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Seefeld-Mörder zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Das Bezirksgericht Zürich hat Tobias K. am Donnerstag wegen Mordes schuldig gesprochen und zu 20 Jahren verurteilt. Der mitbeschuldigte Litauer kommt als Anstifter glimpflicher davon.

Tobias K. hat im Zürcher Seefeld ein Zufallsopfer umgebracht. Das Gericht hat seine Tat als Mord beurteilt.
Tobias K. hat im Zürcher Seefeld ein Zufallsopfer umgebracht. Das Gericht hat seine Tat als Mord beurteilt.
Archivfoto: Reto Oeschger

Tobias K. hat Ende Juni 2016 im Zürcher Seefeld ein Zufallsopfer mit einem Fleischmesser niedergestochen und tödlich verletzt. Das Verbrechen verübte er, nachdem er nicht aus einem Hafturlaub zurückgekehrt war, und mit dem Ziel, einen Mitgefangenen freizupressen.

Das Bezirksgericht Zürich hat die Tat, wie vom Staatsanwalt gefordert, als Mord qualifiziert. Der vorsitzende Richter Sebastian Aeppli begründete das am Donnerstagabend in seiner mündlichen Urteilseröffnung.

Tobias K. habe besonders skrupellos und aus verwerflichen Beweggründen gehandelt. Ohne Vorwarnung habe er auf ein ahnungsloses Opfer eingestochen. Dieses habe keine Chance gehabt. «Die Tat kam einer Massakrierung gleich», sagte Aeppli.

Weitere Tötung geplant

Auch die strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Mord sah das Gericht als erwiesen an. Mit der Waffe, die sich Tobias K. aus dem Darknet beschaffen wollte, habe er geplant, eine weitere Person zu töten.

Zum Strafmass von 20 Jahren sagte Aeppli, das Verschulden von Tobias K. wiege sehr schwer. Das Geständnis von Tobias K. und eine gewisse Reue, die er gezeigt habe, würden durch seine Vorstrafen wieder aufgehoben. Unter dem Strich bleibe es bei den 20 Jahren.

Litauer bloss Anstifter

Der mitbeschuldigte Litauer – er war von der Staatsanwaltschaft als «geistiger Vater» des ganzen Planes bezeichnet worden – wurde wegen Anstiftung zu Mord verurteilt.

Das Gericht erachtete dies aufgrund der Aussagen von Tobias K. und den widersprüchlichen Angaben des Litauers sowie weiteren Hinweisen als erwiesen an.

Freigesprochen wurde der Litauer hingegen vom Vorwurf der strafbaren Vorbereitungshandlungen für einen Mord und dem versuchten Verstoss gegen das Waffengesetz. Es sei nicht erwiesen, dass er am Versuch eine Waffe zu erwerben, beteiligt gewesen sei.

Der Litauer sei am Mord zwar nicht selber beteiligt gewesen, er habe Tobias K. aber angestiftet, einen Menschen zu töten. Sein Verschulden bezeichnete der Richter als «erheblich». Unter Berücksichtigung der Vorstrafen resultierte für den Litauer eine Freiheitsstrafe von 16,5 Jahren.

Kein Landesverweis

Eine zusätzliche Landesverweisung von 15 Jahren, wie vom Staatsanwalt gefordert, verhängte das Gericht nicht. Der Litauer sei lediglich der Anstiftung schuldig und das entsprechende Gesetz sei erst nach der Tat in Kraft getreten.

Das Gericht gehe aber davon aus, dass der Litauer wohl vom Amt für Migration ausgewiesen werde, wenn er 2031 oder 2036 aus dem Strafvollzug entlassen werde.

Verzicht auf Verwahrung

Der Staatsanwalt hatte für die Beschuldigten eine ordentliche Verwahrung beantragt. Eine solche wurde vom Gericht nicht ausgesprochen. «Aus Sicht des Gerichts wäre das unverhältnismässig», sagte Aeppli.

Die Taten und die Rückfallgefahr seien nicht derart schwer, dass eine solche Massnahme gerechtfertigt wäre. «Eine Verwahrung ist die Ultima Ratio», sagte der Richter und weiter: «Beim nächsten Mal, was niemand hofft, ist die Chance für eine Verwahrung sehr hoch.»

Den Angehörigen des Zufallsopfers sprach das Gericht Genugtuungen von einigen Zehntausend Franken zu. Die Beschuldigten müssen die Kosten der Untersuchung von mehreren Hunderttausend Franken tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es wird voraussichtlich ans Obergericht weitergezogen.

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