Zoo

Schweissfüsse und Stosszähne

Klippschliefer sehen aus wie Murmeltiere oder Meerschweinchen. Sie können aber weder nagen noch graben. Vielmehr sind sie nahe Verwandte der Elefanten.

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Die Dscheladas gehen im Gehege im Zoo Zürich ihrem Monkey Business nach – sie lausen, jagen und begatten sich. Bei dem ganzen Tumult fällt es nicht leicht, die kleinen Mitbewohner auf den Felsen, die dem äthiopischen Hochland nachempfunden sind, zu erspähen.

Die graubraunen, massigen, rund drei Kilo schweren Klippschliefer wieseln über die Felsen, schlüpfen in Höhlen oder kratzen sich mit einem Stummelbein hinter dem Ohr. Sie sehen aus wie Murmeltiere oder überdimensionale Meerschweinchen. Deshalb wurde ihr lateinischer Familienname Ende des 18. Jahrhunderts auch vom Meerschweinchen abgeleitet.

Mit Nagetieren haben die Klippschliefer aber wenig gemeinsam. Ihre Füsse taugen nicht zum Graben. Sie haben flache Nägel und nackte, schweissige Fusssohlen. Mit solchen Schweissfüssen klettert es sich hervorragend über Klippen und auf Bäume. Sie gehören zur Gruppe der Beinahe-Huftiere wie Elefanten und Seekühe. «Eine überraschende und illustre Verwandtschaft», sagte Robert Zingg, Kurator im Zoo Zürich gestern vor den Medien.

Mit Gesang gegen die Gefahr

Auch ihre Zähne verweisen auf ihre grossen grauen Cousins. Sie haben zwei Stosszahn-ähnliche Schneidezähne. Damit beissen die Klippschliefer aber nicht die Gräser und Kräuter ab, von denen sie sich hauptsächlich ernähren. Vielmehr tragen sie damit Auseinandersetzungen untereinander aus. Denn ein Männchen verteidigt sein Territorium und die darin herumstreifende Weibchengruppe. Nicht, dass sich eines der jungen Männchen, die in der Umgebung als Einzelgänger leben, ins gemachte Nest setzt.

Gegen Feinde können sie sich kaum zur Wehr setzen. Deswegen hält ein Schliefer Ausschau nach Adlern, Löwen, Leoparden oder Schakalen und warnt mit einer Art Gesang vor Gefahr. «Vor allem während der Paarungszeit werden die Männchen sehr gewandt im Umgang mit den Warntönen», sagte Kurator Zingg.

In freier Wildbahn sieht man die Schliefer im Süden Afrikas sowie zwischen dem Kongobecken und im Nordosten des Kontinents und den Küstengebieten Arabiens. Sie fühlen sich in Wüsten, aber auch Regenwäldern wohl, Hauptsache es hat Felsspalten.

Ein Engländer und eine Schottin

Im Zoo Zürich lauern weder Löwen noch rivalisierende Artgenossen. Es gibt nur eine Familie Klippschliefer im Gehege. Das Männchen stammt aus dem englischen Chester, das Weibchen ist aus Edinburgh. Am 10. Juni ist Nachwuchs geboren. Während ein Jungtier nicht überlebt hat, sind die anderen beiden – ein Pärchen – putzmunter und schon sehr selbstständig. Sie flitzen flink über die Felsen und kugeln übereinander, während ihre Eltern sich in der Sonne wärmen.

Trotz ihres Fells fällt es ihnen nicht leicht, ihre Körpertemperatur zu halten. Daher leben sie in warmen Gebieten, wo sie sich morgens an der Sonne aufwärmen können. Ist es kalt und regnerisch, kuscheln sie sich in den Höhlen aneinander. Muss sich eines der Tiere erleichtern, tun sie das nur an bestimmten Stellen. Zu erkennen sind diese Latrinen, weil sich dort der Fels wegen des Kalziumkarbonats im Urin weiss verfärben kann.

Untereinander versteht sich die Kippschlieferfamilie gut. Wird aber ein Nachbar frech, fletscht Papa-Klippschliefer seine Stosszähne auch mal in Richtung eines Dschelada-Männchens. Dieses sitzt dann konsterniert auf einem Felsen und wartet, bis sich der wütende Kleine wieder verzogen hat. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 18.07.2018, 17:39 Uhr

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