Wetter

Föhnsturm bringt Rekordwärme am Zürichsee

Mit Böen von 90 km/h ist der Föhnsturm am Montag aus den Alpentälern bis an den Zürichsee vorgedrungen. Die Temperatur stieg auf 20,6 Grad – so warm wie noch nie in der zweiten Novemberhälfte.

Warm und windig war es am Montagmittag am Zürichsee, hier in Wädenswil.

Warm und windig war es am Montagmittag am Zürichsee, hier in Wädenswil. Bild: Martin Steinegger

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Er kommt selten bis an den Zürichsee. Wenn er es aber bis ans Seeufer schafft, dann sorgt der Föhn für Spektakel.

Das war auch am Montag nicht anders. Der warme Fallwind aus den Alpentälern war mit beachtlicher Kraft bis ans linke und rechte Zürichseeufer und nach Rapperswil vorgestossen. An der Meteoschweiz-Wetterstation in Wädenswil wurden Sturmböen bis 93 km/h gemessen. Diese hohen Windspitzen traten jedoch nur kurzzeitig auf. Im Verlauf des Montagabends wurde der Wind wieder deutlich schwächer.

Gleichzeitig trieb der Föhn die Temperaturen in die Höhe. Während am frühen Morgen am Ufer des Zürichsees noch bei 4 bis 5 Grad gefroren wurde, kletterte das Thermometer bis am Mittag auf sommerlich amutende 20,6 Grad an. Gemäss Meteorologe Roger Perret vom Wetterdienst Meteonews wurde damit ein Rekord geknackt. Noch nie seit Beginn der Messungen in Wädenswil (1981) war es in der zweiten Novemberhälfte so warm. Der bisherige Rekord datiert vom 24. November 1984 und beträgt 18,7 Grad.

Grössere Schäden richtete der Föhnsturm nicht an. Gemäss Carmen Surber, Sprecherin der Kantonspolizei Zürich, riss der Wind am späteren Montagabend in Erlenbach ein Segelboot aus der Verankerung. Die Seepolizei konnte das führerlos treibende Boot aber wieder «einfangen» und festmachen. Zwischen Horgen und Hirzel stürzten zudem an einigen Stellen Bäume um. Im Enderholz in Horgen blockierte ein Baum kurzzeitig die Zugerstrasse. Die Strasse musste freigeräumt werden.

Seltenes Ereignis

Letztmals hatte am 4. November 2014 ein vergleichbarer Föhnsturm in Wädenswil mit Böen von über 100 km/h getobt. Dass der Föhn im Winterhalbjahr so weit an den Zürichsee vorstösst, ist aber eher selten. Meistens kann der Wind die kalte Luft, die sich jeweils in der Nacht über dem See und dem Flachland bildet, nicht verdrängen. Er gleitet dann einfach über den winterlichen «Kaltluftsee» auf und verpufft regelrecht.

Klar ist: Die Föhnströmung über den Alpen war am Montag sehr stark. Der Druckunterschied, der letztlich die Windstärke ausmacht, betrug am Nachmittag zwischen Alpensüdseite (Lugano) und Alpennordseite (Zürich) rund 15 Hektopascal.

Als Faustregel gilt: Etwa ab einem Unterschied von 4 Hektopascal greift der Föhn jeweils in die klassischen Alpentäler (Reusstal, Rheintal, Glarnerland) vor. Ab etwa 8 Hektopascal Druckunterschied ist in den Alpentälern mit Sturmböen zu rechnen und der Föhn schafft es meistens auch bis ins angrenzende Flachland, beispielweise in die Linthebene oder in die Region Ausserschwyz.

Die Föhnlage über den Alpen wird noch bis am Donnerstag anhalten. Allerdings ist davon am Zürichsee nicht mehr viel zu spüren. Der Föhn hat sich abgeschwächt und beschränkt sich deshalb auf die klassischen Alpentäler.

Klassisches Föhnloch über den Voralpen (fotografiert am Montag von Wädenswil aus). Bild: Martin Steinegger (landbote.ch)

Erstellt: 22.11.2016, 12:15 Uhr

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