Wasserversorgung

So stark belasten Pestizide das Grundwasser im Weinland

29 von 92 Messungen in Grundwasserfassungen zeigten erhöhte Werte für Pestizidrückstände. Jetzt ist bekannt, welche Gemeinden wie stark betroffen sind.

Einige Gemeinde schützen ihr Trinkwasser, indem sie mit Pestizid belastete Grundwasserfassungen vom Netz nehmen.

Einige Gemeinde schützen ihr Trinkwasser, indem sie mit Pestizid belastete Grundwasserfassungen vom Netz nehmen. Bild: Urs Baumann

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Einfach den Hahn aufdrehen und qualitativ hochwertiges Trinkwasser geniessen; in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit und ein Privileg. In letzter Zeit dürfte sich manch einer fragen, wie lange dies noch gilt.

Das Stichwort heisst Chloro­thalonil. Das Fungizid wurde in den 1970er-Jahren zugelassen. Es soll Gemüse, Getreide, Trauben und Zierpflanzen vor Pilzkrankheiten schützen. Chlorothalonil gilt als krebserregend. Einmal eingesetzt, lässt sich der Wirkstoff nicht im Wasser nachweisen. Anders sieht es mit seinen Abbauprodukten aus, wie sich kürzlich zeigte.

Solange nicht bewiesen ist, dass diese Abbauprodukte unbedenklich sind, gelten sie als schädlich.

Solange nicht bewiesen ist, dass diese Abbauprodukte unbedenklich sind, gelten sie als schädlich. In der Schweiz und der EU gelten deshalb seit Ende Juni strenge Höchstwerte von 0,1 Mikrogramm – das ist ein Zehnmillionstelgramm – pro Liter Trinkwasser.

Lediglich eine Stichprobe

Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich hat an 92 Grundwasserfassungen (GWF) im Kanton Proben genommen und diese im eigenen Labor analysieren lassen. Das entspricht lediglich etwas 10 Prozent aller GWF im Kanton. Eine generelle Aussage zur Situation im Kanton lässt sich laut Awel anhand dieser Daten nicht machen.

In 29 Proben wurde der Grenzwert für Trinkwasser überschritten (für Grundwasser existieren keine Grenzwerte). Bis jetzt war nicht bekannt, wo welche Werte gemessen wurden. Die Daten liegen dieser Zeitung nun vor.

Das Awel betont, dass Grundwasser nicht gleich Trinkwasser ist. Vielmehr wird Grundwasser – je nach Gemeinde unterschiedlich – mit Quellwasser und Seewasser gemischt, bevor es bei den Konsumenten aus dem Wasserhahn sprudelt. Damit werden die Abbauprodukte von Chloro­thalonil verdünnt.

Im Moment ist nicht bekannt, wie stark das Trinkwasser belastet ist.

Im Moment ist nicht bekannt, wie stark das Trinkwasser belastet ist. Das Kantonale Labor hat zwar über hundert Proben genommen, zumindest für die Öffentlichkeit liegen aber noch keine Resultate vor.

Zurück zum Grundwasser: Der höchste Wert der Stichprobe wurde mit 1,34 Mikrogramm pro Liter in der GWF Storchenacker 1 in Waltalingen im Zürcher Weinland gemessen. Allerdings wird diese Fassung nicht zu Trinkwasserzwecken verwendet.

Trüllikon reagiert sofort

Anders sieht es mit der Fassung Sperdikler in Trüllikon aus, wo das Labor 0,91 Mikrogramm Cholorthalonil-Sulfonsäure pro Liter mass. Die GWF Sperdikler lieferte bis anhin rund 50 Prozent des Trinkwassers für den Ortsteil Trüllikon.

Der Gemeinderat hat am Dienstag beschlossen, die GWF Sperdikler vom Netz zu nehmen, wie Gemeindepräsidentin Claudia Gürtler auf Anfrage sagte. Der Gemeinde stehe trotzdem genügend Wasser zur Verfügung. Man wolle nun zusammen mit den kantonalen Behörden und den benachbarten Wasserversorgungen nach Lösungen suchen.

Mehrkosten erwartet

Die Probe der GWF Wisental in Seuzach ergab einen Wert von 0,89 Mikrogramm/Liter. Betroffen ist aber nicht Seuzach, sondern die Gemeinde Hettlingen. Ihr gehört die Fassung. Inzwischen bezieht die Wasserversorgung Hettlingen alles Trinkwasser vom Stadtwerk Winterthur. Das werde Mehrkosten mit sich bringen, schreibt die Gemeinde auf ihrer Website. Wie man das Grundwasser künftig nutzen will, ist unklar.

Die Gemeinde Neftenbach hat bereits mitgeteilt, dass sie das betroffene Pumpwerk ausser Betrieb genommen hat. Dieselbe Massnahme hat man in Pfäffikon für das Pumpwerk Mettlen getroffen.

In Wiesendangen wiederum will man die Situation mit dem Awel genauer abklären. Man beziehe auch Wasser aus Winterthur. Ob damit das belastete Wasser genügend verdünnt wird, will man mit Messungen im Trinkwassernetz abklären.

In Eglisau wird das Grundwasser der GWF Stadtforen mit Uferfiltratwasser aus dem Rhein angereichert, um den Chlorothalonil-Anteil zu verdünnen. Russikon bezieht 30 Prozent des Trinkwassers über die GWF Riedt.

Hansruedi Frohofer von der Wasserversorgungsgenossenschaft Russikon will die Ursache für den erhöhten Wert mithilfe des Awel klären. Er will auch das direkte Gespräch mit den Landwirten suchen, welche im Einzugsgebiet der GWF ihr Land bewirtschaften. In Flaach stammt rund die Hälfte des Trinkwassers aus der belasteten Grundwasserfassung. Dort will man jetzt umgehend die Werte im Trinkwassernetz messen lassen.

Erstellt: 03.09.2019, 21:45 Uhr

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