Regensdorf

Kantonsräte diskutierten in Regensdorf über den Verkehr in der Stadt Zürich

Am 9. Februar entscheidet die kantonale Stimmbevölkerung über die Zukunft der Rosengartenstrasse. Ein Podium im Hotel Thessoni zeigte auf, wie uneins sich die Politik darin ist.

Ein Banner mit der Aufschrift

Ein Banner mit der Aufschrift "Rosengarten-Unsinn Nein" in Zürich Wipkingen. Bild: Keystone

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Dem Zürcher Fussgänger, der Autopendlerin, der Wipkingerin und dem Busnutzer: Die Rosengartenstrasse ist allen ein Begriff, die wenigsten finden sie angenehm. Jeden Tag brausen 560'000 Autos zum Bucheggplatz oder zur Hardbrücke, oft staut es und riecht nach Abgasen. Das Projekt Rosengartentram und Rosengartentunnel will Abhilfe schaffen: ein 2,3 Kilometer langer Strassentunnel sowie eine 3,1 Kilometer lange, oberirdische Strecke für eine neue Tramlinie. Am 9. Februar befindet die stimmberechtigte Kantonsbevölkerung darüber. 1,1 Milliarden Franken würde es kosten – und es hat Gegner von links und rechts.

Über das Projekt und dessen Konsequenzen klärte ein Podium am Dienstagabend im Regensdorfer Hotel Thessoni, organisiert war es von der FDP und der SP des Bezirks Dielsdorf. Vor der Diskussion stellte sich Markus Traber, Chef Amt für Verkehr des Kantons Zürich, als «Überbringer nüchterner Fakten» vor das Publikum. «Seit 1972 ist die Rosengartenstrasse ein Provisorium», begann er. Ursprünglich für den Durchgangsverkehr bestimmt, machen heute jedoch der Ziel- und Quellverkehr sowie der Binnenverkehr rund 94 Prozent des Aufkommens aus.

«Mit dem Tunnel schaffen wir Platz für ein Tram und
steigern die
Lebensqualität.»
Sonja Rueff, Kantonsrätin FDP

«Die Stadt und der Kanton verfolgen dieselben Ziele: flüssiger Verkehr, Staureduktion, leistungsfähige Verbindungen zwischen den Wirtschaftszentren, eine höhere Kapazität für den öffentlichen Verkehr und, nicht zuletzt, eine höhere Lebensqualität entlang der Achse», so Traber. Das Projekt Rosengarten gleiche einem «Befreiungsschlag» – wenn auch einem teuren. «Es steht seit über zehn Jahren in Vorbereitung. Lehnt das Stimmvolk es ab, haben wir keinen Plan B.»

Der Verkehr der Zukunft

Im Anschluss diskutierten die Kantonsrätinnen Sonja Rueff (FDP, Zürich) und Beatrix Stüssi (SP, Niederhasli) sowie die Kantonsräte Christian Müller (FDP, Steinmaur) und Felix Hoesch (SP, Zürich). Christoph Iten, Vizepräsident der FDP Bezirk Dielsdorf, moderierte den Abend. «Mit einem Provisorium kann man auf zwei Arten umgehen», so Hoesch, «man kann es in Beton giessen, oder man sagt, es muss ersatzlos weg.» – «Man müsste am Rosengarten vielmehr so ansetzen, dass weniger Autoverkehr in die Stadt fliesst. Dafür ist das Projekt der falsche Weg», doppelte Stüssi nach.

Für Rueff hingegen stand fest, dass der Verkehr nicht «weggezaubert» werden kann. «Ausserdem wird das Quartier seit 50 Jahren getrennt. Durch den Tunnel schaffen wir Platz für ein Tram und steigern die Lebensqualität.» Der Verkehr sei einfach da, deshalb dürfe man nicht blauäugig sein, sondern ihn in die Zukunft des Quartiers miteinkalkulieren, unterstützte Müller die Parteikollegin.

Eine der grossen Fragen, in denen sich die Podiumsteilnehmenden uneins waren, war die nach der Zukunft des Autoverkehrs. Die FDP-Vertretung stellte sich auf den Standpunkt, dass der Strassenverkehr so schnell nicht abnehmen werde und Autofahren auch bei jüngeren Generationen beliebt ist. Für die SP dagegen stand fest, dass ein Umdenken bereits angefangen hat. «Wir sind dabei, unser System stark zu verändern, das zeigt sich beispielsweise am Carsharing», sagte Hoesch. Wenn man den öffentlichen Verkehr entsprechend ausbaue, nehme der Autoverkehr dramatisch ab. Müller wiederum machte sich stark dafür, dass der motorisierte Individualverkehr den grössten Teil des Verkehrsaufkommens ausmache und deshalb seinen Platz haben soll.

«Gentrifizierung passiert»

Zum Schluss des Podiums kam Moderator Iten auf ein letztes Argument der Rosengarten-Gegnerschaft zu sprechen: Auf eine Erhöhung der Lebensqualität im Quartier folge unweigerlich eine Erhöhung der Mietpreise – und eine Verdrängung alteingesessener Wipkinger. Doch hier äusserten sich selbst die SP-Politiker im Raum vorsichtig. «Wenn, dann müsste man verpflichtend sagen, dass genossenschaftlich gebaut wird», hielt Stüssi fest. Hoesch hingegen sagte, er könne mit dem Argument generell nicht leben. «Gentrifizierung passiert eben, Aufwertung passiert. Wir leben in einer sich verändernden Welt – und hoffentlich verbessern wir sie.»

Erstellt: 22.01.2020, 11:52 Uhr

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