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Immer noch wütend

Green Day spielten am Montag in Zürich eine fulminante Show. Und trotz aller Professionalität und ihres Rockstar-Status zeigten sich die amerikanischen Punker immer noch angriffslustig und gesellschaftskritisch.

«No war, no Trump, no fascism» skandiert Billie Joe Armstrong: Green Day treffen nach wie vor den Nerv mit ihrer gebrüllten Gesellschaftskritik.
«No war, no Trump, no fascism» skandiert Billie Joe Armstrong: Green Day treffen nach wie vor den Nerv mit ihrer gebrüllten Gesellschaftskritik.
Marc Dahinden

Das Publikum zur Welle animiert, lautstarker Rundgesang mit den Fans, gleissende Pyrotechnik und einen Fan zum Duett auf die Bühne geholt – und das alles noch bevor der erste Song zu Ende war. Was bei anderen Bands der fulminante Abschluss eines Stadionkonzertes ist, war bei Green Day gerade mal knapp das Aufwärmen. Die amerikanischen Punker zogen an ihrem Konzert im Hallenstadion alle Register des Fan-Entertainments und boten eine Show, die an Tempo und Intensität kaum zu überbieten ist.Im Zuge ihrer «Revolution Radio»-Tour machte die amerikanische Punkrock-Band Green Day am Montagabend im Hallenstadion Zürich Halt. Das Konzert war bereits im Vorfeld beinahe ausverkauft, Stehplätze gab es keine mehr und auch auf den Sitzplätzen waren nur noch vereinzelt freie Plätze zu sehen. Die Band, die seit dreissig Jahren Musik macht, zieht immer noch ein grosses Publikum an – und vor allem ein diverses: So waren am Montagabend viele ins Hallenstadion gepilgert, um die Helden ihrer Jugend noch einmal zu sehen, während ebenso viele andere wohl gerade eines ihrer ersten grossen Stadionkonzerte erlebten.

Zürich, lebst du noch?

Auf ihre Kosten kamen beide. Green Day legten vom ersten Ton an ein atemberaubendes Tempo vor und hielten dieses bis am Schluss durch. Sie starteten die Show mit «Know your Enemy» und dann einigen Stücken von ihrem neuen Album «Revolution Radio» und steigerten sowohl Showintensität wie auch Lautstärke von Stück zu Stück. Weiter ging es mit «Boulevard of Broken Dreams», bei welchem Sänger Billie Joe Armstrong das Publikum die erste Strophe singen liess. Das Ergebnis war allerdings mässig: «Zurich, are you still alive? – Zürich, lebst du noch?», fragte der Sänger danach belustigt und durchaus berechtigt.

Von da an ging es Schlag auf Schlag: Quer durch ihr Werk spielte sich das auf der Bühne durch drei Gastmusiker verstärkte Trio, und dank des inzwischen beachtlichen Songkataloges gaben sie fast ausschliesslich Hitsingles zum Besten. «When I come around», erklang und «Basket Case» und jedes Mal steigerte sich die Ausgelassenheit im Publikum nochmals.

Green Day hatte ihr Publikum in der Hand und revanchierte sich während der zweieinhalbstündigen Show gleichzeitig immer wieder bei ihm.

Der amerikanische Idiot

Zum Beispiel als gegen Ende des Konzerts zum dritten Mal ein Fan auf die Bühne geholt wurde, und diesem kurzerhand eine Gitarre umgehängt wurde. Der junge Herr spielte den Song souverän weiter, wagte gar in bester Rockstar-Manier einen Sprung vom Schlagzeugpodest und durfte am Schluss die Gitarre sogar behalten. Der Applaus war, wenig überraschend, ohrbetäubend.

Man mag Green Day bisweilen den vielbeschworenen Ausverkauf und die Anbiederung an den Mainstream nachsagen: Was die drei Kalifornier aber in Zürich auf der Bühne abzogen, war zwar höchst professionell und souverän, aber dennoch noch kernig und aufmüpfig, wie in den 90er-Jahren, als Armstrong noch weniger Schminke und mehr bunte Kleider trug, und die Band mit ihrem Album «Dookie» 1994 den internationalen Durchbruch schaffte und zusammen mit Bands wie Bad Religion, The Offspring und Rancid ein Punk-Revival einläutete.

Green Day sind mit dem Alter eher noch politischer geworden sind. Die Rockoper «American Idiot» nahm 2004 einen direkten, kritischen Bezug Präsidentschaft von George W. Bush. Wenig konnten die Punker vorausahnen, dass ihr Album nur zwölf Jahre später zu erneuter Aktualität kommen würde. So wurden am Montag ebendiese Songs im Hinblick auf die kommende Präsidentschaft von Donald Trump mit besonderer Dringlichkeit gespielt.

«No war, no Trump, no fascism», skandierte Armstrong lautstark beim Song «Holiday». Und die Musik und seine Stimme überschlugen sich gerade zu ob des Tempos und der Lautstärke und der ungebündelten Wut mit der bei der Zugabe schliesslich – endlich - «American Idiot» ins Publikum geschleudert wurde.

Wunderbar eingängig

Green Day machen zwar bereits seit dreissig Jahren Musik und dies sehr erfolgreich noch dazu – im Hallenstadion zeigten sie, dass ihre jugendliche Rage und ihre gebrüllte Gesellschaftskritik, verpackt in bisweilen poppige Melodien und damit wunderbar eingängig, nach wie vor einen Nerv treffen.

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