Regierungsrat

Grüner, jünger und weiblicher

Martin Neukom eroberte am Sonntag für die Grünen den Regierungsratssitz zurück, den Martin Graf vor vier Jahren an die CVP verloren hatte. Einstecken musste diesmal die FDP. Mit Natalie Rickli schaffte es die SVP, ihren zweiten Sitz zu verteidigen.

Die beiden jüngsten Kandidaten wurden in den Regierungsrat gewählt: Martin Neukom (Grüne) überholte sogar Natalie Rickli (SVP).

Die beiden jüngsten Kandidaten wurden in den Regierungsrat gewählt: Martin Neukom (Grüne) überholte sogar Natalie Rickli (SVP). Bild: Pascal Mora

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Die ersten Hochrechnungen stellten gestern die Ausgangslage auf den Kopf. Statt dem erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Thomas Vogel (FDP) und Martin Neukom (Grüne) fand sich Neukom auf dem sechsten Platz wieder, noch vor der neu kandidierenden Natalie Rickli (SVP). An dieser Reihenfolge sollte sich nichts mehr ändern, bis um 17 Uhr die definitiven Wahlergebnisse des Regierungsrats verkündet wurden.

Martin Neukom (Grüne): «Ich kann es kaum glauben.»

Dem Jüngsten aller Kandidaten gelang die Sensation – der 32-jährige Winterthurer erobert für die Grünen den Regierungsratssitz zurück, den Martin Graf vor vier Jahren an Silvia Steiner (CVP) verloren hatte. Graf wiederum hatte den Sitz seinerseits Hans Hollenstein (CVP) abgeluchst. Gestern war die Leidtragende aber nicht die CVP, sondern die FDP, die erstmals in ihrer Geschichte mit nur einem Regierungsmitglied auskommen muss. Thomas Vogel konnte den Sitz des scheidenden Thomas Heiniger nicht verteidigen. Er erreichte zwar das absolute Mehr, schied aber als Überzähliger auf dem achten Platz aus.

Natalie Rickli (SVP): «Jetzt können wir darüber reden, ob Winterthur zur neuen Kantonshauptstadt werden soll.»

Die SVP konnte den Sitz von Markus Kägi mit Natalie Rickli neu besetzen. Die 42-jährige Nationalrätin aus Winterthur eroberte den siebten und letzten Platz.

Schlatter-Schmid: «Wir lagen goldrichtig»

Nach Neukoms Erfolg sind die Grünen entsprechend euphorisiert. Dass die Schülerstreiks den Klimawandel ins Bewusstsein der Bevölkerung holten, habe Neukom den nötigen Schub verliehen. «Wir haben auf einen Klimakandidaten gesetzt, bevor die Schülerstreiks überhaupt begonnen haben und lagen damit goldrichtig», sagt Parteipräsidentin Marionna Schlatter-Schmid. Die «politische Grosswetterlage» habe auf grüne Themen umgeschwenkt.

Thomas Vogel (FDP): «Diese grüne Welle ist über uns geschwappt.»

Mit Neukom rückt der Regierungsrat nach links, obwohl die Bürgerlichen mit vier Sitzen immer noch in der Mehrheit sind. Fraglich bleibt deshalb auch, ob die Bürgerlichen Neukom, dem Fachmann für Sonnenenergie, bei der Departementsverteilung die Baudirektion überlassen wollen, wo auch die Umweltthemen angesiedelt sind. Als neu gewählter und jüngster Regierungsrat wird er zudem erst als Letzter seinen Wunsch anbringen können.

Vom schlechtesten zum zweitbesten Resultat

Bei der Bestätigung der bisherigen Regierungsräte gab es weniger Überraschungen. Mario Fehr (SP) schwang wie erwartet obenaus und erreichte mit Abstand das beste Wahlresultat. Auf dem zweiten Platz wechselten sich in den Hochrechnungen Ernst Stocker (SVP) und Jacqueline Fehr (SP) ab, bis sich die Justizdirektorin schliesslich durchsetzte. Sie hatte 2015 noch das schlechteste Resultat aller Gewählten erzielt. Hinter Ernst Stocker folgen Silvia Steiner und Carmen Walker Späh (FDP). Die Wahlbeteiligung lag bei 32 Prozent.

Mit den neu gewählten Neukom und Rickli wird der Regierungsrat nicht nur grüner, sondern auch jünger und weiblicher. Mit Natalie Rickli, Jacqueline Fehr, Carmen Walker Späh und Silvia Steiner sind die Frauen in der Mehrheit. Zum ersten Mal war dies 2003 bis 2007 der Fall, als Regine Aeppli (SP), Verena Diener (GP/GLP), Dorothée Fierz (FDP) und Rita Fuhrer (SVP) in der Zürcher Exekutive sassen. Jacqueline Fehr freut sich besonders, dass sie eine Frauenmehrheit miterleben darf, da sie sich während ihrer ganzen Karriere für die Gleichstellung eingesetzt habe.

Erstellt: 25.03.2019, 08:21 Uhr

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