Zürich

Zürich für den Film

Die Stadt Zürich will ihr Engagement für den Film erhöhen. Und auch sonst soll der Kultur mehr Geld zukommen – für die Infrastruktur und die freie Szene.

Zürich goes Hollywood. Der Film ist eine grosse Sache, deshalb setzt die Stadt Zürich in ihrem Kulturleitbild hier auch einen Hauptakzent. Low Budget darfs aber auch sein.

Zürich goes Hollywood. Der Film ist eine grosse Sache, deshalb setzt die Stadt Zürich in ihrem Kulturleitbild hier auch einen Hauptakzent. Low Budget darfs aber auch sein. Bild: Melanie Duchene

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Schöne an Kulturleitbildern ist, dass man immer wieder etwas lernt – zumindest neue Wörter. Wörter wie Diversität, Multioptionsgesellschaft, Polarisierung oder Digitalisierung gehen einem ja schon recht ring über die Lippen. Was um Himmels willen ist aber «Glokalisierung»?

Lokalem vereint mit Globalem

Glokalisierung sei der neue gesellschaftliche Megatrend für die Zukunft, ein Phänomen, das das Lokale mit dem Globalen vereint, sagte der städtische Kulturchef Peter Haerle gestern bei der Präsentation des Kulturleitbildes 2016–2019. So viel muss an dieser Stelle schon genügen. Denn schliesslich hat die Stadt Zürich ganz eigene Herausforderungen in Sachen Kulturpolitik.

Die lokalen Problemzonen sind: Es gibt ein sehr grosses Angebot – «noch nie hat es so viel Produzierende gegeben», sagt Haerle, es droht eine Überhitzung des Betriebs. Dagegen gibt es aber immer weniger Freiräume für die Kultur in der Stadt – der Platz ist für Experimente in Zürich viel zu teuer. Dazu bildet sich in den nächsten Jahren an den Rändern der Stadt immer mehr eine Gesellschaft heraus, die mit der Tonhalle (Achtung: Bildungsbürger) oder der Roten Fabrik (Alternative, dito) nichts mehr am Hut haben will. Und schliesslich fehlt es, ganz banal, überall an Geld.

Mehr Transparenz

Was tun? «Wir können nicht alle vier Jahre die Zürcher Kultur neu erfinden», sagt Stadtpräsidentin Corine Mauch. Ein Kulturleitbild sei aber ein geeignetes Instrument, gangbare Wege für die Zukunft aufzuzeigen: von den grossen Häusern im Zentrum bis an die Peripherie.

Vieles bleibt gleich. Die grossen Player: Schauspielhaus Zürich, Tonhalle, Zürcher Kunsthaus sollen auf ihrem Niveau bleiben, das schuldet die Stadt auch ihrer internationalen Reputation.

Vorgeschlagen werden aber im Leitbild ein paar neue Massnahmen. Zum einen soll der städtische Beitrag an die Zürcher Filmstiftung markant erhöht werden, das heisst: von drei auf viereinhalb Millionen Franken. Damit soll das Zürcher Filmschaffen gestärkt und Zürich als Filmproduktionsort etabliert werden. Man könnte sagen: Zürich goes Hollywood – aber auch für den Nachwuchs wird etwas getan. Ein Teil kommt dem experimentellen Low-Budget-Film zu – das ist Glokalisierung à la Zürich.

Einladung für alle

«Das Kulturleben hat mit uns allen zu tun», sagt Peter Haerle, und damit sind wir bei einem anderen Lieblingswort von Kulturleitbildern, es heisst: Teilhabe. Konkret: Zu diesem Segment, das eine Einladung für alle bedeutet, gehört das Junge Literaturlabor (JULL), das bald seinen Betrieb aufnimmt, dann das Tanzfest «Zürich tanzt» und auch die Kunstbiennale Manifesta, die 2016 in Zürich stattfindet. Neu soll auch das Theater Hora, ein «Theater von und mit Menschen mit einer geistigen Behinderung», eine jährlich wiederkehrende Subvention bekommen.

Geplant ist auch eine Erhöhung der freien Förderkredite in den Bereichen Theater und Jazz/Rock/Pop wie auch eine wiederkehrende Subvention des Cabarets Voltaire. Natürlich gehört zur Kultur immer auch die Erneuerung der Infrastruktur. Unterstützt werden hier Tonhalle, der Jazzclub Moods und das Theater Rigiblick. Es zeichnet sich auch ein neues Museum ab. Ins Bellerive soll ab 2017 das Zentrum für Architektur und Städtebau kommen.

Kultur ist ein Gewinn für die Gesellschaft, sagt Corine Mauch. Die Zürcher Kultur kostet aber mit diesen Plänen, über die der Gemeinderat zu befinden hat, auch immer mehr Geld. Das Leitbild sieht vor, die Mittel für die Kulturförderung bis 2019 um rund zehn Prozent zu erhöhen, das heisst in Zahlen: von 102 Millionen auf 108 Millionen. Aber dafür bekommt man auch eine ganze Menge.

Erstellt: 09.07.2015, 11:51 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Paid Post

Hypo60+ ist die geniale Lösung

Damit geniessen Rentnerinnen und Rentner ihren dritten Lebensabschnitt ganz ohne finanzielle Sorgen.