Stadtratswahlen

SP findet keinen Ersatz für Nielsen

Die Stadtzürcher SP muss den Kampf um den vierten SP-Sitz im Stadtrat wohl oder übel aufgeben. Es hat sich niemand gefunden, der als Ersatz für Claudia Nielsen kandidieren will.

Will nicht ihr Leben auf den Kopf stellen: Wichtig sei vor allem, im Parlament die Mehrheit zu erreichen, sagte Jacqueline Badran.

Will nicht ihr Leben auf den Kopf stellen: Wichtig sei vor allem, im Parlament die Mehrheit zu erreichen, sagte Jacqueline Badran. Bild: Keystone

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Der überraschende Rückzug von Claudia Nielsen knapp vier Wochen vor dem Wahltermin trifft die SP auf dem falschen Fuss. Wie zu erwarten war, hat die Partei niemanden gefunden, der so kurzfristig an Nielsens Stelle in den Wahlkampf steigen will. Wie Mitglieder der SP-Geschäftsleitung gestern Nacht in Zürich bekannt gaben, fragte die SP die beiden prominenten Zürcher Nationalrätinnen Min Li Marti und Jacqueline Badran an, erhielt aber von beiden eine Absage.

Beide wären laut Co-Parteipräsidentin Gabriela Rothenfluh «logische», weil sehr qualifizierte Kandidatinnen gewesen. Ihnen wäre es zuzutrauen gewesen, den vierten SP-Sitz zu retten.

Schlaflose Nacht

Während Min Li Marti, die vor wenigen Wochen Mutter geworden ist, nicht abkömmlich war, bemühte sich Jacqueline Badran extra vor die Kameras, um ihre Absage zu erläutern. «Ich überlegte es mir ernsthaft, wirklich ernsthaft», beteuerte die IT-Unternehmerin. Sie habe die ganze Nacht nicht geschlafen, so sehr habe sie eine Kandidatur gereizt.

«Ich überlegte es mir ernsthaft, wirklich ernsthaft»Jacqueline Badran (SP)

Aber sie habe im Nationalrat eine Mission zu erfüllen, die noch nicht zu Ende sei. Sie nannte den Kampf gegen den Ausverkaufder Heimat und Steuerfragen. Ausserdem könne sie in ihrem Unternehmen nicht einfach davonlaufen und ihr «Leben auf den Kopf stellen».

Hinzu komme, dass ja nicht die linke Mehrheit im Stadtrat auf dem Spiel stehe. Wirklich wichtig sei, «dass wir die Mehrheit im Parlament gewinnen». Dazu fehlt momentan ein Sitz.

Wie Co-Parteipräsident Marco Denoth sagt, setze die SP jetzt erst recht auf das linke Ticket, das nun von sieben auf sechs Personen geschrumpft ist. Dazu gehört nebst den Bisherigen Daniel Leupi (Grüne) und Richard Wolff (AL) auch die neu kandidierende Karin Rykart (Grüne).

Dass die SP auch sie zur Wahl empfehle, sei schon immer klar gewesen. Auf die Frage, wie es um die Unterstützung der Juso-Kandidatin Nina Hüsser stehe, sagte Badran, sie empfehle allen, sie ebenfalls auf den Wahlzettel zu schreiben.

Mit Nielsens Rückzug verliert die SP den vierten Stadtratssitz, den sie seit 1998 besetzt. Nein, man sei deswegen nicht sauer auf Nielsen, sagte Rothenfluh. Die Partei räumte ein, dass der SP ein finanzieller Schaden entsteht, weil Wahlunterlagen wertlos geworden sind.

Badran nahm die Gelegenheit wahr, den in letzter Zeit kritisierten Anspruch der SP auf vier Sitze zu verteidigen. Sie tat es, indem sie darauf hinwies, dass Anliegen der SP in Zürich beim Volk Zustimmungsraten von 70 bis 80 Prozent erreichen. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 09.02.2018, 09:15 Uhr

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