Bern/Flughafen

Motorsegler kam Airbus in die Quere

Weil ein 69-jähriger Motorsegelflieger zu wenig Strom im Flugzeug und auf seinem Tabletcomputer hatte, navigierte er sich in den Anflugraum von Kloten und flog seine Maschine bis auf 300 Meter an eine A330 der Edelweiss heran.

Im August 2016 kommen sich ein privater Motorsegler FS25 und eine A330 der Edelweiss im Anflugbereich zur Piste 14 gefährlich nahe. Hauptursache: Navigationsfehler des Privatpiloten.

Im August 2016 kommen sich ein privater Motorsegler FS25 und eine A330 der Edelweiss im Anflugbereich zur Piste 14 gefährlich nahe. Hauptursache: Navigationsfehler des Privatpiloten. Bild: PD

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«Die Schweiz schwitzt». So titelte Meteo Schweiz am 25. August 2016. Ein schöner Sommerdonnerstag. Ein 69-jähriger deutscher Segelpilot stieg nach einem Tankstopp in Bad Dürkheim (westlich von Mannheim) in einen doppelsitzigen Reise­motorsegler der Marke Scheibe Flugzeugbau («Falke») und hob ab. Sein Ziel: Biberach, via Konstanz am Bodensee.

Warum diese Reise nicht nach Plan verlief und wie es um halb sechs Uhr abends zu einem schweren Zwischenfall mit einem Airbus der Edelweiss kommen konnte, das ist seit gestern dem offiziellen Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) zu entnehmen. Tatsache ist: 24 Kilometer nordwestlich des Flughafens Kloten näherten sich der Airbus und der Motorsegler auf gleicher Flughöhe einander bis auf 300 Meter an.

Wie bei jedem aviatischen Zwischenfall ist mehr als ein Faktor verantwortlich. Diesmal waren es, in aller Kürze: mangelnder Strom und mangelnde Erfahrung. Zunächst hält der Bericht fest, dass das Privatflugzeug über eine nicht ausreichend geladene Bordbatterie verfügte. In der Folge entschied sich der Pilot, über der Region Todtmoos den Transponder (Datensender) des Flugzeugs abzuschalten, um auf diese Weise genügend Energie für den Funk zur Verfügung zu haben – und den Stromverbrauch generell niedrig zu halten. Zu diesem Zeitpunkt habe sein Tabletcomputer, den er zur Navigation mitgeführt hatte, bereits nicht mehr funktioniert; ihm seien der Rhein und Luftfahrtkarten auf Papier zur Navigation übrig geblieben. Das war um 17.36 Uhr Ortszeit.

Zwei Seen verwechselt

In der Region Koblenz, so gibt der Privatpilot weiter zu Protokoll, habe er den am Horizont sichtbaren Zürichsee als Bodensee identifiziert und den Steuerkurs direkt darauf gerichtet. Er flog damit in die komplett falsche Richtung und mitten in den Anflugsektor von Kloten hinein. Dort richtete zu derselben Zeit der Pilot von Edelweiss Flug 3A von Las Vegas seinen Langstreckenjet auf das Instrumentenlandesystem der Piste 14 aus; er drehte den Airbus nach rechts auf einen Steuerkurs von 110 Grad und sank auf 4000 Fuss ab.

Da bemerkte der Flugverkehrsleiter am Boden auf seinem Radar ein schwaches Signal, das nur ab und zu sichtbar wurde; ein sogenanntes Primärecho, wie es unter anderem dann entstehen kann, wenn Flugzeuge mit abgeschaltetem Transponder unterwegs sind. Umgehend informierte er die Edelweiss-Piloten über seine Sichtung. Die beiden Linienpiloten suchten nun ihrerseits den Horizont ab und bestätigten etwas mehr als eine Minute später den Sichtkontakt zu dem nicht identifizierten Flugzeug; sie beschrieben den Motorsegler, stellten sogar seine Lackierung fest und der Co-Pilot machte selber Fotos aus dem Cockpit. Am nahesten Punkt trennten die beiden Flugzeuge gerade noch 300 Meter – auf derselben Flughöhe.

Wie der Pilot des «Falke»-Fliegers später ausführte, bemerkte er seinen Navigationsfehler, als er das Verkehrsflugzeug neben sich erblickte und er sich gewahr wurde, dass es sich aufgrund von Lage und Form des Sees, auf den er zuflog, nicht um den Bodensee handeln konnte. Nach dem Vorfall flog der Pilot der D-KOWC zunächst erst auf südsüdöstlichem Kurs weiter und näherte sich dem Abflugsektor der Piste 28. Wie der Pilot später angab, habe er «kurzzeitig unter Schock» gestanden und habe vergessen, mit der Platzverkehrsleitstelle Funkkontakt herzustellen.

Er setzte seinen Flug via Zürichsee in nordöstlicher Richtung zum Bodensee und landete um 18.50 Uhr in Biberach. Die Sust spricht keine Sicherheitsempfehlungen aus, macht aber die geringe Flugerfahrung des Privatpiloten für die Entstehung des schweren Vorfalls mitverantwortlich.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 28.02.2018, 21:32 Uhr

Ein solcher Motorsegler FS25 kam der Airbus gefährlich nah. (Bild: PD)

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