Kinderbuch

Geissbock Charly heilt mit Kräutern

Ein Buch, das auf jeder Seite duftet – das war 2009 eine Neuheit. Inzwischen ist das vierte Duftbuch über den Geissbock Charly erschienen. Zeichner Patrick Mettler aus Benken über die Schwierigkeit, authentische Düfte zu finden, digitales Zeichnen und Hörspiele über Duftbücher.

Roger Rhyner (links) schreibt die Texte, Patrick Mettler macht die Zeichnungen dazu. Und ein Geissbock spielt in den Duftbüchern stets die Hauptrolle.

Roger Rhyner (links) schreibt die Texte, Patrick Mettler macht die Zeichnungen dazu. Und ein Geissbock spielt in den Duftbüchern stets die Hauptrolle. Bild: Gaby Vogt, 13 Photo

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Was ist jeweils zuerst: die Düfte oder die Geschichte?

Patrick Mettler: Zuerst entwickeln wir die Thematik einer ­Geschichte, dann sucht Roger Rhyner die Düfte zusammen.

Beim aktuellen Buch hatten Sie und Roger Rhyner also zuerst die Idee, dass es um Heilkräuter ­gehen soll.

Ja, Roger hatte die Idee, etwas über Heilkräuter zu machen, und in der Zusammenarbeit mit einer Aromatherapeutin hat sich her­auskristallisiert, welche Düfte geeignet sind für die Geschichte. Sie hat erklärt, welche Pflanzen gemäss der Aromatherapie welche Wirkung haben. Dann hat ­Roger die Handlung skizziert und schliesslich die Düfte zusammen gesucht. Bei gewissen Düften merkt man im Verlauf der Arbeit, dass sie nicht funktionieren. Dann muss man halt auch die ­Geschichte anpassen.

Wie muss man sich das «Düfte-Zusammensuchen» vorstellen?

Wir bestellen die Duftlacke bei einem Hersteller in Deutschland. Dieser bietet eine grosse Palette von Düften an. Von einigen Düften gibt es mehrere Varianten, die wir dann «degustieren» müssen. Er hat auch schon Düfte extra für uns entwickelt, zum Beispiel fürs erste Buch jenen vom Geissbock Charly.

Gibt es Düfte, die Sie gerne im Buch gehabt hätten, die es aber nicht gibt?

Im Buch «Geissbock Charly reist um die Welt» wollten wir Käse drin haben, doch das hat nicht ­geklappt.

Käse gibts nicht in der Palette des Duftherstellers?

Doch, aber der Duft roch einfach nicht so, wie wir uns Käse vorstellen. Gewisse Düfte treffen den Originalgeruch besser, andere weniger. Sehr authentisch sind Gerüche, die sowieso künstlich hergestellt werden, etwa der Pfefferminzgeruch eines Kaugummis.

Im neuen Buch kommen auch spezielle Gerüche vor wie der ­Geruch von Pilzen oder Zwiebeln. Der Zwiebelgeruch ist sehr ­authentisch!

Ja, der Zwiebelgeruch ist erstaunlich gut.

Wie kommen die Düfte auf die Seiten der Bücher?

Die Duftlackfirma beliefert die Druckerei mit dem Lack. Dort werden zuerst die Seiten im normalen Vierfarbendruck gedruckt, und am Schluss kommt der durchsichtige Lack drauf, in dem der Duft ist. Das ist wie eine fünfte Farbe, die auf die Seiten gedruckt wird. Das Duftöl befindet sich in mikroskopisch kleinen Kapseln. Beim Drüberreiben platzen die Kapseln, und es duftet. In den Kapseln bleibt der Duft über Jahre konserviert.

Wie viele echte Pilze, Heidelbeeren oder Zwiebeln sind in einem Buch?

Die einzelnen Düfte bestehen aus bis zu zwanzig Einzelstoffen. Die sind zum Teil künstlich hergestellt und zum Teil natürlich. Aber die Düfte sind auf jeden Fall nicht gefährlich, das haben wir abgeklärt. Vom Duft der Wiese bekommt man also keinen Heuschnupfen.

«Geissbock Charly findet Heilkräuter» ist ihr viertes Buch – gibt es Dinge, die Sie neu ­gemacht haben?

Einerseits haben wir zum ersten Mal mit einer Expertin zusammengearbeitet, mit der Aromatherapeutin. Andererseits habe ich das neue Buch digital gezeichnet, das heisst, die Zeichnungen sind am Computer entstanden.

Wie funktioniert das?

Ich habe ein Grafiktablet und einen digitalen Stift, mit dem ich eigentlich zeichnen kann, wie ich mich das mit Farbstiften und Papier gewohnt bin. Das System merkt, wie fest man drückt, es ­erkennt die Neigung des Stifts, und mit dessen Rückseite kann man sogar radieren.

Was ist der Vorteil des digitalen Zeichnens?

Digital kann man auf verschiedenen Ebenen malen. Ich kann zum Beispiel zuerst den ganzen Hintergrund machen, dann kommt der Geissbock Charly drauf, dann kommen weitere Objekte auf die Fläche. Ist etwas am falschen Ort, verschiebe ich es einfach. Man hat im Arbeitsprozess viele Korrektur- und Anpassungsmöglichkeiten. Mir ist aber sehr wichtig, dass ich nichts kopiere, weder die Hauptperson Charly noch irgendwelche Gräser oder Käfer. Jeder Strich, den man sieht, ist wirklich gezeichnet worden.

Sie machen die Kinderbücher beide nebenbei. Wie geht das?

Ich zeichne meistens abends oder nachts. Ich arbeite als Grafiker und habe mein Büro zu Hause. Tagsüber habe ich meist nicht die nötige Ruhe zum Zeichnen. Abends kann ich ungestört mehrere Stunden am Stück arbeiten. Roger arbeitet als Radiojournalist und schreibt eine Geschichte auch mal in einer Nacht, wenn er den Narren gefressen hat.

Es gibt auch Hörspiele über die Abenteuer des Geissbocks Charly – das ist grotesk, die Gerüche sind ja der Kern Ihrer Geschichten.

In den Hörspielen wird das Buch jeweils als Grundlage genommen. Damit die Geschichte auch ohne Düfte funktioniert, kommen zusätzliche Dialoge und Lieder dazu.

Haben Sie schon Ideen für ­weitere Duftbücher?

Ja, aber die sind noch nicht spruchreif.

Sie wollen gar nichts verraten?
Die Geschichte ist geschrieben, das neue Buch wird im Herbst ­erscheinen. Mehr darf ich noch nicht sagen. (Landbote)

Erstellt: 30.04.2016, 08:42 Uhr

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