Kabarett

«In Wirklichkeit bin ich eigentlich ganz nett»

Es braucht ein Plädoyer zum Mut: Mit Witz, Liedern und bösen Worten ruft Sarah Hakenberg dazu auf, nicht mehr zu kneifen. Bitterböse und höchst intelligent.

Die Kabarettistin Sarah Hakenberg plädiert für das lustvolle Wagnis – mit unwiderstehlichem Charme, lieblicher Musik und bissigbösen Worten.

Die Kabarettistin Sarah Hakenberg plädiert für das lustvolle Wagnis – mit unwiderstehlichem Charme, lieblicher Musik und bissigbösen Worten. Bild: Sandra Behrbohm

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Sind Sie eine mutige Frau?
Sarah Hakenberg: Es kommt darauf an.

Worauf denn?
Wenn es darum geht, meine Meinung kund zu tun, bin ich sehr mutig. Wenn ich jedoch eine Spinne im Wohnzimmer entdecke, wird die Spinne plötzlich in meinem Kopf sehr gross - und ich werde sehr klein.

Nun sind Sie dem jugendlichen Übermut entflohen und inzwischen eine gestandene Frau und Mutter geworden. Hat das Ihren Mut oder Ihre Ängste beeinflusst?
Tatsächlich hat sich kaum etwas verändert. Ich habe beispielsweise schon immer über Helikopter-Mütter geschimpft, die ihre Kinder nicht eine Sekunde lang aus den Augen halten können. Vermutlich habe ich bewusst so lange geschimpft; damit ich selbst nie so werde. Erstaunlicherweise hat diese Methode funktioniert.

Doch nun zu Ihrer Arbeit: Es braucht sicherlich etwas Mut, auf einer Bühne Geistvolles von sich zu geben, das für den einen oder anderen als schwer Verdauliches taxiert wird. Hatten Sie auch schon ein mulmiges Gefühl dabei?
Die meisten Menschen fürchten sich davor, vor Andersdenkenden ihre Meinung zu sagen, und im schlimmsten Fall dabei auch noch auf der Bühne oder im Rampenlicht zu stehen. Bei uns Bühnenkünstlern ist das aber anders. Wir haben diese Angst nicht, sondern uns macht das sogar Spass. Da wir also keine Angst überwinden müssen, empfinde ich uns dabei auch nicht als mutig. Vermutlich ist es schlichtweg ein genetischer Defekt...

Das Plakat zu Ihrem Programm «Nur Mut!» suggeriert eine kleine Knutscherei mit Hai. Wenn man Sie schon auf der Bühne erlebt hat, fragt man sich unweigerlich: Wer genau ist nun das bissigere Wesen, Sie oder der Hai?
Vor Haien fürchten sich viele Menschen, weil sie denken, sie wären gefährlich. Bei mir verhält es sich ähnlich: Manche meiner Lieder wirken vielleicht ungeheuer böse und bissig; aber in Wirklichkeit bin ich eigentlich ganz nett.

Ihr Programm «Struwwelpeter» wurde gar als «Makabarett» bezeichnet. Eine Hommage an das Makabre und Bissigböse, das Ihre Texte und Lieder versprühen – lustvoll verpackt in harmonische Melodien und vorgetragen von einer vordergründig liebreizenden weiblichen Gestalt. Alles Tarnung?
Ich habe vor vielen Jahren mit «frechen» Liedern begonnen und festgestellt, wie langweilig das ist. Es gibt unglaublich viele Frauen, die «freche» Lieder singen. Also habe ich bewusst versucht, die dunklen Seiten meiner Seele auszuloten, und bin glücklicherweise sogar fündig geworden. Ich bin froh darüber, denn harmlose Frauen gibt es ja nun wirklich genug auf dieser Welt.

Warum sich ärgern und weinen und zanken? Oft hilft ein kleiner Mord in Gedanken!Sarah Hakenberg

Kurz zu den Melodien: Welchen Stellenwert hat die Musik in Ihren Programmen?
Ich bin froh, dass ich sie habe. Würde ich eineinhalb Stunden lang nur quatschen, könnte es langweilig werden. So ist es abwechslungsreicher.

Sehen Sie das Kabarett als eine Chance, ungestraft zu provozieren und den Menschen den Spiegel vorzuhalten, oder wollen Sie eigentlich nur unterhalten?
Um reine Provokation geht es mir nie. Die Frage ist eher: Will ich dozieren oder Menschen zum Lachen bringen? Vermutlich beides. Da ich aus einer Pädagogen-Familie komme, kann ich leider nicht anders, als hin und wieder ein paar wissenswerte Infos ins Programm einzustreuen. Aber da es meiner Meinung nach nicht nur viel zu viele harmlose, sondern auch immer noch zu wenig lustige Frauen auf der Bühne gibt, empfinde ich das Lachen der Zuschauer während meines Programms definitiv als das Beste an meinem ganzen Beruf.

In «Nur Mut!» fokussieren Sie die zurzeit grassierenden Ängste. Haben Sie das Gefühl, dass sich das Verhalten in Bezug auf Mut und Ängste in den letzten Jahren verändert hat?
Es gibt Studien, die das messen. Die Angst vor Terroranschlägen ist laut Studien in Westeuropa eindeutig gestiegen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, an Grippe zu sterben, europaweit immer noch 8000 Mal höher. Sehr viele tödliche Unfälle passieren auch im Haushalt. Ich putze nicht mehr!

Sie möchten mit dem Programm die Menschen ermuntern, wieder mutiger zu denken, zu handeln und zu sprechen. Wie wollen Sie das denn anstellen?
Eine erfolgreiche Konfrontationstherapie beim Psychologen dauert normalerweise 20 bis 25 Sitzungen. Ich würde mich natürlich freuen, wenn sich Menschen mein Programm ansehen. Und wenn sie sich dann noch nicht mutig genug fühlen, müssen sie eben noch ein paar Mal wiederkommen… (grinst)

Sie versprechen Heiteres und unverschämt Dreistes. Wo bleibt denn das Morbide und Bitterböse aus dem alten Programm?
Es wird auch in diesem Programm wieder einige Tote geben... Aber erstaunlicherweise wird bei diesen Liedern immer am lautesten gelacht!


Sarah Hakenberg - «Nur Mut!»
Samstag, 24. März. Miller’s, Seefeldstrasse 225, Zürich.
Tickets: www.millers-studio.ch.
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Erstellt: 22.02.2018, 18:06 Uhr

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