Jagd

Kanton nimmt Mitarbeiter in Schutz

Urs Philipp ist Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung, selber Jäger und an einem Jagdgeschäft beteiligt. Das sei alles völlig in Ordnung, sagt die Baudirektion und weist Vorwürfe von Jagdgegnern entschieden zurück.

Soll ein Jagdaufseher auch privat jagen und Jagderzeugnisse vertreiben? Aufnahme eines erlegten Hirsches.

Soll ein Jagdaufseher auch privat jagen und Jagderzeugnisse vertreiben? Aufnahme eines erlegten Hirsches. Bild: Keystone

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Bereits Monate bevor am 23. September über die Initiative «Wildhüter statt Jäger» an der Urne entschieden wird, fielen im Kanton die Hochsitze. In zahlreichen Fällen wurden vor allem in den Bezirken Winterthur und Andelfingen Jäger-Hochsitze demoliert – mutmasslich durch militante Tierschützer.

Nun ist die Abstimmung, welche die Abschaffung der privaten Jagd fordert und der eigentlich kaum Chancen attestiert werden, erneut Thema. Aktuell ist dafür ein Verein aus Dättlikon nahe Winterthur verantwortlich. «Pro Töss-Auen» hat kürzlich mit einer Serie von Strafanzeigen und Aufsichtsbeschwerden Schlagzeilen gemacht.

Der Verein fordert seit Jahren die Stilllegung der Jagdschiessanlage Embrach, immer wieder gerät der zuständige Regierungsrat Markus Kägi (SVP), selber ein passionierter Jäger, in den Fokus der Jagdgegner.

Nun macht der Verein aber auch gegen einen langjährigen Abteilungsleiter von Kägis Baudirektion Stimmung, der sich schon mehrmals – stets von Amtes wegen – zur Jagdinitiative geäussert hatte.

Vorwürfe im Internet

Urs Philipp, Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung, soll Privates und Berufliches vermischen. So lautet zusammengefasst der Vorwurf, den «Pro Töss-Auen» in einer Medienmitteilung formuliert hat und der auch bereits im Internet zirkuliert. Philipp und die Baudirektion weisen die Anschuldigung auf Anfrage entschieden zurück.

Konkret bestünden zwischen Philipps privaten Tätigkeiten und seiner Anstellung bei der Jagdverwaltung «Interessenskonflikte», findet der Verein.

Auch ein Ex-Stadtrat ist dabei

Fakt ist: Philipp ist nicht nur der Chef der Jagdaufsicht sondern auch privat Jäger. Im Revier Rickenbach ist er seit 18 Jahren Mitglied und aktuell Jagdleiter. Zudem ist er Verwaltungsrat und Vizepräsident der Firma «Cervo Volante», was im Italienischen so viel wie «fliegender Hirsch» oder auch Hirschkäfer bedeutet.

Die Firma, bei der auch der Zürcher Ex-Stadtrat Andres Türler als Investor an Bord ist, verarbeitet Hirschhäute aus Bündner und Walliser Jagd zu edler Kleidung und Schuhen. Im Ladenlokal in der Stadt Zürich preist sie ihr nachhaltiges Konzept an – das Hirschleder würde sonst weggeworfen. Laut der Geschäftsführung plant man, auch Zürcher Leder ins Sortiment aufzunehmen.

Sieht denn die Baudirektion in dieser nebenberuflichen Tätigkeit im Jagdbereich gar kein Problem? Tatsächlich brauche es dafür vom Arbeitgeber eine Bewilligung, und die liege vor, heisst es bei der Baudirektion. Zudem bestünden bei Cervo Volante «keine Berührungspunkte zur Zürcher Jagd, ein Interessenskonflikt ist somit nicht ersichtlich». Das Engagement sei nicht entlöhnt. Und zur privaten Jagd sagt der Kanton: «Dass Philipp aktiver Jäger ist, ist für seine Funktion ein grosser Vorteil.»

Der Verein Pro Töss-Auen bleibt trotzdem dabei: «Es ist unethisch, wenn offizielle Jagdaufseher privat und nebenberuflich ausschliesslich im Interesse der Jagd handeln», sagt Vereinsmitglied Martin Klingler. «Eine solche Stelle müsste unabhängig besetzt werden.»

Urs Philipp will sich seinerseits nicht weiter gegen die Vorwürfe wehren. Es gehöre «bis zu einem gewissen Grad zum Beruf, öffentlich kritisiert zu werden», schreibt die Baudirektion.

(Der Landbote)

Erstellt: 05.09.2018, 18:21 Uhr

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