Zoo

Im Zoo Zürich gibt es keine Krokodile mehr

Ende Dezember mussten Tierpfleger das einzige Krokodil des Zoos Zürich erschiessen. Ob das Tier ersetzt wird, ist noch offen.

Das Philippinen-Krokodil gehört zu den am meisten vom Aussterben bedrohten Krokodilen der Welt. Der Bestand wird auf 92 bis 137 Tiere geschätzt.

Das Philippinen-Krokodil gehört zu den am meisten vom Aussterben bedrohten Krokodilen der Welt. Der Bestand wird auf 92 bis 137 Tiere geschätzt. Bild: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister

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Am Montag vor Weihnachten erschossen Tierpfleger im Zoo Zürich ein Philippinen-Krokodil. Das Tier hatte sich in die Hand einer Pflegerin verbissen. Man wolle sich nun entscheiden, ob man sich nach einem neuen Männchen umschaue, sagte Zoo-Direktor Alex Rübel damals. Es lebe noch ein Weibchen derselben Art im Zoo. Bloss: Das stimmt nicht. Dieses fand 2018 in Dänemark einen neuen Platz.

«Es stimmt, das Weibchen ist nicht mehr bei uns», sagt Mediensprecherin Rita Schlegel. «Alex Rübel hatte zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht die aktuellsten Bestandsdaten zur Hand.» Damit steht der Zoo momentan ganz ohne Krokodile da – was auch so bleiben könnte.

«Welche Tierart in die Anlage kommen wird, können wir noch nicht sagen», so Schlegel. Die zuständige Kuratorin evaluiere momentan die Varianten.  «Das Tier muss einerseits in den Lebensraum der bestehenden Anlage und andererseits ins Konzept des Exotariums passen, in dem sie liegt.» Das Exotarium beheimatet Reptilien, Vögel und Säugetiere aus dem Regenwald sowie Amphibien, Fische und Pinguine. Zudem müsse das neue Tier aus einem Erhaltungszuchtprogramm stammen.

Zum Vorfall Ende Dezember gebe es noch keine neuen Informationen, sagt Schlegel. Der Hergang wird von der Zürcher Stadtpolizei abgeklärt. Die verletzte Pflegerin konnte das Spital mittlerweile verlassen, ihr gehe es den Umständen entsprechend gut.

«Viel Zähne und viel Kraft»

Philippinen-Krokodile gehören zu den aggressivsten Vertretern ihrer Gattung. «Krokodile sind generell Tiere mit vielen Zähnen und viel Kraft», sagt Fabian Schmidt. Er ist Vize-Vorsitzender des europäischen Zweigs der Crocodile Specialist Group und Kurator im Zoo Basel. «Aber die Philippinen-Krokodile sind, zusammen mit den Kuba-Krokodilen, noch ein bisschen gefährlicher, weil ihre Toleranzschwelle tiefer ist als bei anderen Arten.»

Haben sie die Wahl, zögen sie in der Wildnis die Flucht dem Angriff zwar noch immer vor. Weil der Kontakt in Zoos zwischen Mensch und Tier aber näher ist, müsse man dort besonders vorsichtig sein. Auch, weil sie sich im Vergleich zu anderen Krokodilen gut an Land fortbewegen und besser klettern können als man gemeinhin erwarte.

Schmidt, der die sieben europäischen Zuchtprogramme für gefährdete Krokodilarten – darunter das vom Aussterben bedrohte Philippinen-Krokodil – überwacht, wusste um die Schwierigkeit des Zürcher Paars. Das Männchen habe sich nicht mit dem Weibchen vertragen, auch nicht zur Paarungszeit. Das komme bei dieser Gattung wegen der hohen Aggressivität hin und wieder vor, so Schmidt. Deswegen wurde das Weibchen nach Dänemark gebracht.

Erstellt: 09.01.2020, 18:30 Uhr

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