Ski

Die Sehnsucht nach dem Schnee

Skigäste auf New York, Fasnachtsverzicht und Hochnäsigkeit: Drei Skilehrer aus der Region Winterthur erzählen über ihr Leben in den Bergen.

Obwohl es hierzulande noch nicht so viel Schnee hat, zieht es viele Leute aus der Region in die Berge: Auch drei Skilehrer aus der Region.

Obwohl es hierzulande noch nicht so viel Schnee hat, zieht es viele Leute aus der Region in die Berge: Auch drei Skilehrer aus der Region. Bild: Bernd Kruhl

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Verschneite, weisse Gipfel, sonniger, blauer Himmel: Der Beruf des Skilehrers weckt nach wie vor Sehnsüchte. Doch wie ist es, wenn man aus der Region Winterthur, als «Unterländer», in den Bergen sein Brot verdient? Drei Skilehrer erzählen über Skigäste aus New York, Fasnachtsverzicht und Hochnäsigkeit.

«Das Klischeebild des Skilehrers ist passé» Name: Jürg Fuhrimann Alter: 35 Jahre Skigebiet: Klosters Skilehrer seit: 2005 Skitage pro Jahr: 110 Beruf im Sommer: Leiter von Biketouren Aufgewachsen in: Turbenthal «Dass ich heute seit elf Jahren Skilehrer bin, verdanke ich einem Zufall am anderen Ende der Welt. Als ich für ein Jahr in Neuseeland lebte, vernahm ich per Zufall, dass ein Skiort in der Nähe Lehrer suchte. Nach einer Testabfahrt sagte man zu mir: ‹Du kannst Kurven fahren, bremsen und Schweizer bist du auch noch: Du kannst gleich anfangen.› Als ich im Herbst darauf wieder in der Schweiz war, bewarb ich mich für eine Stelle als Skilehrer in Klosters. Dazu musste ich den sogenannten Kids-Instructor-Kurs besuchen, der fünf Tage dauerte. Mit diesem Kurs kann man jedoch auch diejenigen Erwachsenen betreuen, die nicht so gut Ski fahren können. Als Unterländer wird man von den Berglern zu Beginn natürlich weniger ernst ­genommen, klar. Wenn sie aber merken, dass der Unterländer Ski fahren kann, relativiert sich das wieder. Blöde Sprüche werden aber auch heute noch, nach über einem Jahrzehnt Skilehrerdasein, geklopft. Es gibt einen regelmässigen Austausch unter den Skilehrern, man rapportiert das Geschehene jeden Abend und dann geht es natürlich auch mal in den Après-Ski. Das Klischeebild des Skilehrers, der den Schneehäschen nachjagt, ist aber passé. Wenn ich Geschichten von vor 20 Jahren höre, sind wir heilig. Es wird aber auch von den Kunden nicht explizit gewünscht, dass ich neben der Piste noch auftauche. Ausserdem sind unsere roten Skilehrerjacken doch relativ gut erkennbar. In Klosters schätzen die Gäste die Diskretion, man muss nicht zeigen, was man hat. Wenn ich mich an einen speziellen Gast erinnern müsste, dann wäre es wohl ein Teilnehmer des World Economic Forum aus New York. Unsere Aufgabe bestand darin, den Workaholic zum Stillstand zu bringen und ihn auch einmal das Panorama geniessen zu lassen.»

