Tollwut

Finger weg von Fledermäusen

Bissunfälle mit Fledermäusen kommen höchst selten vor. Geschieht es aber doch, gilt es schnell zu handeln: Die fliegenden Säuger sind die einzigen bei uns lebenden Wildtiere, die Menschen mit dem Tollwutvirus anstecken können.

Fledermäuse im Kirchturm von Eglisau. Rund 250 Grosse Mausohren haben hier ein Zuhause gefunden.

Fledermäuse im Kirchturm von Eglisau. Rund 250 Grosse Mausohren haben hier ein Zuhause gefunden. Bild: Leo Wyden

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Es ist eine herrliche Jahreszeit. Noch immer sind die teils wunderbar warmen Abende lang und laden ein, den Tag auf dem Gartensitzplatz mit einem Glas Wein in der Hand und der bezaubernder Abendstimmung vor Augen ausplempern zu lassen. Plötzlich flattern Schatten vorbei, einer davon prallt gegen eine Fensterscheibe und fällt vom Himmel. Eine Fledermaus, offensichtlich verletzt vom Aufprall. Was tun?

Am Montag wurde in Neuenburg ein Mann von einer Fledermaus gebissen. Das Tier war verletzt, der Mann wollte helfen. Untersuchungen haben ergeben, dass die Fledermaus mit Tollwut infiziert war. Einer Krankheit, die in der Schweiz bei landlebenden Wildtieren seit Ende der 90er Jahre als ausgerottet gilt. Wie kann das sein?

In Westeuropa ist der Fuchs der häufigste Träger und Überträger von Tollwut. Gelegentlich können bei dieser Form der Tollwut auch Marder, Dachse, Hunde und Katzen als Überträger in Frage kommen. Vorfälle mit den genannten Wildtieren stellen in den letzten 20 Jahren in der Schweiz keine Tollwutrisiko mehr dar – die im grossen Stil angelegten Impfköderimpfungen in den späten 70-er Jahren bis zur Jahrtausendwende waren ein voller Erfolg.

Die Fledermaus allerdings kann de facto nach wie vor Träger des Virus sein. Auch in der Schweiz. Es handelt sich hierbei um einen von anderen Wiltdieren unabhängigen, angepassten Tollwutvirus-Typen.

Nach Biss sofort den Gang zum Arzt antreten

Tollwut kann von Tieren auf den Menschen übertragen werden und führt ohne rechtzeitige Behandlung fast immer zum Tod. Jährlich sterben ca. 60 000 Menschen an dieser Viruserkrankung, die meisten Todesfälle vermeldet Indien. In seltenen Fällen sterben auch Menschen in Westeuropa daran. Kürzlich ein deutscher Tourist, der in Indien auf Reisen war und sich dort infiziert hat.

Gerade wer in Risikoländern und dort beispielsweis mit dem Rucksack unterwegs ist, oder auch sonst abgelegene Orte besucht, ist gut beraten, wenn er sich impfen lässt. Wer von einem infizierten Tier gebissen wird und nicht geimpift ist, muss sofort einen Arzt aufsuchen und sich medizinisch behandeln lassen.

Was viele nicht wissen: Der Gang zum Arzt gilt auch für Menschen, die sich prophylaktisch geimpft haben. Der Ablauf der Impfbehandlung ist dann jedoch viel einfacher. Potenziell gefährlich sind auch nicht nur Bisse von Hunden oder Katzen – auch wer beispielsweise in Thailand von einem zahmen Äffchen blutig gekratzt wurde, muss zum Doktor.

Eine Ansteckung ist höchst unwahrscheinlich

Zurück zu den Fledermäusen und dem Gebissenen von Neuenburg. Weil das Tier Träger des Virus war, musste der Mann gleich mehrere Spritzenstiche über sich ergehen lassen. Und wird auch noch für eine Nachimpfung aufgeboten. «Die Tollwutimpfung ist eine mehrstufige Prozedur mit sehr hoher Erfolgschance. Allerdings muss sie rechtzeitig erfolgen. Nämlich bevor das Virus in das Nervensystem gelangt ist und korrekt durchgeführt wird», sagt Professor Reto Zanoni, Leiter der Schweizerischen Tollwutzentrale am Institut für Virologie und Immunologie in Bern.

Und so unwahrscheinlich es auch ist, hierzulande von einer Fledermaus gebissen zu werden: der Gang zum Arzt ist in solch einem Fall ein absolutes Muss. Im Vergleich mit anderen Ländern ist eine Ansteckung hier vergleichweise verschwindend gering. 99 Prozent der Tollwutimpfbehandlungen gehen in Westeuropa auf Hundebisse zurück. «In Nord- und Südamerika sind 10 bis 20 Prozent der diagnostizierten Tollwut-Fälle auf Fledermäuse zurückzuführen, was zu entsprechend mehr Impfbehandlungen und gelegentlichen Tollwutfällen bei Menschen führt», sagt Zanoni.

