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Fassaden-freundliches Graffitischutzmittel entwickelt

Die Stadt Zürich bringt ein neuartiges Graffitischutzmittel auf den Markt. Mit ihm können Sprayereien entfernt werden, ohne die Wand zu beschädigen.

Ein Mitarbeiter der Stadt reinigt mit dem neuen Graffitischutz-System, das den Ansprüchen des Gebäudeunterhalts, der Denkmalpflege wie auch des Gewaesserschutzes entspricht.
Ein Mitarbeiter der Stadt reinigt mit dem neuen Graffitischutz-System, das den Ansprüchen des Gebäudeunterhalts, der Denkmalpflege wie auch des Gewaesserschutzes entspricht.
Keystone

Graffiti ohne Schäden am Gebäude wieder zu entfernen, war bisher nicht möglich. Nun hat die Stadt Zürich einen neuartigen Graffitischutz entwickelt. Im Sommer kommt das Mittel auf den Markt. Zwar gibt es bereits verschiedene Graffitischutzmittel. Diese genügten aber den Anforderungen der Denkmalpflege nicht, wie Martina Jenzer, Leiterin Denkmalpflege Stadt Zürich, am Donnerstag vor den Medien in Zürich sagte.

Mit den bereits vorhandenen, wasserabstossenden Mitteln kommt es immer wieder zu sogenannten Abplatzungen, so dass ganze Stücke der Wand abblättern, wie die städtische Graffitibeauftrage Priska Rast sagte. Ohne präventiven Schutz hingegen entstehen bei der Reinigung häufig Schäden, beispielsweise ist das Graffiti immer noch leicht sichtbar oder der Untergrund wird geschädigt.

Die Fachstelle Graffiti der Stadt Zürich gab deshalb 2011 eine Marktanalyse in Auftrag, setzte sich mit der Denkmalpflege an einen Tisch und liess das Mittel von einem bauphysikalischen Labor in Winterthur entwickeln. Nach Tests im Labor und mehrjährigen Probeläufen an städtischen Gebäuden war es dann im Frühling 2015 soweit: Der neuartige Graffitischutz war einsatzbereit.

Am Donnerstag stellte die Stadt Zürich «Aravel» der Öffentlichkeit vor. Stadtrat André Odermatt (SP) griff zu Demonstrationszwecken gleich selber zur Spraydose und sprühte auf die vorgängig behandelte Stützmauer Lindenhof eine grüne Blume.

Unsichtbarer Schutz

Ein hauchdünner, transparenter Film wird als Prävention auf die Mauer aufgetragen. Schmierereien haften nun nicht auf dem Untergrund selber sondern auf dem Graffitischutzmittel.

Zum Entfernen kommt das zweite Mittel der Produktefamilie «Aravel» in den Einsatz: Der Entferner wird aufgetragen und nach etwa einer Stunde wird alles - mitsamt der unteren Schicht - abgewaschen. Sie hätten alles ausprobiert. Auch hartnäckige Signalfarbe würde wieder entfernt, sagte Rast weiter.

Die Entwicklungen kostete die Stadt 250'000 Franken - ein Betrag, der spätestens 2018 bereits wieder amortisiert sein soll, unter anderem weil das biologisch abbaubare Mittel in der stadteigenen Malerwerktstatt von «Schöns Züri» hergestellt wird.

SBB und Post interessiert

Der Graffitischutz soll nicht nur in Zürich in Einsatz kommen. Die Stadt will das Mittel aber nicht selber vermarkten und fand einen Partner, der Aravel ab Sommer 2016 vertreibt. Die Rechte bleiben bei der Stadt. Auch andere Städte, sowie die SBB und die Post seien interessiert und in den Startlöchern, sagte Rast weiter. Der Leidensdruck sei gross.

Die Stadt Zürich hatte 1997 festgelegt, dass sie keine Schmierereien an ihren Gebäuden duldet. Diese werden deshalb konsequent entfernt - was anscheinend verschiedenste Sprayer vergraulte: So zahlte die Stadt 2006 noch 800'000 Franken für die Entfernung der Schäden, 2014 waren es 500'000 Franken.

Die Stadt stellt zudem verschiedene Orte zur Verfügung, wo legal gesprayt werden darf - etwa beim Unteren Letten oder bei der Quaibrücke, als diese im Sommer 2015 saniert wurde.

SDA/ori

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