Zürich

Faktenlage vor ausserordentlichem FIFA-Kongress

Eine Übersicht der wichtigsten Fakten vor dem ausserordentlichen Wahlkongress der FIFA am kommenden Freitag in Zürich.

Der Eingangbereich vom FIFA-Gebäude in Zürich.

Der Eingangbereich vom FIFA-Gebäude in Zürich. Bild: Keystone

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Am kommenden Freitag wird der Nachfolger des suspendierten Präsidenten Joseph S. Blatter gewählt. Zudem soll ein umfangreiches Reformpaket verabschiedet werden. Der Verband hofft auf einen Neuanfang nach der Krise. Hier eine Übersicht der wichtigsten Fakten vor dem ausserordentlichen Wahlkongress der FIFA:

Die Amtszeitbeschränkung soll eingeführt werden: Der Präsident und Council-Repräsentanten sind nur noch maximal für drei Vierjahresperioden wählbar. In der Finanz- und Rechtsabteilung sitzt in Zukunft eine Mindestanzahl von unabhängigen Spezialisten. Die interne und externe Überwachung von Audit- und Compliance-Kommissären wird in den FIFA-Reglementen verankert.

Kongress entscheidet. 207 Mitgliedsverbände sind stimmberechtigt, sofern der Weltverband die Sperre gegen Kuwait und Indonesien bis zum Freitag nicht aufhebt. Das oberste Fussball-Parlament wählt den Nachfolger des gesperrten Präsidenten Sepp Blatter (79) und befindet über die Reformvorschläge.

50 Prozent oder einfache Mehrheit. Im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl ist für den Sieg eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder nötig. Ab dem zweiten Durchgang genügt ein einfaches Mehr der gültigen Stimmen. Und: Ab dem zweiten Umgang scheidet immer der Kandidat mit der geringsten Stimmenzahl aus.

75-Prozent-Hürde für die Reformen. Zur Durchsetzung der Reformvorschläge ist im Kongress ein Stimmenanteil von 75 Prozent nötig. Für die Umsetzung am Hauptsitz sind 60 Tage veranschlagt. Im Weiteren rechnet die FIFA mit einer rund zweijährigen Übergangsfrist, bis alle Verbände die rechtlichen Auflagen definitiv übernommen haben.

Präsident als Botschafter. Die Zeit der Fussball-Monarchen mit einem präsidialen Blankocheck ist vorbei. Der Posten beinhaltet primär repräsentative Aufgaben, der Zugriff auf den ökonomischen Bereich wird von Amtes wegen eingeschränkt. Zur neuen Transparenz gehört die Offenlegung des Präsidenten-Salärs.

Council ersetzt Exekutivkomitee. Der Reformprozess sieht vor, das Exekutiv-Komitee durch ein Council zu ersetzen. Im neuen Gremium sollen statt wie beim bisher 25-köpfigen Exko künftig 36 Delegierte plus der Präsident sitzen. Das Council wird sich künftig primär mit strategischen Fragen auseinandersetzen und verliert an Macht. Vor ihrer Wahl ins Council müssen sich die neuen Mitglieder einem Integritätscheck eines unabhängigen Prüfungsausschusses unterziehen.

Gewaltentrennung wird eingeführt. Das eigentliche Codewort im «Home of FIFA» heisst Good Governance. Die Geschäftsführung nach üblichem Standard der internationalen Wirtschaftsbranche ist ein zentraler Punkt der Umstrukturierung. Der Rat (Council) beispielsweise beschliesst keine TV- und Marketing-Deals mehr - die Business-Entscheide werden im Generalsekretariat unter Aufsicht eines Chief Compliance Officers gefällt. Als Supervisor überwacht ein übergeordneter Auditor alle Geschäftsgänge.

Mächtiger Generalsekretär. Der Generalsekretär steigt zum eigentlichen Geschäftsführer auf. Sein Einfluss ist grösser denn je. Vorgeschlagen wird der neue starke Mann vom künftigen Präsidenten, abgesegnet wird die Wahl durch das Council.

Markus Kattner führt die Geschäfte. Ad interim und bis zum Vorschlag eines Kandidaten ist seit den Turbulenzen im Herbst der gebürtige Deutsche Markus Kattner (45) im Amt des Generalsekretärs. Der frühere Unternehmensberater trat bereits 2003 in die FIFA ein.

Asiatische Premiere möglich. In der 112-jährigen Geschichte der FIFA wurden acht Präsidenten (ordentlich) gewählt. Sieben der Würdenträger stammten aus Europa, einer aus Südamerika. Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa (50), der Vorsitzende der asiatischen Konföderation AFC, will für eine Premiere sorgen. (mc/si)

Erstellt: 24.02.2016, 14:54 Uhr

Der Kandidaten-Check

Zwei Europäer, ein Afrikaner und zwei Vertreter des Nahen Ostens bewerben sich um die Nachfolge des gesperrten FIFA-Präsidenten Sepp Blatter. Die fünf Kandidaten im Detail.

Prinz Ali bin al-Hussein (40/Jordanien). - Im letzten Mai ist der Prinz gegen den langjährigen FIFA-Monarchen Blatter angetreten und blieb chancenlos. Die 77:133-Niederlage hält den früheren Vize-Präsidenten des Weltverbandes indes nicht von einer weiteren (aussichtslosen) Bewerbungskampagne ab.

Jérôme Champagne (57/Frankreich). - Der Pariser Politik-Wissenschaftler ist ein Mann der eher leisen, aber fundierten Zwischentöne. 1983 trat er ins französische Ministerium für ausländische Angelegenheiten ein und kam während 14 Jahren als Diplomat auf drei verschiedenen Kontinenten zum Zug. Jahrelang war er Blatters politischer Berater. So gut vernetzt er auch ist, so verschwindend klein sind seine Wahlchancen.

Gianni Infantino (45/Schweiz). - Der Sohn italienischer Immigranten hat sich dank seiner Intelligenz und nicht erlahmendem Ehrgeiz einen Platz in der internationalen Beletage des Sportmanagements erarbeitet. Im Schatten des inzwischen abgesetzten UEFA-Präsidenten Michael Platini führte der vierfache Familienvater seit 2009 in Nyon die europäische Cashmaschine als Generalsekretär.

Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa (50/Bahrain). - In der 112-jährigen FIFA-Geschichte kamen die bisher acht Präsidenten zu 87,5 Prozent aus Europa; einzige Ausnahme war der Brasilianer João Havelange. Für mehrere Menschenrechts-Organisationen und europäische Politiker ist der Immobilien-Mogul nicht wählbar.

Tokyo Sexwale (62/Südafrika). - Weil er schon früh realisiert hat, dass die Mehrheit der FIFA-Delegierten auf andere Präsidentschaftsanwärter setzen wird, bot Sexwale über verschiedene mediale Kanäle Deals an. Er sei für «Verhandlungen und Allianzen» zu haben, so der Südafrikaner. Über seinen Freund Blatter sagt er: «Blatters Arbeit ist ein Monument, das für sich selbst steht.»

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