Zürich

Sepp Blatter dirigiert weiter

Der Schweizer wurde als FIFA-Präsident wiedergewählt. Ein Kommentar von Roland Jauch

Er ist es doch wieder und trotz allem: Der 79-jährige Sepp Blatter bleibt nochmals für vier Jahre Präsident des Weltfussball-Verbandes, sein Gegner machte ihm den Weg frei.

Er ist es doch wieder und trotz allem: Der 79-jährige Sepp Blatter bleibt nochmals für vier Jahre Präsident des Weltfussball-Verbandes, sein Gegner machte ihm den Weg frei. Bild: Keystone

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Stand in den letzten Jahren ein Fifa-Kongress an, waren zwei Dinge sicher: Sepp Blatter kandidiert für eine weitere Amtsperiode, und im Vorfeld versuchen seine Gegner, ihn mit Enthüllungen und Aufdecken von «Skandalen» untragbar zu machen. Dieses Jahr kam in Zürich mit der amerikanischen Justiz ein weiterer Konkurrent hinzu, der mithelfen sollte, den 79-jährigen Walliser zu stürzen. Das Ergebnis aber blieb gleich: Sepp Blatter gewann. Der jordanische Prinz Ali Bin Al-Hussein setzte ihm immerhin so zu, dass er die nötige Zweidrittelsmehrheit im ersten Wahlgang verpasste. Aber dann war es wie 1998, als Blatter Fifa-Präsident wurde: Der Konkurrent zog sich vor dem zweiten Wahlgang zurück.

Blatter kehrte auf die Bühne, die ihm so viel bedeutet, ganz anders zurück, als er sie vor dem Wahlprozedere verlassen hatte. Der Walliser fand seinen Charme und Humor wieder. Und er versprach seinen Gegnern, dass dies seine letzte Amtszeit sein werde. 2019 will er definitiv abtreten. Diese Ankündigung muss Erleichterung unter seinen Widersachern ausgelöst haben, die sich vor allem in Europa finden. Denn ihnen ist gestern erneut demonstriert worden, dass ein schlecht vorbereiteter und erst noch ideenloser Vorstoss nie reichen kann, im grössten globalen Sportverband das siegbringende Tor zu erzwingen. Zuerst fielen alle europäischen Gegenkandidaten um. Dann wurde die Drohung, den Kongress zu boykottieren, nicht wahrgemacht. Und niemand glaubt nun ernsthaft daran, dass die Uefa in einer Woche beschliesst, von der WM 2018 fernzubleiben. Die Europäer sahen definitiv nicht wie Sieger aus. Blatter kann weiterhin keine Verfehlung nachgewiesen werden. Doch was ist mit der Justiz und den sieben in Zürich verhafteten Fifa-Mitgliedern? Zurzeit sind die Aussichten, dass ihre Festnahme verfilmt wird, weit grösser, als dass sie wirklich an die USA ausgeliefert werden. Filmregisseur Roman Polanski wurde 2010 unter gleichen Bedingungen in der Schweiz festgenommen, sechs Monate später wiesen die Schweizer Behörden den Auslieferungsantrag ab. Blatter versprach gestern erneut, alles für Reformen zu tun. Diese Worte sind zurzeit die einzige Hoffnung auf Besserung im verfahrenen System Fifa. Aber sie ist doch sehr klein. 

Erstellt: 29.05.2015, 22:30 Uhr

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