debatte im Rat abgebrochen hätte.»

Maurer, der im Sommer altershalber aus der Synode austritt, gibt seinem neuen Anlauf geringere Chancen. Zwar hat der Kirchenrat das Postulat vor zwei Jahren entgegengenommen. Doch selbst in Maurers Fraktion, der linksgerichteten religiös-sozialen, stehen nicht alle hinter dem Vorstoss. Auch die liberale Fraktion ist geteilt. Zudem setzt sich die Synode selten gegen den Kirchenrat durch.

Erstellt: 21.06.2019, 22:58 Uhr

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