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Kaufhaus schliesst und wird kritisiert

Nach dem Aus für das Warenhaus Manor an der Bahnhofstrasse gibt es Kritik von Gewerkschaft und Vermieterin. Die Entlassungen hätten verhindert werden können, sagen sie.

Mitten in Zürich findet man nicht mehr viele Geschäfte mit einem derart breiten und erschwinglichen Angebot wie im Manor. 20000 Kundinnen und Kunden gehen täglich ein und aus. Gestern gab die Kette zunächst den Mitarbeitenden und kurz darauf den Medien bekannt, dass es die Türen an der Bahnhofstrasse 75-79 per Ende Januar für immer schliessen wird – nach 35 Jahren.

«Das schmerzt»

«Das ist ein Stich mitten ins Herz der Zürcher Innenstadt», sagt Esther Girsberger, Geschäftsführerin der IG Manor Bahnhofstrasse, die sich für den Verbleib des Kaufhauses eingesetzt hatte. «Das schmerzt viele Zürcherinnen und Zürcher und macht die Bahnhofstrasse in vielerlei Hinsicht ärmer – an Tradition, Geschäfts-Durchmischung und auch an Anziehungskraft.»

Manor-CEO Jérôme Gilg spricht von einem schwarzen Tag für die mit 61 Filialen grösste Warenhausgruppe der Schweiz. «Wir haben bis zuletzt hart gekämpft», sagt er. Doch die Vermieterin Swiss Life habe weder das Mietzins-Angebot noch die im August platzierte Kauf-Offerte annehmen wollen.

Miete dreimal so hoch

Der Mietvertrag mit Manor lief bereits 2014 aus. Die Warenhausgruppe hätte verlängern können, doch zu einem etwa dreimal so hohen Mietzins. Swiss Life hatte rund 19 Millionen Franken für die 11000 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Jahr verlangt. Manor wehrte sich mit juristischen Mitteln.

Fünf Verfahren sind noch hängig. Deren Ausgang will Manor nicht mehr abwarten. Dies, weil der Mietvertrag nach Obligationenrecht nur um maximal sechs Jahre verlängert werden darf und somit am 31. Januar 2020 endet. «Ein Verbleib über dieses Datum hinaus wäre mit zu grossen juristischen und finanziellen Unsicherheiten behaftet», sagt Gilg.

«Es ist offensichtlich, dass Swiss Life uns gar nicht mehr sehen will an der Bahnhofstrasse.»

Jérôme Gilg, CEO Manor

Bis zuletzt habe Manor gehofft, das Haus aus der Belle Époque übernehmen zu können. 535 Millionen Franken habe man geboten – «eine faire Offerte», sagt Gilg. 100 Millionen hätte die Firma in die Renovation investiert. Doch im September kam die Absage. «Swiss Life hat alle unsere Angebote abgelehnt», sagt Gilg. «Es ist offensichtlich, dass sie uns gar nicht mehr an der Bahnhofstrasse sehen will.»

290 Manor-Angestellte und 190 Mitarbeitende von eingemieteten Firmen sind betroffen. Um möglichst vielen eine Weiterbeschäftigung zu sichern, gilt in den 16 umliegenden Warenhäusern von Manor ein Einstellungsstopp. Zudem sind ein Sozialplan, Abfindungszahlungen und frühzeitige Pensionierungen vorgesehen.

Die Gewerkschaft Unia schreibt, die Entlassungen hätten verhindert werden können. Manor hätte die Situation besser einschätzen müssen und habe genug Zeit gehabt, Alternativen für das Personal zu finden.

«Nicht unsere Aufgabe»

Gleicher Meinung ist die Vermieterin Swiss Life: «Die Leidtragenden dieser fehlenden unternehmerischen Voraussicht sind die Mitarbeitenden von Manor», schreibt Swiss Life in einer Stellungnahme. Und ihr Sprecher Florian Zingg sagt auf Anfrage: «Es ist sicher nicht so, dass wir Manor loswerden wollten.»

«Es ist nicht die Aufgabe von Swiss Life, einen Konzern mit Geld unserer Versicherer zu subventionieren, indem wir auf eine marktübliche Miete verzichten.»

Florian Zingg, Sprecher Swiss Life

Manor habe man 2014 für weitere fünf Jahre einen Mietvertrag zu marktgerechtem Zins angeboten, sagt Zingg. «Es ist nicht die Aufgabe von Swiss Life, einen Konzern mit Geld unserer Versicherer zu subventionieren, indem wir auf eine marktübliche Miete verzichten.» Es sei vielmehr ihre Pflicht, für die Gelder der Kunden einen marktgerechten Ertrag zu erwirtschaften.

Deshalb habe man auch die Kauf-Option von Manor ausgeschlagen. Ein Verkauf dieser wichtigen und hervorragend gelegenen Immobilie würde der Geschäftsstrategie zuwiderlaufen, sagt Zingg. Zudem seien die Offerten von Manor viel zu tief angesetzt und daher unrealistisch gewesen. Bei welchem Preis Swiss Life eingeschlagen hätte, sagt Zingg nicht.

«Es wird attraktiver»

Esther Girsberger von der IG Manor Bahnhofstrasse sagt: «Ich bedaure, dass ein weiteres alteingesessenes Geschäft aus dem Zentrum verdrängt und die Bahnhofstrasse immer mehr zur Büro- und Luxusmeile wird.»

Ihr hält Florian Zingg von Swiss Life entgegen, dass nicht nur Luxusboutiquen einziehen würden. «Das wäre nicht im Interesse von Swiss Life. Wir haben weitere Immobilien an der Bahnhofstrasse und wünschen uns ebenfalls eine gute Durchmischung mit attraktiven Angeboten für alle.»

Wie diese aussehen werden, sagt Zingg nicht. Es sollen rund zehn Geschäfte sein, die im Erdgeschoss sowie im ersten Unter- und Obergeschoss eröffnen werden. «Mit mehreren statt nur einem Mieter wird die Liegenschaft attraktiver und dynamischer», sagt Zingg. In den oberen Stockwerken sind Büroflächen vorgesehen. Eine Baubewilligung liege vor. Die Sanierung dauert zwei Jahre.

Manor sucht neuen Standort

Manor will das Kaufhaus bis Ende Januar normal betreiben. Das Weihnachtsgeschäft soll nicht darunter leiden. In den Tagen vor der Schliessung sei sicher mit Rabatten zu rechnen. Gleichzeitig suche man weiter nach einem neuen Standort im Zentrum von Zürich. Das sei nicht einfach, sagt Manor-CEO Gilg. «Die Lage muss sehr gut frequentiert und die Verkaufsfläche mindestens 5000 Quadratmeter gross sein.»

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