Zürich

Lausbuben für immer und ewig

Jedes Kind muss erwachsen werden. Ein Lausbub aber kann man immer bleiben – mit ein bisschen Fantasie. Das zeigt das Musical «Mein Name ist Eugen» in der Maag-Halle in Zürich.

Mit der ganzen Leichtigkeit des Spiels: Eugen ist gerade 13 geworden und will partout nicht erwachsen werden. Für uns schreibt er seine Geschichte auf, mit allen Flausen im Kopf.

Mit der ganzen Leichtigkeit des Spiels: Eugen ist gerade 13 geworden und will partout nicht erwachsen werden. Für uns schreibt er seine Geschichte auf, mit allen Flausen im Kopf. Bild: Christian Knecht

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie wollen die Zeit anhalten, solange es geht, der grosse Zeiger darf den kleinen nicht überholen. Darum steigt Eduard, einer aus dem Quartett der Lausbuben, die Leiter zur Turmuhr hinauf, er steckt dann seinen Finger zwischen die Zeiger. Und wirklich: die Zeit geht nicht mehr, zumindest für einen Moment.

Auf ewig Lausbub sein

Dafür steht nun Eduard in Unterhosen da. Denn die Shorts gingen bei seinem Stop-Motion-Experiment verloren – Eugen, Wrigley und Bäschteli hatten sich an ihn gehängt. Sie haben aber in ihrem Showact die Lacher auf ihrer Seite – und so auch ein bisschen Zeit gewonnen, um weiterzukommen auf ihrer Reise ins Glück.

Auch das Musical «Mein Name ist Eugen», das nun Premiere in der Maag-Halle in Zürich hatte, ist so eine Art Zeitmaschine: Es erzählt, ganz nach dem Buch von Klaus Schädelin, die Geschichte von Eugen mit Co., der 13 ist und partout nicht erwachsen werden will. Sein Ziel ist, ewig ein Lausbub zu bleiben, koste es, was es wolle: eine 3 in Deutsch, ratlose Eltern et cetera. Und auch das Musical vermag mit seiner Art ein bisschen die Zeit zurückzudrehen. Wir sehen die Welt, wie sie ist, aus der Perspektive von Eugen. Und staunen darüber wie ein Kind, wie leicht sie ist.

Die Reise hat in Bern begonnen, wo Eugen, Eduard, Wrigley und Bäschteli aufwachsen, sie führt dann weiter über das Pfadi­lager im Tessin nach Zürich, wo ihr Idol Fritzli Bühler, der König der Lausbuben, zu Hause ist. Dazwischen ist alles, was in dieser Geschichte einer Kindheit einfach so passiert: Man steigt in Ritterrüstungen und bringt den Helm nicht mehr vom Kopf, man zieht Tante Melanies Kleid an und kommt nicht mehr aus ihm heraus. Immer probieren die Lausbuben neue Rollen aus, stehen dann irgendwie vor einem Problem – und müssen einen Ausweg aus ihrem Schlamassel suchen. «Mein Name ist Eugen» ist auch so etwas wie ein Befreiungsakt.

Der Zauber der Jugend

Regisseur Dominik Flaschka («Ewigi Liebi», «Ost Side Story») hat die Form gefunden für diese Welt der Kindheit, er lässt die Jugendlichen Jugendliche sein, quecksilbrig, wie sie sind. Und er zeigt die Erwachsenen als Puppen: der Herr Lehrer, der Polizist, Herr und Frau Stalder, der Kondukteur, alle sind sie Typen. Sie werden geführt von Schauspielerinnen und Schauspielern, die ihnen auch die Stimme geben. Und da grollt und zankt es manchmal fürchterlich lustig – wie eben Erwachsene für Kinder tönen.

Die Lausbuben bleiben sich selber, sie haben ihre eigenen Stimmen, und für sie hat Roman Riklin («Ewigi Liebi», Ost Side Story») die Texte geschrieben und die Musik gemacht. Er ist der eigentliche Beethoven der Lausbuben, und seine Lieder tönen gut: Sie sind manchmal zuckersüss, dann wieder groovig. Manche bekommt man gar nicht mehr aus dem Kopf heraus. Und auch die Band ist hervorragend.

Ein Glücksfall für dieses Musical sind Jan Simon Messerli, Sebastian Muri, Delio Malär und Remo Traben, sie spielen, besser: sie sind Eugen, Eduard, Wrigley und Bäschteli. In ihnen sind die ganze Frische und auch die Innigkeit – sie haben lausbübischen Charme und den Zauber der Jugend.

Wenn die Zeit still steht

Und der Glücksfall ist kein einzelner. Denn es ist das ganze Ensemble, das «Mein Name ist Eugen» zum Ereignis auf der Bühne macht. Es wird gesungen, getanzt, dass es eine Freude ist. An dieser Stelle könnte man gleich die ganze Besetzungsliste aufführen, von Eric Hättenschwiler, der Herr Stalder, Fritzli Bühler, Fährmann und auch Baron ist, über Peter Zgraggen, Roman Fischer bis zu Cécile Gschwind, Angela Hunkeler, die Frau Pfister und Frau Stalder sind.

Die Aufführung ist federleicht, nicht nur wegen der Hühner, die auf der Bühne einen grossartigen Auftritt haben. Immer wieder steigen auch Drachen in den Himmel oder werden Papierflugzeuge geworfen. Das Musical lässt in diese Welt der Leichtigkeit hineinblicken.

Ein Musical geht nicht ohne Liebe. Und die Liebe gibt es auch in «Mein Name ist Eugen» – ganz prinzessinenhaft. Denn einmal kommt ein Mädchen auf die Bühne, das die Buben ganz verzaubert. Sie singen dann das Lied von der Prinzessin, die aus Gold und Porzellan sei – dann steht für Eugen, Eduard, Wrigley und Bäschteli die Zeit still. ()

Erstellt: 07.03.2016, 15:19 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!