Zürich

Eugen geht seinen Weg in Zürich weiter

Sie singen Widiwädi Heirassa. Und jetzt noch viel schönere Lieder. Die Musicalfassung von «Mein Name ist Eugen» kommt im März 2016 in Zürich auf die Bühne.

Das Musical ist das Lagerfeuer für die Menschen heute: Die Darsteller von Eugen und Co. vor dem Zelt, Marke Spatz, in der Maag-Halle.

Das Musical ist das Lagerfeuer für die Menschen heute: Die Darsteller von Eugen und Co. vor dem Zelt, Marke Spatz, in der Maag-Halle. Bild: pd

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Es gab schon «Heidi – Das Musical» und «Gotthelf – Das Musical», dazu den «Dällebach Kari» in einer Musicalfassung und «Die Schweizermacher» dito, wie es auch schon den «Tell» gab oder «Die schwarzen Brüder». Denn die ganze Schweizer Geschichte ist ein Lied, und alle können hier singen: die alte Dame und der schwarze Hecht, sogar die Murmeli in «Ewigi Liebi», dem Best-of aller Schweizer Musicals – mit mehr als 650'000 Besucherinnen und Besuchern.

Eugen macht überall Geschichte

Das Musical ist eben der Stoff, aus dem in der Deutschschweiz die Space Dreams sind. Aktuell tönen die Produktionen nach «Io senza te» oder «Ost-Side-Story», was beides Erfolgsgeschichten sind. Jetzt kommt bald eine weitere dazu: «Mein Name ist Eugen – Das Musical». Premiere wird am 5. März in der Zürcher Maag-Halle sein. Auf der Bühne stehen 19 Schauspielerinnen und Schauspieler, es spielt ein siebenköpfiges Orchester. Das Budget für die Produktion beträgt 3,5 Millionen Franken.

Die Macher sind die gleichen wie für «Ewigi Liebi»: Autor und Komponist Roman Riklin, Regisseur Dominik Flaschka, dann die Produzenten Darko Soolfrank und Guido Schilling, die die Maag-Halle zu ihrem Universum gemacht haben.

Es braucht schon solche Menschen im Hintergrund, damit eine Geschichte zum Leben auf der Bühne kommt. «Ohne den passenden Schriftsteller wäre zum Beispiel der Robinson Crusoe völlig lackiert gewesen, und man hätte ihn auf der Insel vergessen», sagte schon Eugen.

Er selber ist ein Geschöpf von Klaus Schädelin, dem Berner Pfarrer, Politiker, Querdenker. Sein Buch «Mein Name ist Eugen» kam 1955 heraus. Es erzählt die Geschichte von Eugen, Wrigley, Eduard und Bäschteli, wie sie ausgezogen sind, um irgendwie und überall Geschichte zu machen. Ihre Geschichten passieren auf dem Dachboden des Hauses an der Herrengasse in Bern, wo ein Gips-Beethoven zu Bruch geht, im Historischen Museum, wo Wrigley, das Kalb, in eine Ritterrüstung steigt (und natürlich nicht mehr herauskommt), auf dem Weg zum Pfadilager ins Tessin, wo eine Sirupflasche in den Kehrtunnels in Brüche geht, dann in Zürich auf der Suche nach Fritz Bühler, dem König aller Laus- buben.

Unterwegs in der Lausbuben-Schweiz

In «Mein Name ist Eugen» reiht sich Anekdote an Anekdote, über Lausbuben, die nicht mehr als Lausbuben sein wollen. Das Buch richtet sich aber nicht nur an Kinder. «Im Übrigen tut es Erwachsenen gut, ein Buch von unserer herben Jugend zu lesen», schreibt Eugen, der dreizehn ist, im Vorwort. Es war eben die Zeit, in der die Lehrer den Schülern noch Ohrfeigen klebten.

Den Lehrern hat das Buch anfangs auch nicht so gefallen, sie sprachen von einer Geschichte «an der Grenze zu Kitsch und Schund», wie 1956 in der August-Ausgabe der «Schweizerischen Lehrerzeitung» (wo waren da eigentlich die Lehrerinnen?). Jedenfalls: Eugen hat das aber nicht abgehalten, seinen Weg immer weiter zu gehen, Richtung Zürich und Erfolg. 2009 erreichte sein Buch die 30. Auflage, mehr als 225'000 Exemplare wurden bis zu diesem Zeitpunkt verkauft.

Dann kam Michael Steiner, er verfilmte die Geschichte der vier Lausbuben im Jahr 2005. Mehr als 600'000 Menschen haben «Mein Name ist Eugen» im Kino gesehen.

Einer von ihnen war Dominik Flaschka. Er las dann das Buch später an einem Strand von Thailand – und war berührt von der Geschichte. Flaschka gibt jetzt der Geschichte als Regisseur die Vorwärtsbewegung, die es immer in einem Musical braucht.

Sie führt gerade in die Vergangenheit, in die Vorstellung einer Jugend um neunzehnhundertfünfundfünfzig in der Schweiz. Für die Präsentation des Musicals wurde gestern in der Maag-Halle ein Spatz-Zelt aufgestellt, man machte auf Pfadilager-Atmosphäre und ass zum Apéro Schlangenbrot. Vielleicht ist das Musical überhaupt das Lagerfeuer für die Menschen heute. Gerade feierte der Broadway das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte.

Sogar die Hühner sprechen Originaldialekt

Einmal singen Eugen und Co. im Buch ein Lied, das niemand hören will – dieses «Widiwädi Heirassa» war für Tante Melanie entschieden zu laut. Roman Riklin hat für das Musical viel schönere Lieder geschrieben – 15 sind es an der Zahl. Eines davon brachten Jan Simon Messerli, Delio Malär, Sebastian Muri und Remo Traber, die Eugen, Wrigley, Eduard und Bäschteli sind, gestern zum Vortrag – es tönte sehr nach der Lausbuben-Original-Schweiz.

Schon in der Ausschreibung zum Casting hiess es: «Schweizerdeutsch kann nicht gelernt werden. Auch nicht von ausserordentlichen, hochbegabten Darstellern.» So kommt es auch, dass Eugen aus Blumenstein im Berner Oberland kommt, Wrigley aus Richterswil am Zürichsee, Eduard aus Liestal, Bäschteli aus Hauptwil im Thurgau. Sogar die Hühner 1 bis 4 sprechen im Musical Originaldialekt. So singt die Schweiz eben ihre Lieder.

Erstellt: 23.09.2015, 11:21 Uhr

Agenda

Mein Name ist Eugen - Das Musical. Ab 5. März bis Mai 2016, Maag-Haale, Zürich. Vorverkauf: www.eugen-musical.ch, Starticket und Ticketcorner.

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