Nationalratswahlen

Noch nie kandidierten so viele Frauen

Die Wählerinnen und Wähler im Kanton Zürich haben eine riesige Auswahl. Vor allem die Frauen und die ganz Jungen sind auf dem Vormarsch.

Ein Hauch von Champions League: Stefan Langenauer, Chef des Statistischen Amtes im Kanton Zürich, zieht «die Guten» an 17. Stelle.

Ein Hauch von Champions League: Stefan Langenauer, Chef des Statistischen Amtes im Kanton Zürich, zieht «die Guten» an 17. Stelle. Bild: Keystone

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Plötzlich durchbricht stürmischer Applaus die Stille im Medienzentrum in Zürich. Im Beisein von Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) wurden soeben «Die Guten» an 17. Stelle gezogen. Die junge Mitte-Links-Partei verfolgt die Auslosung der Listennummern mit einer kleinen Delegation und feiert den an sich unspektakulären Akt. Erst nachdem alle blauen Los-Kugeln geöffnet und die 32 Platzierungen bekannt sind, weicht die Euphorie unter den jungen Politikern ein wenig. Einer der «Guten» sagt: «Na ja, mit der 17 sind wir praktisch in der Mitte des Bündels, ob das so gut ist?»

SVP auf Platz 1

32 Listen sind im Kanton Zürich für die Nationalratswahlen gemeldet worden. Die ersten acht Listennummern waren gesetzt. Sie wurden jenen Parteien zugeteilt, die bereits im Nationalrat vertreten sind, und zwar gemäss ihrer Stärke. Die SVP erhält demnach die 1, die EVP die 8. Die hinteren Listennummern werden im Kanton Zürich zugelost. Manche Kantone kennen diese Unterscheidung nicht oder vergeben die Nummern nach Eingang der Liste.

«Das wäre ein Traum»

35 Sitze stehen dem Kanton Zürich im Nationalrat zu, gleich viele wie vor vier Jahren. Ob eine Partei Sitze gewinnt oder verliert, hängt laut Stephan Ziegler vom kantonalen Statistischen Amt kaum von der jeweiligen Listennummer ab. «Es gibt jedenfalls keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine hohe Nummer Nachteile, respektive eine tiefe Nummer Vorteile bringt.»

Debora Zahn freut sich dennoch, dass ihre jungen Grünen mit der Nummer 9 gleich hinter den Hauptlisten rangieren. «Eine einstellige Nummer, das ist ein zusätzlicher Ansporn im Wahlkampf», sagt sie. Aber es werde natürlich trotzdem schwierig, einen Sitz im Nationalrat zu erobern. «Wenn es unsere Spitzenkandidatin Selina Walgis schaffen würde - das wäre ein Traum.»

Partei mit Männerquote

Die 32 Listen sind zwar drei weniger als bei den letzten Nationalratswahlen. Dafür sind sie gut gefüllt. Das Feld ist mit 966 Kandidierenden so gross wie noch nie seit der Einführung des Frauenstimmrechts im Jahr 1971. Gegenüber 2015 (873) stieg die Teilnehmerzahl um 10 Prozent.

Auf 22 Listen sind alle 35 möglichen Felder mit Kandidierenden besetzt. «Vor vier Jahren war das nur bei 15 Listen der Fall», sagt Peter Moser vom Statistischen Amt. Es ist für die Durchführung der Wahlen zuständig. Moser verkündete noch einen weiteren Spitzenwert: Den Frauenanteil von 43 Prozent. 2015 lag er noch bei 35 Prozent.

Die CVP und die EVP haben Frauen-Listen eingereicht. Auch auf der Liste von Chrisoula Sarantidis beträgt der Frauenanteil 100 Prozent. Die Büroangestellte, die 2015 noch auf der Liste der EDU antrat, hat diesmal eine eigene eingereicht und tritt dort solo auf. Die Frauenquote hätte noch höher ausfallen können, wenn die «Guten» nicht auf die Bremse getreten wären. «Bei den Kantonsratswahlen betrug unser Frauenanteil 67 Prozent», sagt einer der Kandidierenden: «Wir haben deshalb eine Männerquote eingeführt.»

Älteste Kandidatin ist 81

Laut Peter Moser ist der Frauenanteil nicht nur bei den Unterlisten gestiegen, sondern auch bei den Hauptlisten der Nationalratsparteien. Auffallend sei, dass dort auch mehr Kandidatinnen auf den vorderen Plätzen aufgeführt sind. Im Durchschnitt seien diesmal auf den ersten fünf Listenplätzen gleich viele Frauen wie Männer anzutreffen. 2015 kamen die Frauen in dieser Statistik nur auf 40 Prozent.

