Feminismus

«Es muss die Meuterei unserer Zeit sein»

Laurie Penny ist eine der bekanntesten zeitgenössischen Feministinnen. Die Bloggerin und Journalistin sprach am Mittwochabend im ausverkauften Kaufleuten über Pussy-Kappen und den Mut zum Aktivismus.

Laurie Penny verleiht der neuen feministischen Bewegung ein Gesicht.

Laurie Penny verleiht der neuen feministischen Bewegung ein Gesicht. Bild: zvg

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Der Abend begann mit einem Traum. Dem Traum von Corina Freudiger, Kulturchefin im Zürcher Kaufleuten, dass am «Tag der Frau» am 8. März eine ganz besondere Stimme im Kaufleuten zu hören sein werde. Eine, die ungeschönt und direkt über den weiblichen Körper, Pornographie und Sexarbeit spricht.

Eine, die brilliant analysiert und trotzdem humorvoll und leicht nachvollziehbar erzählt. Eine, die der neuen feministischen Bewegung ein Gesicht verleiht, wie Laurie Penny. Der Traum wurde Wirklichkeit. Und stiess auf so viel Anklang, dass das Kaufleuten am Mittwochabend bis auf den letzten Stehplatz ausverkauft war.Laurie Penny ist das Gesicht und die Stimme der feministischen Bewegung des 21. Jahrhunderts, sie ist ein Popstar fast schon, auch weil sie das Medienrepertoire der Popstars mit schlafwandlerischer Sicherheit bedient.

Die 30-jährige Britin arbeitet als Journalistin, sie bloggt und sie twittert mit einer hohen Frequenz an ihre rund 163 000 Follower. In ihren Büchern «Fleischmarkt» und «Unsagbare Dinge» hat sie den Sexismus als strukturell in der westlichen Gesellschaft verankert analysiert, ihn im patriarchalischen Kapitalismus verortet und zum Widerstand dagegen aufgerufen.

Mützen als Form des Protests

Am Mittwochabend im Kaufleuten hat sie im Gespräch mit SP-Frauen-Co-Präsidentin Natascha Wey Anekdoten aus ihrer Karriere als Aktivistin erzählt und ihre Gedanken zur neu erstarkten Frauenbewegung und deren Symbol, den pinken Pussy-Mützen geteilt.

«Die Pussy-Mützen sind fantastisch. Sie sind so herrlich albern»Laurie Penny

«Die Pussy-Mützen sind fantastisch. Sie sind so herrlich albern, so kreativ», sagte Penny. Diese kreative Energie sei enorm wichtig. Nicht jeder beteilige sich gerne an Protestmärschen, und das sei auch in Ordnung. Jeder und jede müsse selber entscheiden, mit welcher Art des Protests er oder sie sich wohl fühle. Die gestrickten Mützen seien eine Form davon. Dass die feministischen Themen plötzlich eine so breite Öffentlichkeit ansprechen und als legitime Probleme aufgefasst würden, sei grundsätzlich sehr aufregend. «Aber dass dies reale Anliegen sind, haben wir ja seit Jahren gesagt», sagte Penny lachend.

Penny redet locker und macht viele Witze, auch über sich selber, ist im nächsten Atemzug aber wieder ernst und analytisch: «Die Menschen, die für Trump stimmten, oder in England für den Brexit, haben ein Sichtweise auf die Welt erhalten, die ihnen auf einfache Art zu erklären schien, weshalb ihr Leben so ist, wie es ist», sagte sie.

Diese Menschen dazu zu bringen, dieses Narrativ zu überdenken und in Frage zu stellen, sei unglaublich schwierig. «Schon im direkten Gespräch ist das eine Herausforderung. Und noch viel schwieriger ist es, dies via Medien zu tun, ohne dabei die Menschen herablassend oder patronisierend zu behandeln.» Sie versuche immer, auch jenen Empathie entgegenzubringen, deren Meinungen und Weltbilder sie nicht verstehe oder unterstütze. «Ich nehme jeden als Menschen ernst. Dass seine Ideen idiotisch sind, kann ich ihm ja trotzdem sagen.»

Wenig Tiefgang

Was an diesem kurzweiligen Gesprächsabend etwas zu kurz kam, war die Tiefe. Selten verliess das Gespräch den Rahmen des Anekdotischen und die vielen Themen wurden kaum theoretisch eingeordnet, etwas wozu Penny durchaus im Stande wäre, wie ihre Texte zeigen. Trotzdem war der Abend ein gelungener, die Person Laurie Penny eine, die mitreisst oder zumindest zum Nachdenken anregt. Die feministische Bewegung habe noch viel zu tun. «Wir sind noch lange nicht angekommen», sagte Penny. Und: Nett zu fragen, nütze nichts mehr: «Eine Meuterei ist nötig. Es muss die Meuterei unserer Zeit sein.» (Der Landbote)

Erstellt: 09.03.2017, 16:47 Uhr

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