«Oh, die Unterländer sind wieder da!» Name: Lea Wyser Alter: 22 Jahre Skigebiet: Toggenburg Skilehrer seit: 2010 Skitage pro Jahr: 21 Beruf im Sommer: Dentalassistentin Aufgewachsen in: Äusseren Lind, Winterthur «Bereits im Alter von drei Jahren stand ich auf meinen ersten Ski. Mein Vater leitete damals die Skischule des Skiclubs Winterthur. Ich wurde also quasi in die Skischuhe hineingeboren. Nun unterrichte ich seit sechs Jahren jeweils an vier Sonntagen im Januar Kinder von vier bis ungefähr zehn Jahren. Dies ist mein Spezialgebiet. Ich bringe den Schülern die absoluten Basics bei, etwa wie man Ski anzieht, Skilifte benutzt, erste Pflugversuche macht und wie man nach einem Sturz wieder aufsteht. Das kann sehr anstrengend sein, vor allem dann, wenn die Kräfte der Kinder nachlassen und sie aus dem Skilift fallen. Dann muss ich jeweils den Skilift ersetzen und die kleinen Rennfahrer im Schlittschuhschritt den Rest der Strecke hochziehen. Oben angelangt, bin ich jeweils durchgeschwitzt, doch die Schweisstropfen haben sich gelohnt, denn das direkte Echo der Kinder gibt mir sehr viel zurück. Die Entwicklung jedes einzelnen Schülers ist erstaunlich: Am ersten Tag können sie noch nicht selber auf den Skilift, am dritten Tag fahren sie das Kinderskirennen und nach dem vierten Sonntag im Januar fahren sie die Pisten bereits sehr selbstsicher hinunter. Ausserdem geniesse ich die Natur und natürlich auch die Geschwindigkeit. Dafür lasse ich auch gerne mal einen Fasnachtsumzug sausen, wo ich sonst auch noch sehr engagiert bin. ‹Oh, die Unterländer sind wieder da!› oder ‹Aus Winterthur? Haben die da überhaupt einen Skiclub?›, sind die häufigsten Bemerkungen im Toggenburg. Da der Skiclub die beiden Hütten im Toggenburg aber seit rund hundert Jahren besitzt und auch die Skischule damals ihren Anfang hatte, kennen uns bereits viele Generationen des Bahnpersonals. Die Akzeptanz ist definitiv da und wir fühlen uns immer sehr willkommen.»

«Akzeptanz muss man sich ein bisschen erarbeiten» Name: Daniela König Alter: 48 Jahre Skigebiet: Toggenburg und wo sonst Schnee liegt Skilehrer seit: 192 Skitage pro Jahr: 80 Beruf im Sommer: Sachbearbeiterin Aufgewachsen in: Winterthur-Wülflingen und Tösstal «Für mich ist Ski fahren ein Lebenselixier. Wenn im Oktober der erste Schnee fällt, spüre ich, wie mich das Fieber wieder packt. Im Winter muss ich raus aus der nebligen Stadt in Richtung Sonne, sonst werde ich unausstehlich. Ausserdem macht es mir grossen Spass, die Passion des Schneesports weiterzugeben. Besonders bei Leuten, die auch wirklich lernen wollen. Am letzten Wochenende habe ich etwa junge Lehrerinnen und Lehrer als Expertin von Jugend + Sport begleitet. Anstrengender sind kleine Kinder, die nicht unbedingt in die Skischule wollen, sondern von ihren Eltern geschickt werden. Da braucht es jeweils mehr Motivation und Ansporn. Jeder hat mal klein angefangen. Ich war beispielsweise mit meinen Eltern ­oftmals im Toggenburger Schnee und irgendwann reizte mich der Gedanke, es beruflich zu machen. Ich habe mich deshalb angemeldet und zur eidgenössisch zertifizierten Schneesportlehrerin ausbilden lassen. Heute bin ich älter und arbeite zu hundert Prozent in einem Büro. Alle meine Ferien nehme ich jeweils im Winter. Dass ich nicht aus den Bergen stamme, hat sicher ab und zu einen faulen Spruch eines Berglers ausgelöst, böse waren die aber wohl kaum gemeint. Wenn man sich Mühe gibt und seine Sache gut macht, sprich, nicht arrogant oder hochnäsig auftritt, ist es kein Problem. Man muss sich diese Akzeptanz also ein bisschen erarbeiten. Etwa indem man sie in einem Rennen auch mal herausfordert. Das sind die kleinen Freuden. Der Zahltag ist nicht riesengross, doch die leuchtenden Augen der Kinder wenn die Medaille umgehängt wird, entschädigt. Um auch finanziell schwachen Kindern einen Ausflug in die Berge zu ermög­lichen, unterstütze ich die Initia­tive ‹Snow for free› der Cleven-Stiftung, die gratis Skinachmit­tage anbietet.»

Erstellt: 24.12.2016, 10:45 Uhr

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