Vor einer Ansteckung mit Tollwut brauche man sich bei uns keine grossen Sorgen zu machen. Vor allem nicht im Zusammenhang mit Fledermäusen, mit denen man kaum je in Kontakt kommt und «der letzte Fall ist 15 Jahre her». Bis eben in dieser Woche der Fall Neuenburg passierte. «Trotzdem, die viel grössere, potenzielle Gefahr geht von illegal eingeführten Haustieren aus», sagt Zanoni. Wer beispielsweise einen Hund aus einem Risikogebiet illegal in die Schweiz importiert, setzt sich und die Allgemeinheit einer grossen Gefahr aus. Das Veterinäramt wird das Tier bei Entdeckung beschlagnahmen und auf Kosten des Tierhalters in das Herkunftsland zurückführen. Zudem wird ein Strafverfahren eingeleitet.

372 Kolonien im Kanton Zürich gezählt

Vor einem Monat porträtierte der Zürcher Unterländer den Eglisauer Walter Forrer, der seit über 20 Jahren die Fledermäuse in der Zwiebelhaube des Eglisauer Kirchturms zählt. Die Frage, ob er sich gegen Tollwut hat impfen lassen, verneint er. «Wenn ich mal ein Tier anfassen muss, dann nur mit Handschuhen», sagt Forrer. Gebissen worden sei er noch nie. Der Bestand der Fledermäuse ist in den zwei Jahrzehnten angestiegen, derzeit leben rund 250 Grosse Mausohren in der Zwiebelhaube der Kirche.

Im Kanton Zürich weiss man von 372 sogenannten Quartieren, wie es auf Anfrage bei der Stiftung Fledermausschutz heisst. «Quartiere sind Fledermaus-Kolonien, wo Muttertiere ihre Jungen aufziehen», sagt Geschäftsführer Hubert Krättli. Die unentdeckten Quartiere selbstredend nicht mitgezählt. Wieviele Fledermäuse in den Quartieren leben, sei schwer zu sagen. Selten sei das Zählen so gut möglich wie im besagten Fall vom Eglisauer Kirchturm.

Die Freien Mitarbeiter der Stiftung Fledermausschutz wüssten um die mögliche Gefahr, die von den Tieren ausgeht. Die meisten Helfer kämen erst gar nie in physischen Kontakt mit den Tieren. Gegen Tollwut geimpft seien «nur» die gut 90 Mitarbeiter, die ausgebildet worden seien, die Tiere wenn nötig auch mal in die Hand zu nehmen. «Nebst der Impfung ist das Tragen von bissfesten Handschuhen Pflicht», sagt Krättli.

Der Zoo Zürich hat der Fledermaus eine eigene Ausstellung gewidmet. Quelle: Youtube

Pro Jahr erhält Krättli eine bis zwei Meldungen Meldungen von Fledermäusen, die Menschen gebissen haben. Und seit 1976 das Überwachungsmonitoring eingeführt worden sei, habe es gerade mal vier Fälle gegeben, in denen das beissende Tier Träger des Tollwutvirus gewesen sei. Dennoch betont auch er die Notwendigkeit, nach einem Biss unbedingt einen Arzt aufzusuchen.

Womit die Frage nach der in den Garten gestürzten Fledermaus folgendermassen beantwortet werden kann: Das verletzte Tier darf nur mit grösser Vorsicht angefasst werden. Und nur mit bissfesten Handschuhen. Damit ist allen recht getan – der Vorsichtspflicht und dem verletzten Tier.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 10.08.2017, 17:20 Uhr

Tollwut: Ohne Impfung tödlich

Die Tollwut ist eine Infektionskrankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen werden kann. Die Inkubationszeit beträgt in den meisten Fällen ein bis drei Monate, Tollwut kann aber auch schon nach vier Tagen oder erst nach einem Jahr ausbrechen. Ist das Virus einmal in den Körper gelangt, wandert es meist erst nach längerer Zeit, das heisst am Ende der Inkubationszeit, entlang der Nervenbahnen ins Rückenmark und von dort ins Gehirn. Hier vermehrt es sich und breitet sich im Organismus und speziell in der Speicheldrüse aus. Damit einhergehend tauchen erste Krankheitszeichen auf: Eine gewisse Ängstlichkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Unwohlsein und die Veränderung der Wahrnehmung im Bereich der Bissstelle. Später kommen Halluzinationen hinzu und die Angstzustände werden schlimmer.
Nach Delirium und Krämpfen tritt wenige Tage nach Krankheitsbeginn der Tod ein. Gegen eine einmal ausgebrochene Tollwuterkrankung gibt es auch heute noch keine Behandlungsmöglichkeit mcp

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