Gesundheit

Nächste Runde im Streit um Geburtshäuser steht an

Der Bericht einer gescheiterten Arbeitsgruppe soll in die Spitalplanung 2023 einfliessen.

Auf die Geburtshäuser im Kanton Zürich könnten zahlreiche neue Auflagen zukommen. Statt gefördert, würde die hebammengeleitete Geburt erschwert.

Auf die Geburtshäuser im Kanton Zürich könnten zahlreiche neue Auflagen zukommen. Statt gefördert, würde die hebammengeleitete Geburt erschwert. Bild: Moritz Hager

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Eigentlich hätte der Zürcher Regierungsrat aufzeigen sollen, wie die hebammengeleitete Geburtshilfe als Betreuungsmodell für Schwangerenvorsorge, Geburt und Nachsorge zu fördern sei. So verlangte es ein Kantonsrats-Postulat aus den Reihen von SP, AL und EVP.

Heraus kam dabei ein umstrittener Bericht einer von den Kantonen Zürich und Bern gemeinsam eingesetzten Arbeitsgruppe, die daraufhin wegen interner Differenzen auseinanderbrach. Nun prüft die von Regierungsrätin Natalie Rickli (SVP) geleitete kantonale Gesundheitsdirektion, wie sie die Ergebnisse des Berichts in die Spitalplanung 2023 einfliessen lassen kann. Dies geht aus einem gestern veröffentlichten Regierungsratsbeschluss hervor.

Für Diskussionen sorgten die Vorgaben für Geburtshäuser, welche die Arbeitsgruppe formulierte. So müsse ein Notfallplan vorliegen, der bei Komplikationen die unverzügliche Verlegung von Mutter und Kind in ein Spital sicherstelle; zudem ein Kooperationsvertrag und eine vertraglich abgesicherte Zusammenarbeit mit einem Transportdienst für die Verlegung in ein Listenspital. Auch die Kooperation mit Gesundheitseinrichtungen wie Labors, Apotheken, Kinderärzten und Gynäkologen sei sicherzustellen.

Weiter hielt die Arbeitsgruppe in dem Schreiben eine Fortbildungspflicht für Hebammen mit regelmässigen Reanimationskursen und Trainings von Notfall- und Verlegungsverfahren fest.

Der Bericht wurde in der Öffentlichkeit scharf kritisiert, auch von Organisationen, die in der Arbeitsgruppe, die ihn verfasste, vertreten waren; namentlich vom Schweizerischen Hebammenverband und von der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, wie der Regierungsrat schreibt.

Seine Erklärung: Ärzte und Hebammen würden sich schon in der Ausbildung gegensätzliche Haltungen bezüglich Geburtsverlauf aneignen, insbesondere bei Komplikationen.

In der Existenz bedroht

Mehrere Geburtshäuser lehnten den Bericht der Arbeitsgruppe ab. «Werden die Vorschläge umgesetzt, würde das Ziel, die hebammengeleitete Geburtshilfe zu fördern, ins Gegenteil verkehrt», kritisierte Andrea Murer vom Zürcher Geburtshaus Delphys in der NZZ. Die Geburtshäuser würden dadurch in ihrer Existenz bedroht und in ihrer Wirtschaftsfreiheit eingeschränkt. Zudem habe die Arbeitsgruppe die Arbeit der Hebammen in den Spitälern ausgeklammert. Dabei bedürfe die hebammengeleitete Geburtshilfe gerade dort der Förderung.

Es kam zum Eklat: Im Juni 2019 traten die Hebammenvertreterinnen aus der Arbeitsgruppe aus. Eine Fortsetzung der Arbeiten der Gruppe ergab unter diesen Voraussetzungen keinen Sinn mehr, wie der Regierungsrat schreibt.

Umsetzung dennoch prüfen

Der Kantonsrat hatte ihn aber beauftragt, sechs Monate nach dem Vorliegen der Schlussfolgerungen der Arbeitsgruppe seinerseits einen Bericht dazu vorzulegen – was die Regierung jetzt ein halbes Jahr nach dem Scheitern der Arbeitsgruppe tut.

Trotz der schwierigen Vorgeschichte: Die Gesundheitsdirektion wolle nun prüfen, ob und wie die von der Arbeitsgruppe festgehaltenen Erkenntnisse umgesetzt werden sollen, schreibt die Regierung. Und: «Eine Umsetzung hätte im Einklang mit der Gesamtstrategie zur Spitalplanung 2023 zu erfolgen.» Die Vernehmlassung dazu soll laut Regierung in einem Jahr beginnen. Die betroffenen Interessenverbände und -gruppen erhalten dabei erneut Gelegenheit, Stellung zu nehmen. Der Streit um Hebammen und Geburtshäuser geht somit bald in eine neue Runde.

Erstellt: 24.01.2020, 18:06 Uhr

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