Sozialausgaben

Fast jeder achte Rentner braucht finanzielle Hilfe

Die Zahl der Rentner, die Ergänzungsleistungen benötigen, steigt. Eine neue Studie zeigt nun: Auch immer mehr frisch Pensionierte benötigen finanzielle Hilfe, da sie keine ausreichende Altersvorsorge aufgebaut haben.

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Die Sozialausgaben im Kanton Zürich nehmen von Jahr zu Jahr zu. Dies zeigt der Sozialbericht 2016, den das Bundesamt für Statistik diese Woche publiziert hat. Die eigens für den Kanton Zürich aufbereiteten Daten belegen: Seit 2003 ist der jährliche Nettoaufwand von 834 Millionen auf 1,45 Milliarden Franken gestiegen. Schon längst ist nicht mehr die Sozialhilfe – die immerhin Kosten von rund 508 Millionen verursacht – der grösste Brocken. Viel stärker zu Buche schlagen mit knapp 809 Millionen Franken die Ergänzungsleistungen für AHV- und IV-Bezüger. Sie nehmen konstant zu, während die Ausgaben für die Sozialhilfe von Jahr zu Jahr schwanken.

Ein frappanter Befund: Zugenommen hat insbesondere die Zahl der 65- bis 74-Jährigen, die Zusatzleistungen zur AHV benötigen. Dazu zählen nebst anderen Beitragsarten in erster Linie die Ergänzungsleistungen.

Die Zunahme der Bezüger unter 75 Jahren hat unter anderem mit der Demografie zu tun: Der Bevölkerungsanteil dieser Altersgruppe ist gestiegen. Die Studienautoren halten aber auch fest: «Offenbar gibt es eine grösser werdende Gruppe ‹junger› Pensionierter, die trotz des Dreisäulensystems der Altersvorsorge nicht in der Lage war, eine ausreichende Altersvorsorge aufzubauen.» Die Gründe dafür: unterbrochene Arbeitsbiografien, Zuwanderung im späten Erwerbsalter oder Teilzeitarbeit über viele Jahre hinweg.

Hohe Quote in Zürich

Insgesamt ist fast jeder achte Rentner auf Unterstützung angewiesen. Je grösser eine Gemeinde ist, desto höher ist die Quote der Bezüger. So erhalten in der Stadt Zürich 20 Prozent der Rentner Zusatzleistungen, in Winterthur sind es 14 Prozent aller AHV-Bezüger. In der Tendenz sinkt die Quote mit der Einwohnerzahl. In Gemeinden mit weniger als 1000 Personen beträgt die Quote lediglich 3,6 Prozent.

Die Studienautoren haben für diese ungleiche Verteilung eine Erklärung: «Auf dem Land sind vermutlich die Anteile jener grösser, die entweder dank günstigem Wohnraum keine Hilfe in Anspruch nehmen müssen oder die keinen Antrag auf Zusatzleistungen stellen – auch wenn sie Anrecht darauf hätten», schreiben sie im Bericht.

Gewisse Gemeinden weisen allerdings ähnlich hohe Werte auf wie die beiden grossen Städte im Kanton: In Wetzikon, Regensdorf, Dietikon, Oberglatt, Opfikon und Schlieren beträgt die Quote um die 14 Prozent oder mehr (siehe Karte).

Frauen sind stark betroffen

Unter den Bezügern sind Frauen stark übervertreten. Sie machen zwei Drittel aus. Gemäss dem Sozialbericht liegt dies zum einen daran, dass sie eine höhere Lebenserwartung haben als Männer. Zum anderen sind ihre Renten nach wie vor tiefer: Aufgrund von Unterbrüchen und Teilzeitarbeit im Laufe ihres Erwerbs- und Familienlebens haben sie eine schlechtere berufliche Vorsorge. Oft sind Bezügerinnen verwitwet oder sie leben getrennt.

Weiter geht aus den Daten hervor, dass Ausländer stärker betroffen sind als Schweizer – aufgrund tieferer Löhne und weniger Beitragsjahre. Und je älter eine Person ist, desto eher beansprucht sie Ergänzungsleistungen. Oft geschieht dies erst beim Eintritt in ein Heim, wenn im letzten Lebensabschnitt intensive Pflege erforderlich wird. In einem Heim lebt allerdings nur ein Drittel aller Rentner, die Ergänzungsleistungen beziehen. Dafür fallen die Kosten höher aus: Im Heim betragen sie durchschnittlich 3541 Franken pro Monat. Bei einer Person, die in einem Privathaushalt lebt, sind es 1218 Franken.

Erstellt: 01.12.2017, 14:19 Uhr

AHV-Rentner mit Zusatzleistungen in den Gemeinden des Kantons Zürich (klicken für grössere Ansicht). (Bild: Quelle BFS / Sozialhilfestatistik 2016)

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