Zürich

Fifa – Fluch und Segen für Zürich

Korruption, Betrug und die Ausbeutung von Arbeitskräften: Das Ansehen der Fifa ist auf dem Tiefpunkt. Linke Politiker befürchten, dass das auch dem Ruf der Stadt Zürich schadet.

Gestern Freitag vor dem Zürcher Hallenstadion: Proteste der Gewerkschaft Unia gegen die Arbeitsbedingungen in Qatar. Politiker sind sich uneins, ob die Kritik auf das Image der Stadt abfärbt. Bild: Keystone

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Es gibt Tage, da darf sich Zürich dank der Fifa von seiner besten Seite präsentieren. Etwa dann, wenn die weltbesten Fussballer zur Verleihung des «Ballon d’Or» am Hauptsitz auf dem Zürcher Sonnenberg eintreffen. Zuletzt aber lag der Schatten des Weltfussballverbands über der Stadt. Zu viel war in den vergangenen Tagen geschehen. Verhaftungen wegen Verdachts auf Korruption, Proteste wegen schlechter Arbeitsbedingungen am geplanten WM-Austragungsort Katar – und der Unmut auf eine undurchsichtige Organisation, die getrieben von Geld- und Machtgier von Zürich aus ihre Fäden zieht.

«Ein Schandfleck»

Für manche Politiker ist klar: Diese Vorkommnisse schaden dem Standort Zürich. Die Alternative Liste (AL) spricht in einer Fraktionserklärung von einem immer grösser werdenden Reputationsrisiko für die Stadt Zürich, sogar von einem «Schandfleck» ist die Rede. Ihrer Ansicht nach ist die Fifa nicht nur bei der Baubewilligung für den Hauptsitz zu gut weggekommen, sondern auch bei der Besteuerung. Die Partei fordert den Stadtrat deshalb auf, «die Beziehungen der Stadt Zürich zur Fifa umgehend und umfassend auf den Prüfstand zu stellen». AL-Fraktionschef Andreas Kirstein meint damit, dass sich die Stadt künftig gut überlegen müsse, ob und wie sie mit der Fifa gemeinsam auftrete, welche Kontakte sie pflegen und wo man sich gegenseitig begünstigen wolle. Linda Bär von der SP geht noch einen Schritt weiter. Die Zürcher Gemeinderätin ist der Meinung, dass sich der Stadtrat von der Fifa distanzieren müsse. «In Katar werden Menschen ausgebeutet, und die Fifa tut so, als hätte sie damit nichts zu tun», sagt Bär und fordert: «Von einer solchen Organisation muss sich die Stadt abgrenzen.» Unter anderem schlägt sie vor, die Fifa-Strasse wieder umzubenennen. «Das wäre zwar nur ein Symbol. Aber Symbole sind wichtig.» Vor eineinhalb Jahren hatte Bär mit ihrer Fraktionskollegin Rebekka Wyler die Beziehungen zwischen Stadt und Fifa hinterfragt. Sie wollten vom Stadtrat wissen, wie sich dieser zu den Arbeitsbedingungen in Katar stelle und ob Zürichs Image darunter leide. Der Stadtrat stellte in seiner Antwort klar, dass er von der Fifa erwarte, alle Einflussmöglichkeiten zu nutzen, um die Missstände in Katar zu beheben. Diese Haltung habe er dem Verband mitgeteilt, schrieb der Stadtrat. Er wies aber auch auf die Bedeutung dieses mächtigen internationalen Sportverbandes hin. Mit der «Ballon d’Or»-Gala würden Name und Qualitäten von Zürich in die Welt hinausgetragen. Zudem sei die Fifa mit rund 500 Angestellten auch von wirtschaftlicher Relevanz. Sie unterstütze zudem den Zürcher Breitensport und trage mit dem Bau des Weltfussball-Museums zur Attraktivität der Stadt bei. Ein Wegzug der Fifa hinterliesse nebst Steuerausfällen auch Einkommensrückgänge beim lokalen Gewerbe. Die Fifa generiere jährlich rund 5000 Hotelübernachtungen.

«Zürich ist nicht Weltpolizei»

Die Haltung der Stadtregierung hat sich auch durch die neusten Entwicklungen nicht geändert. Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) wies am Donnerstag in einer Stellungnahme lediglich darauf hin, dass die Fifa ihren Hauptsitz seit 80 Jahren in Zürich habe, und die Erfahrung zeige, dass wenn die Fifa in die Schlagzeilen gerate, «jeweils zwischen der Stadt Zürich als Standort mit hoher Lebensqualität und der Fifa als Organisation unterschieden wird». Auch FDP-Gemeinderat Urs Egger ist überzeugt: «Das Image der Stadt leidet dadurch nicht. Und es kann auch nicht die Aufgabe von Zürich als politische Einheit sein, Weltpolizistin zu spielen.» Ob sich die Stadt von der Fifa distanzieren soll, ist für Elmar Ledergerber, ehemaliger Zürcher Stadtpräsident (SP) und seit 2009 Präsident von Zürich Tourismus, ohnehin die falsche Frage. «Die Fifa hat nun mal ihren Standort in Zürich, und viele beneiden uns dafür.» Die Frage müsse vielmehr lauten, wie die Stadt einen Beitrag leisten könne, damit der Verband wieder positiv dastehe und nicht als korrupte Organisation. Wie genau, weiss Ledergerber nicht. «Die Entscheidungsmacht der Stadt ist gering. Aber ich bin froh, dass die Justizbehörden nun aktiv geworden sind und es zu einer Untersuchung kommt. Es musste etwas gehen.»

Erstellt: 29.05.2015, 20:27 Uhr

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