Nur leicht gestiegen ist der Altersdurchschnitt, von 42 auf 43 Jahre. «Die Altersstruktur ist seit 1999 stabil», sagt Peter Moser. «Vor 1999 gab es ab und zu noch Kandidierende mit 90 und älter, das ist seit längerem nicht mehr der Fall.» Die älteste Kandidatin ist mit Jahrgang 1938 Helga Hetzer. Sie tritt für die Christlichsoziale Vereinigung an - wie Kathy Riklin, die amtierende CVP-Nationalrätin. Ihren Sitz will die CVP neu mit Kantonsrat Josef Wiederkehr besetzen.

Die GLP und die SVP gehen mit einer Seniorenliste ins Rennen. Bei der SVP führt der Anwalt und neue Kantonsrat Valentin Landmann die Liste 55plus an. Fast alle Nationalratsparteien treten zudem mit einer Liste ihres Nachwuchses an. 16 Kandidierende sind erst 18 Jahre alt. Das sind 11 mehr als 2015.

Ausgewertet hat das Team um Peter Moser auch die Herkunft der Kandidierenden. Dabei zeigt sich, dass ein Drittel aus Zürich kommt. Mit einem Anteil an Stimmberechtigten von 28 Prozent ist die Stadt damit eigentlich übervertreten. 8 Prozent der der Kandidierenden sind aus Winterthur, das entspricht auch etwa dem Anteil der Stimmberechtigten. 58 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten wohnen ausserhalb von Zürich und Winterthur. Dieser Wert ist seit 20 Jahren konstant.

Undecillion Varianten

Das Statistische Amt hatte sogar berechnet, dass es undecillionen Möglichkeiten gibt, einen gültigen Wahlzettel auszufüllen. Das ist eine 66-stellige Zahl. «Gut, muss man nur einen ausfüllen», sagt Moser.

Noch offen sind die Listenverbindungen. Die SVP wird sie wahrscheinlich mit der EDU eingehen, die SP mit den Grünen und der AL. Zudem werden wohl die Mitteparteien GLP, CVP, BDP und EVP ihre Listen verbinden. Verbindungen sind auch mit den jeweiligen Jung- und Seniorenlisten zu erwarten. Und die «Guten»? Die liebäugeln mit SP, Grünen, AL und den Piraten. Bis 26. August müssen die Listenverbindungen gemeldet werden. Zwischen 23. und 28. September sollten die Stimmberechtigten dann die Wahllisten erhalten.

Erstellt: 16.08.2019, 18:40 Uhr

Die Listennummern für die Nationalratswahlen

1. SVP (aktuell 12 Sitze)
2. SP (9)
3. FDP(5)
4. Grünliberale (3)
5. CVP (2)
6. Grüne (2)
7. BDP (1)
8. EVP (1)
9. Junge Grüne
10. Jungfreisinnige
11. Piratenpartei
12. Integrale Politik
13. CVP Frauen
14. JUSO
15. Öko-Partei Schweiz
16. Sarantidis Chrisoula
17. Die Guten
18. Junge CVP
19. Grünliberale UnternehmerInnen
20. Christlichsoziale Vereinigung
21. EVP Frauen
22. Unabhängigkeitspartei up!
23. Grünliberale Senioren
24. Partei der Arbeit
25. AL - Alternative Liste
26. Schweizer Demokraten
27. Junge EVP
28. SVP 55plus
29. Junge Grünliberale
30. Grüne Migrant. und Secondos
31. EDU
32. Junge SVP

Die Listennummern für die Nationalratswahlen vom 20. Oktober

1. SVP (aktuell 12 Sitze)2. SP (9)3. FDP(5)4. Grünliberale (3)5. CVP (2)6. Grüne (2)7. BDP (1)8. EVP (1)9. Junge Grüne 10. Jungfreisinnige11. Piratenpartei12. Integrale Politik 13. CVP Frauen14. JUSO15. Öko-Partei Schweiz16. Sarantidis Chrisoula17. Die Guten18. Junge CVP19. Grünliberale UnternehmerInnen20. Christlichsoziale Vereinigung21. EVP Frauen22. Unabhängigkeitspartei up! 23. Grünliberale Senioren24. Partei der Arbeit25. AL - Alternative Liste26. Schweizer Demokraten27. Junge EVP28. SVP 55plus29. Junge Grünliberale30. Grüne Migrant. und Secondos 31. EDU32. Junge SVP

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