Bülach

Im Suff etliche Fahrzeuge demoliert

Gestern verurteilte das Bezirksgericht Bülach einen Eglisauer zu einer bedingten Freiheitsstrafe. Der junge Mann hatte vor drei Jahren mit einem Komplizen Fahrzeuge im Rafzerfeld in Brand gesteckt und zerstört. Vor der Tat hatte er eine Flasche Wodka und Bier getrunken.

Der Verurteilte schüttete zusammen mit einem Freund Benzin auf einen Kleinwagen und einen Dumper in der Kiesgrube Hüntwangen und zündete die Fahrzeuge an.

Der Verurteilte schüttete zusammen mit einem Freund Benzin auf einen Kleinwagen und einen Dumper in der Kiesgrube Hüntwangen und zündete die Fahrzeuge an. Bild: Archiv/Kantonspolizei Zürich

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Ein Eglisauer musste sich gestern vor dem Bezirksgericht Bülach für eine ganze Reihe von Taten verantworten, die er in einer einzigen Nacht im November 2013 verübt hatte: Mit einem Freund hatte der Schweizer zwei Benzinkanister in Hüntwangen gestohlen. Den Inhalt eines Kanisters schütteten sie in der Kiesgrube der Holcim AG in einen Kleinwagen und setzten diesen mit einem Feuerzeug in Brand.

Das Benzin im zweiten Behälter gossen sie über einen Dumper, den sie ebenfalls anzündeten. Dabei entstand laut der Anklageschrift ein grosses Feuer mit zehn bis fünfzehn Metern hohen Flammen. Der Sachschaden belief sich auf 280 000 Franken.

Grosse Zerstörungswut

Der «Saubannerzug», wie Richter Andreas Fischer die Taten bezeichnete, war damit aber noch lange nicht zu Ende. Der Beschuldigte junge Mann, der zur Tatzeit 18 Jahre alt war, schloss ein Fahrzeug mit einem Schraubenzieher kurz, sodass er es 500 Meter weit fahren konnte. Einen Führerausweis der Kategorie B besass er aber nicht. Ausserdem nahm er die Fahrt in angetrunkenem Zustand vor.

Daraufhin entwendete er mit seinem Komplizen, der sich in einem separaten Verfahren nach Jugendstrafrecht verantworten muss, einen Geissfuss und einen Hammer aus der Werkzeugkiste des gestohlenen Fahrzeugs und schlugen dessen Scheiben ein.

Ihre Zerstörungswut war damit aber immer noch nicht beendet: Die beiden Männer demolierten mit dem entwendeten Werkzeug die Scheiben von 13 weiteren Fahrzeugen und verursachten dabei einen Sachschaden von 30 000 Franken. Den Geissfuss benutzten sie auch noch später, als sie versuchten, die Scheibe eines Selecta-Automaten am Bahnhof Hüntwangen einzuschlagen, um daraus Esswaren und Getränke zu entnehmen. Das Werkzeug diente auch dazu, ein Loch in die Motorhaube einer Limousine einzuschlagen. Ausserdem beschädigten sie weitere Baumaschinen.

Und damit ist die Liste der Taten immer noch nicht abgeschlossen: Unter anderem warf der Beschuldigte Schottersteine von der Eisenbahnbrücke, welche das Dach eines Einfamilienhauses in Eglisau sowie das Dach des Werkhofs beschädigten. Auch brach er mit drei weiteren Freunden in das ehemalige Fabrikgebäude der Mineralquelle Eglisau ein. Der Beschuldigte wurde unter anderem mittels DNA-Spuren überführt.

Ein halber Liter Wodka

Eigentlich habe er nur Autofahren wollen in der Kiesgrube von Hüntwangen, sagte der Beschuldigte in der Verhandlung. Jedoch habe eines zum anderen geführt. Heute frage er sich, wie das passieren konnte. Er führe die Tat auf jugendlichen Leichtsinn zurück.

Richter Andreas Fischer sprach den Alkoholkonsum vor der Tat an: Auf die Frage, wie viel er getrunken habe, antwortete der 21-Jährige, er habe in einem Zeitraum von vier bis fünf Stunden einen halben Liter Wodka sowie Bier konsumiert. «Hatte der Alkohol eine derartige Wirkung auf Sie, dass Sie sich nicht unter Kontrolle hatten?», wollte Fischer wissen. «Ja, das ist auch der Grund, weshalb ich heute nichts mehr trinke», antwortete der Angeklagte. Fischer fragte, ob er damals im Ausgang grössere Mengen Alkohol getrunken habe. Der Beschuldigte sagte, dies sei durchaus vorgekommen.

Der junge Mann sagte zudem auf Nachfrage des Richters, dass er in psychologischer Abklärung war. Aus dieser hätten sich aber keine psychischen Hintergründe für die Tat ableiten lassen. Mit der Holcim hat sich der Beschuldigte aussergerichtlich geeinigt und muss dem Unternehmen in monatlichen Raten von 1000 Franken insgesamt 125 000 Franken überweisen. Es werde noch einige Zeit dauern, bis er den Betrag zurückgezahlt haben werde.

«Ein einmaliger Ausrutscher»

Da sich die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung auf ein Strafmass geeinigt hatten, wurde ein abgekürztes Verfahren durchgeführt. Es wurden keine Plädoyers gehalten, ausserdem war die Staatsanwaltschaft von der Verhandlung dispensiert. Die drei Richter folgten dem vorgeschlagenen Strafmass und verurteilten den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten und einer Busse von 1000 Franken. Die Probezeit beträgt drei Jahre.

Das Bezirksgericht kam zum Schluss, dass der gemeinsame Antrag angemessen ist. Fischer sagte: «Die Zerstörungswut ist nicht nachvollziehbar, zu erklären ist sie nur mit dem Alkoholkonsum. Für uns ist es klar, dass die Tat ein einmaliger Ausrutscher war, wir können Ihnen eine gute Prognose stellen.»

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 21.12.2016, 17:34 Uhr

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