Zürichsee

Eine, die es aufs Wasser zieht

Geplant war eine Auszeit, um mehr Zeit fürs Böötlen zu haben. Heute ist Andrea Stapel Kapitänin des schwimmenden Restaurants MS Meos auf dem Zürichsee.

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«Das lerne ich nie», dachte sie, als sie das erste Mal ein Boot in den Hafen steuern sollte. Andrea Stapel lacht bei der Erinnerung und blickt aufs Wasser hinaus. Der See leuchtet smaragdgrün. Wir sind an Bord des MS Meos, des Seebeizli, wie die Be­sitzerin ihr Boot nennt. Seit sechs Jahren steht die 50-Jährige am Steuer des 14 Meter langen, 4 Meter breiten und 17 Tonnen schweren Schiffs auf dem Zürichsee. Jeden Morgen, soweit das Wetter mitspielt, fährt sie es von Altendorf hinaus auf den Obersee. ­Haben Gäste reserviert, gabelt sie diese auf Wunsch in Pfäffikon auf. Denn wer selbst kein Boot hat, für den ist das schwimmende Restaurant nicht ohne weiteres erreichbar. Es ankert rund 300 Meter vor der Insel Ufenau.

Die meisten Gäste sind Böötler, die spontan vorbeischauen. Manche, weil sie «gwundrig» sind, was sich auf dem Schiff verbirgt. Andere sind Stammgäste, kennen Andrea Stapel und ihre schwimmende Besenbeiz bestens. Sie winken von weitem, steuern ihr Boot zielsicher auf das MS Meos zu. Es folgt eine herzliche Begrüssung: «Alles im Grünen? Wie gehts deiner Frau?» Andrea Stapel hilft ihren Gästen, ihr Boot mit einem Strick am MS Meos anzubinden. Bis zu zehn Boote treiben an heissen Tagen rund um das Seebeizli.

Klick gemacht hat es an ihrem 40. Geburtstag. Stapel feierte auf einem Boot inmitten des Lago Maggiore. Der Wind, das Wasser, der Ausblick auf den See – Stapel wusste: Das will ich auch. Sie machte die Bootsprüfung, kaufte sich mit einem Bekannten ihr ­erstes Motorboot. Ein paar Jahre später, sie plante gerade ihre einjährige Auszeit von ihrem Job als Finanzchefin, gab ihr das Schicksal einen Wink. Als sie hörte, dass das MS Meos zum Verkauf stand, habe sie nicht lange gezögert.

«Nicht wie im Restaurant»

In ihrem neuen Alltag auf dem Wasser schätzt Stapel die fröhliche Stimmung unter den Besuchern. Man ist per Du, plaudert mit den Sitznachbarn, schliesst neue Freundschaften. «Nicht wie sonst im Restaurant, wo jeder nur für sich ist», sagt sie. Und: «Ob Jachtbesitzer oder Gummiböötler – hier begegnen sich alle auf Augenhöhe.»

Zur Mittagszeit laufe es meist rund, weiss die Kapitänin. Dann steht sie am Grill. Unterstützung bekommt sie von Andrea Bannwart. Die Studentin rüstet in ihren ­Semesterferien den Salat und das Gemüse und hilft beim Servieren. Und was tut eine Kapitänin, wenn nicht viel los ist? Zu tun gäbe es immer etwas, lacht Stapel. Zum Beispiel nimmt sie dann den Grossputz in Angriff, taut ihre ­sieben Kühlschränke auf oder scheucht Spinnen von Bord. Oder sie springt für eine Abkühlung ins Wasser. Zeit zum Entspannen, auch das gehört dazu.

Grün im Gesicht

Nur einmal erlebte Andrea Stapel es, dass Gäste sich auf ihrem Schiff nicht wohlfühlten: Einem Segelbootfahrer bekam das sanfte Schaukeln des MS Meos nicht. «Bevor er grün im Gesicht wurde, haben wir ihn zurück ans Ufer ­gebracht.» Ihr selber könnte dies nicht passieren: Weil ihr der Heimweg nach Bassersdorf zur späten Stunde oft zu lang ist, übernachtet sie hin und wieder in der Schiffskajüte. Und lässt sich vom sanften Wellengang in den Schlaf schaukeln. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.08.2015, 11:47 Uhr

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