Ittingen

Der neue Geist der Pfingstkonzerte

Die Ittinger Pfingstkonzerte sind ein Klassikfestival mit grosser Tradition und Ausstrahlung weit über die Region hinaus. Für Neustart und Verjüngung nach 20 Jahren hat sich Graziella Contratto vom Geist des Ortes inspirieren lassen.

Lustwandeln – Lust am Wandel: Die Spaziergänge durch Mönchszellen und Klostergarten, vorbei an Forellenzucht und Bäckerei haben Graziella Contratto dazu inspiriert, der Musik den Geist dieses Ortes einzuhauchen.

Lustwandeln – Lust am Wandel: Die Spaziergänge durch Mönchszellen und Klostergarten, vorbei an Forellenzucht und Bäckerei haben Graziella Contratto dazu inspiriert, der Musik den Geist dieses Ortes einzuhauchen. Bild: pd

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Man kann es vornehm oder auch salopp ausdrücken: Die Kartause Ittingen ist «ein Disneyland für Spiritualität», oder sie bezaubert in der «Amoenitas loci», in der Anmutung des Ortes. So oder so schwärmten die künstlerische Leiterin der diesjährigen Ittinger Pfingstkonzerte, Graziella Contratto, und der Schweizer Schlagzeuger und Mitgestalter der Konzertreihe, Pascal Viglino, an der Präsentation des Programms von der inspirierenden Besonderheit der alten Klosteranlage, die auch ein modernes Produktionszen­trum ist.

Ein neues Konzept für das Festival war nach den zwanzig Jahren mit Heinz Holliger und Andras Schiff und ihren exquisiten thematischen Programmen gefragt. Die Veranstalter setzten nach langer Kontinuität auf neue In­itia­ti­ve und Bewegung. Eine jährlich wechselnde Festivalleitung soll nun das Programm gestalten. Für den Neuanfang fiel die Wahl auf die renommierte Schweizer Dirigentin und Leiterin des Fachbereichs Musik an der Hochschule der Künste in Bern, Graziella Contratto.

Das künstlerische Niveau halten, die Nähe zum Publikum fördern, der Kartause als Veranstaltungsort eine Rolle geben, eine gute Mischung alter und neuer Musik bieten – diese Vorgaben hat Graziella Contratto, wie sich beim Blick ins Programm zeigt, auf überraschende und neugierig machende Weise eingelöst.

Da gibt es wohl auch die vertrauten Kammermusikkonzerte und die favorisierten Werke, etwa mit dem Signum-Quartett und dem Klarinettisten Robert Pickup das Klarinettenquintett von Brahms. Das Berner Barock­orchester Les Passions de l’Ame spielt ein Alte-Musik-Konzert mit Werken von Francesco Geminiani und Georg Friedrich Händel. Es gibt das Klavierrezital mit dem Pianisten Pavel Yeletskiy und den 24 Préludes von Chopin, und es gibt das Spätabendkonzert in der Klosterkirche mit dem Vokalensemble Les Riches Heures und Gesängen von Hildegard von Bingen.

In all diese Konzerte weht aber auch der neue Atem hinein, mit dem die Programmgestalter den Ort beleben möchten. Die Zauberin Armida taucht auf, die heilige Ursula mit ihren elftausend Jungfrauen. In einem Gespräch, das Graziella Contratto mit Peter von Matt führt, geht es zwischen der «Josephslegende» und der tänzerischen Interpretation der Chopin-Préludes durch Liz Waterhouse um die «Verführbarkeit».

Das alte Beten und Arbeiten

Das Wortkonstrukt «Lust/Wandel/n», das als Titel über der Veranstaltung steht, deutet sie an: Die Sinnlichkeit und Verwandlungskraft des Ortes mit seinem Doppelgesicht als Ort des Glaubens und der profanen Landwirtschaft des alten Betens und Arbeitens steht im Zen­trum. Die besondere Ausstrahlung des Ortes, so erlebte es Graziella Contratto hier schon vor zwanzig Jahren, habe damit zu tun, dass diese alte Polarität zwischen Produktivität und Spiritualität auch heute noch zu spüren sei. Dies sollen speziell auch die «Lustwandelkonzerte» erlebbar machen. Die Musik führt hier durch den Garten und das ­Labyrinth durch Kreuzgang und Mönchszellen, und auch mit dem Gaumen verbindet sie sich bei der Degustation der in der Kartause hergestellten Produkte.

Küchenarbeit und Esoterik

Auf originelle Weise exponiert das Eröffnungskonzert mit dem Calmus-En­sem­ble den Anspruch der Pfingstkonzerte: Die Geschichte der Kartause wird mit dem Fokus auf Victor Fehr (1846–1938), der die moderne Kartause Ittingen begründete, und mit Vokalmusik von Schumann und Brahms vergegenwärtigt; den geistlich-weltlichen Doppelcharakter der Kartause evoziert Pascal Viglino mit den elektromagnetisch-esoterischen Klängen des Theremins und einer Komposition von Leo Dick für Küchenutensilien.

Gespannt sein kann man auch auf das Spätkonzert mit dem Musiker und Medienkünstler Leo Hofmann, das sich somnambul um das Jahr 1912 drehen wird, als Kaiser Wilhelm II. die Kartause besuchte, Arnold Schönberg seinen «Pierrot lunaire» komponierte, Gerdt von Bassewitz «Peterchens Mondfahrt» veröffentlichte und der Raketenbauer Wernher von Braun zur Welt kam. (Landbote)

Erstellt: 21.04.2015, 20:42 Uhr

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