Casinotheater

Wettstreit der Dichter

Winterthur ist auch eine Poetry Slam-Stadt. Über das Wochenende fanden im Casinotheater die Schweizer Meisterschaften statt. Und manchmal machen die Wettkämpfer einen Purzelbaum.

Kilian Ziegler gewann nicht nur am Freitag zusammen mit Phibi Reichling im Team Agile Liga, sondern er wurde auch am Samstag im Finale zum Schweizermeister gekürt. (Archivbild)

Kilian Ziegler gewann nicht nur am Freitag zusammen mit Phibi Reichling im Team Agile Liga, sondern er wurde auch am Samstag im Finale zum Schweizermeister gekürt. (Archivbild) Bild: Moritz Hager

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zuerst etwas zu den Opfern einer Poetry-Slam-Nacht. Sacrifice heisst hier das Opferlamm. Ein Opferlamm wird dafür gebraucht, um das Publikum einzupegeln, es ist sozusagen der Null-Meter in Sachen Unterhaltungs-Poesie. Am Freitag heisst das Opfer Micha Ebeling. Der Ü-50-Slam-Poet aus Berlin stimmt im Casinotheater Winterthur das junge Publikum auf Tag 2 der Schweizer Slam Poetry-Meisterschaften ein. Ebeling selber war 2008 Schweizer Meister, und er bekommt auch jetzt einen 10er-Applaus. 10 Ist die höchste Note. Macht Lärm! gehört im Wettkampf zu den Regeln der Kunst. Ein Jubiläum. 20 Jahre wird schon in der Schweiz Poetry Slam gemacht. Hip sind die Auftrittsorte, und hip wurden die Wort-Künstlerinnen und -Künstler selber – Melinda Nadj Abonij, Gabriel Vetter, Hazel Brugger, Christoph Simon haben mit solcher Poeterei auf der Bühne ihre Karrieren begonnen.

Nichts von Gölä

Viele, viele kommen heute zu dieser Szene neu hinzu, und für die Menschen im Publikum die das erste Mal dabei sind, werden vor jeder Runde die Poetry Slam-Regeln repetiert. Sie heissen: Keine Gedichte von Goethe! auch nicht von Gölä! Keine Comedy! Keine Requisiten! Nur wenig Gesang! Es geht an einem Poetry Slam um die pure Wirkung von Text, der Vortrag soll den Saal elektrisieren. Der Moderator spricht vom «kollektiven Orgasmus». Übertreibungen gehören in diesem Metier dazu. Wie Purzelbäume.

Die Slampoeten der ersten Vorrunde kommen aus Zürich, Chur, Wetzikon, Basel, vielen anderen Orten. Wir hören, wie die Deutschschweiz spricht. Chiara Nauer redet von der Liebe zu einem Pornoschnauz. Lisa Brunner erzählt von Sesselbahn-Typen. Joël Perrin sagt Nein zum Rassismus. Und so geht es querbeet durch die Themen, von der Katze bis zum Katzenjammer. Slampoeten machen sich auf alles einen Reim. Und wenn vieles auch recht schief tönt, gehört doch alles zusammen – wie Alex Zülle und die Pille. Nach dem Vortrag wird dann abgerechnet. Die Juroren im Publikum geben ihre Noten ab. Eine 11 ist lustigerweise auch dabei.

Ganz locker

Um zehn Uhr am Abend beginnt dann der Final für die Teams, es ist die Königsdisziplin in Slam Poetry, wie der Moderator sagt. Sechs Teams treten an, vertreten ist die ganze Schweizer Spitze. Im Festsaal ist die Atmosphäre lockerer als im Parterre, die Bar ist in der Nähe. Der Alkohol gehört eben zu dieser Gattung Literatur, der erste Preis ist immer eine Flasche Absinth. An den Schweizer Meisterschaften kommt ein sehr hässlicher Pokal dazu. Phibi Reichling und Kilian Ziegler vom Team Agile Liga werden ihn in den Händen halten. Sie sind die Champions 2018.

Schweizer Meisterschaften lassen sich steigern. Im Herbst werden die deutschsprachigen Meisterschaften in Zürich ausgetragen. Cool, der Finale findet im Hallenstadion statt.
www.poetryslam.ch (Der Landbote)

Erstellt: 25.03.2018, 14:05 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Paid Post

Pensionskasse für Drittfirmen

Dank der Pensionskassenöffnung können sich nun auch Drittfirmen der Sulzer Vorsorgeeinrichtung anschliessen.