Bundesgericht

Selbst ernannte Heilige wehrt sich erfolglos gegen Kesb Horgen

Eine schizophrene Architektin beschwerte sich über die von der Kesb Horgen verordnete Beistandschaft. Das Bundesgericht tritt jedoch nicht auf ihre Beschwerde ein. Eine Heilige zu sein, reiche als Begründung nicht aus.

Mit einem bizarren Kesb-Fall aus dem Bezirk Horgen mussten sich die Bundesrichter in Lausanne auseinandersetzen.

Mit einem bizarren Kesb-Fall aus dem Bezirk Horgen mussten sich die Bundesrichter in Lausanne auseinandersetzen. Bild: Symbolbild/Keystone

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Sie hat alle geistlichen Register gezogen, sich auf den «höchsten Richter Gottes auf Erden» und die «höchste Gerichtigkeit, die wohl nur der Papst genau genug kennt» berufen, doch es nützte nichts: Die Bundesrichter treten nicht auf die Klage und Beschwerde einer 46-jährigen Architektin ein, die sich gegen eine Beistandschaft wehrt. Das Urteil fiel Mitte Mai.

Dass die Frau ans Bundesgericht gelangte, hat seinen Ursprung in einem Beschluss der Kesb Horgen vom 14. Juli 2015. Die Kesb Horgen ordnete eine umfassende Beistandschaft für die Frau an. Diese war aus Deutschland in die Schweiz gekommen, um an der ETH Architektur zu studieren. 2005 erhielt sie ihr Diplom.

Ihre Eltern meldeten sie

Während der Studienzeit schon hatte die angehende Architektin psychische Probleme, die sich auf «fast alle Lebensbereiche auswirkten», wie die Richter festhalten. Mehrmals musste sie in psychiatrische Kliniken eingewiesen werden. Unter anderem ihre Eltern hatten sich mit einer Gefährdungsmeldung an die Kesb Horgen gewandt. Ein von der Kesb beauftrager Gutachter attestierte ihr eine «chronische, paranoide Schizophrenie, deutlich akzentuierte Persönlichkeitszüge und eine Impulsstörung». So hat die Frau offenbar ein dranghaftes Verhalten in Bezug auf Internet und Essen.

Die Architektin wehrte sich gegen die Beistandschaft und bekam am 14. Dezember 2016 teilweise Recht. Der Bezirksrat Horgen stufte die Beistandschaft (die betroffene Person ist von Gesetzes wegen handlungsunfähig) ab auf eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung (die Handlungsfähigkeit kann nötigenfalls eingeschränkt werden). Die Frau war dennoch nicht zufrieden, blitzte aber am 10. April vor dem Obergericht des Kantons Zürich ab.

Einen Monat später reichte die Architektin vor Bundesgericht eine «Klage» gegen die Kesb und die Oberrichter ein und forderte, alle Kesb-Massnahmen seien aufzuheben. Zudem verlangte sie, diverse Personen wegen Verdachts auf falsche Gutachten und Amtsmissbrauch zu verfolgen und sie ihres Amtes zu entheben. Zu den «Angeklagten» gehören unter anderem diverse Ärzte, ihre Eltern und Geschwister, Studienkollegen – und sie selbst. Von den Ärzten hält sie unter anderem deshalb nichts, weil diese ihr nicht glauben, dass sie durch Wunderheilung von Schizophrenie vollkommen genesen ist.

Persönlicher Bezug zu Papst

In ihrem Urteil halten die Bundesrichter fest, dass es rechtlich nicht möglich sei, auf eine solche «Klage» einzutreten; das Bundesgericht habe gegenüber den Mitgliedern kantonaler Behörden und den genannten Personen keine strafrechtlichen Kompetenzen. Auf die Beschwerde gegen die Beistandschaft gehen die Bundesrichter ebenfalls nicht ein. Die Architektin machte geltend, mit der heiligen Verena und vielen anderen Heiligen verwandt zu sein. Ausserdem kenne sie Papst Benedikt persönlich. Dieser sei im übrigen von seinem Amt zurückgetreten, weil man sie, die Architektin, in der Schweiz «über Psychiatrie missbrauche». Und dies, «obwohl sie nicht wahnhaft, sondern heilig sei».

Die Bundesrichter hielten diese Begründung nicht für ausreichend. Die selbst ernannte Heilige behält deshalb ihren Beistand. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.06.2017, 15:10 Uhr

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