Zürichsee

«Für das Ego und das Herz war es eine schöne Saison»

Die Flotte der ZSG transportierte in der Hauptsaison 2018 fast 60 Prozent mehr Passagiere als im Vorjahr. Für den Direktor der Schifffahrtsgesellschaft, Roman Knecht, ist das trotz allem kein Ergebnis, um in Jubelstimmung zu verfallen.

Will sich nicht auf den guten Zahlen der Saison 2018 ausruhen: ZSG-Direktor Roman Knecht.

Will sich nicht auf den guten Zahlen der Saison 2018 ausruhen: ZSG-Direktor Roman Knecht. Bild: Archiv Manuela Matt

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Als Direktor der ZSG muss Ihnen ein Stein vom Herzen fallen. Nach dem schlechten letzten Jahr, sind die Passagiere zurück auf dem See.
Roman Knecht: Ja, es freut mich sehr, dass unser Angebot in diesem Jahr bei den Passagieren so eingeschlagen hat. Das Wetter war uns hold. Vom Saisonstart bis zum Saisonende hat das Wetter für uns gespielt, auch weil die Regenperioden höchst selten waren. Das Wetter bleibt Verkaufsförderer Nummer 1 für uns.

Trotzdem machte Ihnen das Wetter einen kleinen Strich durch die Rechnung. Wegen der extremen Hitze musste die Limmat-Schifffahrt mehrfach eingestellt werden.
Das ist schon ausserordentlich, dass wir neun Tage lang mit den Limmatbooten nicht fahren konnten. Das haben wir – einmal abgesehen von den früher immer mal wieder auftretenden tiefen Pegelständen der Limmat – wegen der Hitze so noch nie erlebt. An den heissesten Tagen gab es aber auch auf den grossen Schiffen Dämpfer bei den Passagierzahlen.

Das gute Wetter ist das eine: Dennoch kann man keinen Hehl daraus machen, dass der abgeschaffte Schiffsfünfliber seinen Teil zum starken Passagierzuwachs beitrug.
Ja, das ist sicher so. Der Zeitpunkt der Abschaffung am Tag vor dem Saisonstart hat uns dabei sicher auch in die Hände gespielt. Für das Ego und das Herz war es eine sehr schöne Saison. Auch weil es keine grösseren Unfälle oder Schiffspannen gab.

Welche finanziellen Folgen hat das deutlich bessere Ergebnis?
Das kann ich derzeit nur zum Teil abschätzen. Wir spüren es direkt bei Extrafahrten und Themenfahrten. Dort haben wir mit einem Umsatz von 1,27 Millionen Franken einen Umsatzzuwachs von 15 Prozent. Das leistet sicher einen Beitrag, um die finanzielle Lage der ZSG zu verbessern. Zu den Fahrausweisen haben wir noch keine Angaben, diese Daten werden vom Zürcher Verkehrsverbund erhoben. Da wir 590‘000 Passagiere mehr befördert haben, muss das aber zwangsläufig einen Effekt haben.

«Rekordjahre sind für uns nicht matchentscheidend.»Roman Knecht

Rückblickend war ja das die Krux der Saison 2017: Sie beförderten über das ganze Jahr gesehen zwar nur 1,1 Millionen Passagiere, hatten aber wegen des Zuschlages dennoch 2,4 Millionen Franken mehr in der Kasse. Ist das ein Damoklesschwert für die ZSG, wenn nun die zusätzlichen Ticketeinnahmen nicht den gleichen Effekt haben?
Nein, ein Damoklesschwert ist das nicht. Aber es ist klar, dass man den finanziellen Effekt des Fünflibers nicht wegdiskutieren kann. Ich bin gespannt, wie sich das Verhältnis von Frequenz und Billetteinnahmen nun auswirkt. Das ist für uns gerade im Hinblick auf die Saison 2020/2021 wichtig, wenn wir unseren Fahrplan noch konsequenter an die Bedürfnisse der Fahrgäste ausrichten.

Mit 1,61 Millionen Fahrgästen in der Hauptsaison von März bis Oktober sind sie schon nahe am ZSG-Rekordergebnis von 1,83 Millionen Passagieren (2009) über ein ganzes Jahr.
Ich glaube nicht, dass wir für das gesamte Jahr 2018 einen Rekord ausweisen können. Von Januar bis März lagen wir noch deutlich hinter Zahlen des Vorjahres, aber ohnehin sind Rekordjahre für uns nicht matchentscheidend.

