Lägern

Kantonsexperten widersprechen dem Nagra-Bericht zum Atomlager

Die Nagra hatte vorgeschlagen, das Unterland als Standort für ein Atommülllager zurückzustellen. Der Ausschuss der Kantone kritisiert diesen Entscheid aber.

Das Standortgebiet Nördlich Lägern mit den vorgeschlagenen Standorten für eine Oberflächenanlage in Weiach und Stadel scheint noch nicht abgehakt zu sein.

Das Standortgebiet Nördlich Lägern mit den vorgeschlagenen Standorten für eine Oberflächenanlage in Weiach und Stadel scheint noch nicht abgehakt zu sein. Bild: Karte ZU

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Zwischenzeitlich sah es so aus, als könnten sich die Unterländer zurücklehnen in der Diskussion um einen Standort für ein Atommülllager. So hatte die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) vor einem Jahr dem Bund das Weinland und den Bözberg zur weiteren Berücksichtigung empfohlen. Die Gebiete Nördlich Lägern, Wellenberg (NW/OW) sowie Südranden (SH) wurden zurückgestellt.

Jedoch musste das Unterland einen ersten Dämpfer in Kauf nehmen: Im Herbst vergangenen Jahres verlangte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) von der Nagra weitere Unterlagen, weil es ihre Begründung nicht nachvollziehen konnte.

Gestern wurde nun bekannt, dass auch die Experten des Ausschusses der Kantone (AdK) Zweifel an der Argumentation der Nagra hegen. Nach der Prüfung des Nagra-Berichtes zu den Standorten kommen sie zum Ergebnis, dass «die Gründe für die Zurückstellung einer kritischen Überprüfung nicht standzuhalten vermögen». Deshalb solle Nördlich Lägern weiter untersucht werden. Mit der Zurückstellung der anderen drei Gebiete hingegen sind die Experten einverstanden.

«Standort ist nicht super, aber gut genug»

Eigentlich wollte der AdK zunächst den Bericht des Ensi abwarten, bevor er seinen eigenen Bericht zur Nagra-Analyse herausgab. Da die Nagra aber Unterlagen nachliefern muss, verzögert sich der Ensi-Bericht. «Wir wollten unseren Bericht nicht schubladisieren und darauf warten, bis er durch ein Leck an die Öffentlichkeit gelangt», erklärt Thomas Flüeler, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Sicherheit des AdK und zugleich Bereichsleiter Kerntechnik beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel).

Die Experten des AdK haben die Bereiche Seismik/Tektonik, Geomechanik und Erosion geprüft. Laut Flüeler sagen die Ergebnisse aller vier Bereiche aus, dass die Nagra Nördlich Lägern zu früh zurückgestellt hat. So war zum Beispiel die Tiefe für die Nagra ein wichtiges Argument für den Entscheid: «Die Nagra sagt, je weiter hinunter man geht, desto grösser wird der Gebirgsdruck, und somit wird das Wirtsgestein geschwächt. Unsere Experten aber sagen, das Gestein wird schon geschwächt, jedoch nicht so stark, wie die Nagra meint.»

Auch bemängeln die Experten des AdK unter anderem die Argumentation der Nagra bezüglich der Störungszonen, welche zur Zurückstellung führte: So hält die AdK im Bericht fest, dass die «interpretierten Störungszonen [...] nicht zwingend existieren oder gar im Widerspruch zu den Seismikdaten sind.» Die Nagra habe nicht schlüssig nachgewiesen, dass es im nordöstlichen Teil von Nördlich Lägern zu wenig Platz habe, um ein Lager für hochradioaktive Abfälle zu bauen.

Zudem finden die AdK-Experten, dass die Nagra das Weinland bezüglich der Erosion zu optimistisch bewertet. Sowohl das Weinland als auch der Bözberg liessen «wesentlich grössere Nachteile gegenüber Nördlich Lägern erkennen». Letzteres Gebiet werfe praktisch keine Probleme bezüglich der Erosionsprozesse auf. «Wir sagen nicht, dass Nördlich Lägern ein super Standort ist», stellt Flüeler klar. Jedoch sei er gut genug, dass man ihn nicht zurückstellen müsse. «Wir wollen nicht der Nagra ans Schienbein treten», sagt Flüeler. Es gehe darum, den sichersten Standort zu finden.

Regionalkonferenz nimmt Arbeit wieder auf

Für die Regionalkonferenz Nördlich Lägern geht die Arbeit nun also doch weiter. Vor einem Jahr noch gingen deren Mitglieder davon aus, dass die Aktivitäten sukzessive heruntergefahren werden können. Die nächste Etappe werde immer wahrscheinlicher, heisst es in einer gestern gesandten Mitteilung. Um keine Zeit zu verlieren und Einfluss nehmen zu können, arbeite man nun so weiter, als sei die Region für die dritte Etappe vorgesehen. An der nächsten Vollversammlung vom 25. Mai werden die Mitglieder mehr erfahren. (anb/sda)

Erstellt: 08.02.2016, 11:46 Uhr

Wer zum AdK gehört

Dem Ausschuss der Kantone gehören Regierungsräte aus Zürich (Markus Kägi, Vorsitz), Aargau, Basel-Land, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Solothurn sowie Thurgau an. Die Kantonale Expertengruppe Sicherheit (KES) beurteilt Dokumente zuhanden des AdK. Die Arbeitsgruppe Sicherheit, die sich aus Experten der betroffenen Kantone zusammensetzt, betreut die KES. Berichte und weitere Infos sind unter www.radioaktiveabfaelle.zh.ch zu finden. (ilö)

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