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Fluglärmgegner fordern neue Prognosen

Wie viele Flugzeuge 2030 in Zürich verkehren werden, weiss niemand. Theoretische Prognosen dazu gibt es einige, drei davon von der Münchner Intraplan. Den Fluglärmgruppen der Allianz Now passen aber deren Zahlen nicht.

Eine Landung ist eine Flugbewegung, unabhängig davon, um welchen Flugzeugtyp es sich handelt. Dieser kann aber einen grossen Einfluss auf die Flottenpolitik einer Airline haben – und damit wiederum auf die Flugbewegungen.
Eine Landung ist eine Flugbewegung, unabhängig davon, um welchen Flugzeugtyp es sich handelt. Dieser kann aber einen grossen Einfluss auf die Flottenpolitik einer Airline haben – und damit wiederum auf die Flugbewegungen.
Moritz Hager

Wie sagte einst Mark Twain: «Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.» Gleichwohl kommt der Staat nicht umhin, zu prognostizieren. Will er etwa die Infrastruktur für einen Flughafen planen, so muss er abschätzen, wie viel Flugverkehr der Markt generieren wird – morgen und übermorgen. Übersetzt ins Amtsdeutsche: Für die Erarbeitung des Objektblatts Flughafen innerhalb des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL 2) war eine Nachfrageprognose des Luftverkehrs bis 2030 vonnöten.

Diese Zahlen lieferte das in München domizilierte Büro Intraplan Consult GmbH 2015; nicht etwa zum ersten Mal, sondern als eine Art Aktualisierung älterer Studien aus den Jahren 2006 und 2009. Doch die Intraplan-Zahlen ecken bei einigen Interessenverbänden an; aktuell reklamiert die sogenannte Allianz Now, ein Dach von insgesamt acht Fluglärmgegner-IG und «Bürgerprotesten» aus den Regionen nördlich, östlich und westlich des Klotener Flughafens, zu denen auch die IG Nord und der Dachverband Fluglärmschutz gehören. Wie die Allianz gestern mitteilte, verlangt sie vom Bund umgehend ein neues Prognosenpapier und stellt dabei explizit die Forderung nach «adäquater Methodik» auf.

Sie stützt sich im Wesentlichen auf ein eigens in Auftrag gegebenes Gutachten des Zürcher Büros Oliva & Co. GmbH, das Ende 2016 zum Schluss gekommen war, dass man bei Interplan die Flugbewegungen «signifikant überschätzte». Im Resümee jenes Gutachtens heisst es unter anderem, dass die «Entwicklung der Anzahl Flugbewegungen im Vergleich zur realen Verkehrsentwicklung derart überzogen prognostiziert wird, dass die angewandten Methoden nur schon von den Resultaten her zu hinterfragen sind».

Methodikfaktor Markt

Konkret kritisierten die Zürcher, dass die Münchner schlicht zu wenig dynamische Faktoren des Marktes berücksichtigt hätten, sondern ihre Werte lediglich auf die Passagierströme abstellten. Auf diese Weise liessen sich gar keine schlüssigen Ergebnisse erzielen, was auch die Differenzen zwischen den Zahlen der älteren beiden Intraplan-Prognosen (2006, 2009) und den 2015 real registrierten Flugbewegungen erkläre.

Es existiert noch ein weiteres Dokument, auf das die Allianzihre Kritiken und Forderungen abstützt: 2014 hatte die Technische Universität Chemnitz eine Studie vorgelegt, welche die Pro­gnosen der Intraplan infrage gestellt hatte. Damals hiess es unter anderem, die Intraplan sei «nicht in der Lage, mit ihren Modellen Strategiewechsel der Luftfahrtgesellschaften wie etwa Flottenerneuerungen, Neupositionierungen am Markt oder ein Grounding abzubilden». Man sei sich, so schreibt die Allianz weiter, durchaus bewusst, dass jede Prognose Abweichungen von der Realität aufweisen könne. «Gerade im Wissen darum fordert die Allianz Now den Bund auf, die Intraplan- Studie 2015 zu überprüfen und eine Prognose durch ein anderes Büro mit adäquater Methodik erstellen zu lassen.»

Sowohl die Nachfrageprognose der Intraplan wie auch das Oliva-Gutachten und die Untersuchung der Technischen Universität Chemnitz sind über die Webseiten der IG Nord und der Region Ost herunterladbar.

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