Zürich

Mädchen, die am Wege liegen, und die Lust auf mehr Schnick Schnack Schnuck

Zürich macht sich frei. Die Porny Days, die heute mit Opening Quickies beginnen, erzählen auch vom künstlerischen Aufbruch einer Stadt.

Der Schrei nach mehr Farbe in der grauen Stadt: Lady Shiva auf kleiner Fahrt am Limmatquai im Porträt von Tula Roy.

Der Schrei nach mehr Farbe in der grauen Stadt: Lady Shiva auf kleiner Fahrt am Limmatquai im Porträt von Tula Roy. Bild: pd

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Da steht sie vor der Fantasio-Bar im Zürcher Niederdorf, Lady Shiva, wie sie sich geschaffen hat: auf High Heels, in Schlaghosen und Trenchcoat, die Zigarette im Mund – eine Erscheinung. Männer mit Hut gehen an ihr vorbei, keiner spricht sie an, aber alle schauen im Aushang des Lokals die Bildli mit den halbnackten Frauen an. In der Nähe ist ein Ford Capri parkiert.

«Schlimm sind die normalen Menschen»

Zürich in den Siebzigerjahren, das war, wie man heute sagt, eine verklemmte Zeit – und Lady Shiva war damals der Feuerkopf von einer Frau, aufregend in jedem Sinn und in jeder Beziehung. Denn sie gab ihren Körper dafür, um sich alles leisten zu können, was sie haben wollte: schöne Kleider, Parfüm, Schuhe – und die Freiheit, anders zu sein. «Das Schlimmste», sagte sie, «sind die normalen Leute.»

Die Filmemacherin Tula Roy hat 1975 ein Porträt über Lady Shiva, die eigentlich Irene Staub hiess, gemacht – der Film ist jetzt wieder an den Porny Days in Zürich zu sehen.

Sinnliches und Verstörendes

«Lady Shiva oder Die bezahlen nur meine Zeit» ist Teil des schön betitelten Programms «Zürich macht sich frei». Dieses Kapitel versammelt Kunstfilme «von Pionieren zu Körperlichkeit, Erotik, die den rigiden Protestantismus in den verbotenen Zonen der Zwinglistadt herausforderten», wie die Kuratorin zu ihrer Auswahl schreibt. Mit dabei: Pipilotti Rists «Pickelporno» (1992), Walter Pfeiffers sehr eigensinnige Kompilation «Music for Millions», dann Rudolf de Crignis’ «Körperlänge» (1974) und Isa Hesse-Rabinovitchs «Body Body Blues» (1986). Alles ist ein Schrei nach mehr Farbe, nach ein bisschen mehr Freizügigkeit.

Natürlich geht es an den Porny Days, die bereits ihre dritte Auflage erleben, um höchst aktuelle Sachen. Im Kino Riffraff werden bis am Sonntag rund 70 Filme aus 20 Ländern zum Thema Sexualität, Gender, Körperlichkeit, Pornografie im Kino gezeigt. Sinnliches ist darunter und auch Verstörendes – eben das ganze Programm.

Lust auf mehr

Und doch lohnt sich der Blick auch in die Vergangenheit von Menschen einer Stadt, wie mit der Wiederbegegnung mit Lady Shiva. In den Bildern ist ihre Geschichte eingeschrieben. Und sie erzählt nicht nur vom Aufbruch. Sondern auch von Verlusten. Wir sehen eine Frau, die sich zunehmend in der Warenwelt verliert.

Ein Wiedergänger anderer Art ist an den Porny Days zu sehen, es ist, wie man sagt, das Kult-Erotik-Roadmovie «Mädchen die am Wege liegen» – und das alles ohne Komma und Strich. Der Film eines gewissen Joseph K. Shalbert hat eine recht komplizierte Entstehungsgeschichte. Unter dem Pseudonym soll sich unter anderem «Reise der Hoffnung»-Regisseur Xavier Koller verbergen. Wie dem auch sei: Jeder Mensch hat manchmal Lust auf mehr. Wie zum Beispiel einen Film wie «Schnick Schnack Schnuck» zu machen – eine sehr heutige Komödie mit, wie es heisst, expliziten Szenen.

Erstellt: 26.11.2015, 20:49 Uhr

Infobox

Porny Days, 27. bis 29. Nov., Filmprogramm in den Kinos Riffraff und Roland

Festivalzentrum: Langstrassenkultur, Langstrasse 113a, Zürich;

Das vollständige Programm finden Sie unter: www.pornydays.ch

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