Warum nicht?
Wir sind uns bewusst, dass der Kostendeckungsgrad unserer Schiffe teilweise tief ist. Wir arbeiten daran, diesen zu verbessern, wie das auch von der Politik gefordert ist. Wir sind derzeit daran, das Budget für 2019 zu erarbeiten. Auch wenn wir vom Zürcher Verkehrsverbund keine Sparmassnahme auferlegt erhalten haben, bleibt das Ziel des höheren Kostendeckungsgrades sportlich. In dieser Situation wäre es nicht dienlich, auf Fahrgastrekorde zu schielen.

Auch die Gastronomie trägt zu einem guten Ergebnis bei. Die Gastrobetriebe erwirtschaften auch im langjährigen Schnitt mehr Geld. Wie beurteilen Sie das Wachstum?
Für uns ist ein stabiles Gastronomieangebot essenziell. Wir brauchen einen verlässlichen Partner, der unsere Angebotsentwicklung mitträgt. Das ist ein wichtiger Bestandteil für das Gesamterlebnis auf dem Zürichsee. Ich bin deshalb froh und dankbar, dass wir die Kurve auch hier wieder gekriegt haben.

Trotz dem guten Ergebnis in der Hauptsaison 2018 kündigen Sie einen grossen Fahrplanumbau auf das Jahr 2020/2021 an. Ist das tatsächlich notwendig, jetzt wo doch die Zahlen so gut sind?
Den Fahrplanwechsel braucht es definitiv, damit sich die Zahlen weiter in diese Richtung bewegen. Wir wollen zukünftig im Bereich Extra- und Themenfahrten unser Angebot ausbauen und dort das Potenzial voll ausschöpfen können. Dafür schafft der neue Fahrplan die Grundlagen. Ich lege grosse Hoffnung in dieses Konzept.

«Es ist klar, dass man den finanziellen Effekt des Fünflibers nicht wegdiskutieren kann.»Roman Knecht

In Zukunft beschränkt sich die absolute Hauptsaison auf die Monate Juli und August. In diesem Sommer hat sich aber gezeigt, dass auch andere Monate sehr stark sein können. Ist das neue Fahrplanangebot flexibel genug?
Wir fahren zukünftig am Samstag und Sonntag das gleiche Angebot. Der Unterschied zwischen Werktag und Sonntag wird kleiner, das Angebot im Winter grösser. Wir haben diese Saison Versuche gemacht, bei schönem Wetter mehr Schiffe einzusetzen. Aufwand und Ertrag stimmten aber nicht. Wir brauchen Stabilität und Verlässlichkeit im Fahrplan. Das können wir mit flexiblen Schiffseinsätzen nicht bieten.

Warum nicht?
Als Beispiel: Wir haben heute bei der kleinen Rundfahrt Kapazitätsengpässe. Im Frühling haben wir für einen Versuch am Steg kommuniziert, dass noch ein zweites Schiff im Einsatz steht, um weitere Passagiere aufzunehmen. Die Passagiere haben sich dann gefragt, was das denn für ein Schiff ist. Wenn sie auf einer Rundfahrt dann ein Schiff einsetzen, das für Querfahrten ausgelegt ist, stimmt das Fahrgefühl einfach nicht. Das war deutlich spürbar. Es wird also auch in Zukunft Spitzen geben müssen, an denen man nicht alle Bedürfnisse abholen kann. Kommt dazu: Im Winter müssen wir genügend Zeit haben, unsere Schiffe zu warten. Dieser pannenfreie Sommer hat uns gezeigt, dass sich dieser Effort in den Wintermonaten einfach lohnt.

Sie haben in den vergangenen Monaten mit dem Schiffsfünfliber und dem Knatsch um das Hornverbot stürmische Zeiten hinter sich. Der angekündigte Fahrplanumbau könnte ebenfalls für Diskussionen sorgen. Was tun Sie, um die ZSG in ruhigere Gewässer zu manövrieren?
2018 war wesentlich ruhiger als 2017. Mit Ausnahme der Horndebatte haben wir uns alle Themen dieses Jahres selber in die Agenda geschrieben. Die Weiterentwicklung der ZSG ist eine bewusste Veränderung. Daran werden wir auch im kommenden Jahr arbeiten. Ich bin zuversichtlich, dass wir damit langfristig ein gutes Angebot für alle auf dem See anbieten können.

Erstellt: 23.10.2018, 13:59 Uhr

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