Küsnacht

Rätseln um die Unfallursache des MS Albis geht weiter

Zwei Jahre nach dem Schiffsunglück in Küsnacht weiss die Öffentlichkeit noch nicht, wie es dazu kam. Die Untersuchung läuft. Eine technische Ursache scheint aber eher abwegig.

Warum ist die MS Albis vor zwei Jahren in Küsnacht in den Schiffssteg gekracht?

Warum ist die MS Albis vor zwei Jahren in Küsnacht in den Schiffssteg gekracht? Bild: Archiv Moritz Hager

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Aussenstehende fragen sich, warum die Untersuchung zum Küsnachter Schiffsunglück noch läuft. Genau vor zwei Jahren krachte das MS Albis ungebremst in den Schiffssteg. Drei Personen wurden erheblich verletzt. Eine Passagierin leidet noch immer an den Nachwehen ihres Sturzes.

Nachfrage bei der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG): Wie weit ist die Untersuchung? Die ZSG gibt sich bedeckt. Sprecherin Conny Hürlimann verweist auf die unabhängige Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust). Die ZSG warte den Bericht ab. Über die Ursache des Unfalls sei sie nicht informiert.

Alte Fälle im Vordergrund

Christoph Kupper ist bei der Sust zuständig für die Untersuchung. Momentan kann er nicht sagen, wann seine Arbeit abgeschlossen sein wird. Seine Erklärung scheint simpel. Die Sust muss Dutzende Fälle abarbeiten, die älter sind als das ZSG-Unglück. Nur ein Beispiel: Der Bericht zum Unfall eines Flugzeugs beim Flugplatz Schänis wurde nach drei Jahren fertiggestellt. Dass eine Untersuchung mehr als zwei Jahre dauert ist also keineswegs ungewöhnlich — dürfe aber nicht sein.

Warten ist also angesagt. Doch Kupper lässt sich etwas in die Karten blicken. «Wenn wir grosse Sicherheitslücken feststellen, veröffentlichen wir einen Zwischenbericht mit dringenden Sicherheitsempfehlungen», sagt er. Das ist in diesem Fall nicht geschehen. Zwar lässt sich Kupper nicht darauf festlegen, dass eine technische Ursache ganz ausgeschlossen ist. Doch die wahrscheinlichkeit, dass es zu einem weiteren Unfall des MS Albis oder eines Schwesterschiffs kommt, schätzt er als tief ein.

Ein Blick auf den Zürichsee bestätigt das. Alle drei Schiffe der Albis-Klasse fahren seit dem Unfall wieder. Unfallfrei, wie ZSG-Sprecherin Conny Hürlimann bestätigt. Einen «sicherheitsrelevanten Vorfall» habe es seither nicht mehr gegeben. Christoph Kupper verweist darauf, dass auch die Aufsichtsbehörde und die ZSG in die Untersuchung involviert sind. Eine strafrechtliche Untersuchung des Unfalls hat es bisher noch nicht gegeben. Obwohl diese eigentlich auch ohne den Sust-Bericht geführt werden könnte. Denn dieser dient nicht der Schuld- und Haftungsfrage, wie Christoph Kupper sagt.

Kapitän als Deckchef

So wartet denn auch die ZSG darauf, dass der Bericht erscheint. Konsequenzen aus dem Unfall hat sie noch keine gezogen. Der Kapitän, der beim Unfall das Schiff gesteuert hat, ist weiterhin bei der Schifffahrtsgesellschaft angestellt. Er arbeite als Deckchef, sagt Conny Hürlimann. Das heisst laut der ZSG-Website, dass er Aufgaben als Matrose übernimmt und für das Tarifwesen verantwortlich ist. Dass eine Passagierin noch immer Probleme wegen dem Unfall hat, weiss auch die ZSG. Direktor Roman Knecht stehe mit ihr in Kontakt, teilt Hürlimann mit.

Bei der Gemeinde Küsnacht ist der Vorfall etwas in den Hintergrund gerückt. Zumindest haben sich die Einwohnerinnen und Einwohner nicht an die Behörden gewendet, sagt Gemeindeschreiberin Catrina Erb Pola. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.04.2018, 17:07 Uhr

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